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Machtlos gegen Ambrosia

In diesem Sonnenblumenfeld bei Redlin hat sich die Ambrosia massiv breit gemacht.
In diesem Sonnenblumenfeld bei Redlin hat sich die Ambrosia massiv breit gemacht. FOTO: ru
Osteroda/Redlin. Das Problem Ambrosia beschäftigt Marlies Klage aus Osteroda/Redlin schon seit vielen Jahren. "Erst waren es nur wenige Pflanzen. Birgit Rudow

Mittlerweile ist es schon eine ganze Kultur", sagt sie. In dem Sonnenblumenfeld, das an ihren großen Garten in Redlin grenzt, wächst das aggressive Unkraut, das starke allergene Reaktionen hervorrufen kann, schon meterweit in das Feld hinein. "Auch an der Straße nach Friedrichsluga steht es mittlerweile beidseitig. Es breitet sich auch schon in Gärten aus", so Marlies Klage. Sie fürchtet um ihre und die Gesundheit ihrer Familie, in der es auch Allergiker gibt. "Rote, geschwollene und tränende Augen, Kopfschmerzen oder eine laufende Nase haben wir vor allem, wenn im Garten gemäht wird", sagt sie. Marlies Klage passt auf, dass die kleinen Enkelkinder möglichst nicht im hinteren Bereich, dicht am Sonnenblumenfeld, spielen. Hier hat die Familie schon eine Totholzhecke angelegt. "Ich wollte einfach eine Abgrenzung haben", sagt die Redlinerin.

Am meisten ärgert sie, dass anscheinend niemand etwas gegen das zunehmende Problem unternehmen will. Sie fühlt sich damit allein gelassen. 2011 hatte sie sich schon einmal an die RUNDSCHAU gewandt, als die Ambrosia sich an Straßenrändern breitgemacht hatte. "Damals hat die Straßenmeisterei die Pflanzen rausgezogen. Das hat gut geklappt", berichtet sie. In den nächsten Jahren war die Ambrosia aber noch mehr verbreitet als vorher.

Marlies Klage ist von Amt zu Amt gegangen. "Im letzten Jahr habe ich mich an das Ordnungsamt der Stadt Herzberg gewandt, war beim Landwirtschaftsamt des Kreises, beim Umweltamt. Einer hat mich zum anderen geschickt", sagt sie. Sie hat sogar schon Pflanzen an das Ambrosiakataster nach Potsdam geschickt. "Gehört habe ich nie wieder etwas", sagt Marlies Klage.

Die Pressestelle des Landkreises hat auf Nachfrage der Rundschau, wer denn nun für das Problem zuständig sei, geantwortet, dass weder bei der unteren Naturschutzbehörde noch im Gesundheitsamt des Kreises eine Übersicht zum Vorkommen der Pflanze geführt werde. Sie verwies auf die entsprechenden Ministerien in Potsdam. In der unteren Naturschutzbehörde bekam die RUNDSCHAU die Antwort, dass für Ambrosia der Pflanzenschutzdienst des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung zuständig sei. In diesen Tagen kam auch die Information aus Potsdam, dass das Land Brandenburg zur Bekämpfung der Allergiepflanze Ambrosia ab dem kommenden Jahr eine Koordinatorenstelle einrichten will.

Das sei eine gute Nachricht, meint Marlies Klage. Sie helfe ihr jetzt aber nicht. Das Unkraut werde nach dem Regen jetzt in die Höhe schießen, blühen und seine unzähligen Pollen verteilen, sagt sie. Was das Sonnenblumenfeld betrifft, so hat das Herzberger Ordnungsamt den Kontakt zu dem Flächeneigentümer hergestellt. "Er will bekämpfen. Die Pflanzen müssen mit der Hand rausgerissen werden. Das ist die einzige Möglichkeit und müßig,", sagt Ordnungsamtsleiter Sven Ziehe.

Wie das Entfernen per Hand bei den vielen Pflanzen klappen soll, kann sich Marlies Klage nicht vorstellen. Sie will nicht als Querulant dastehen. "Aber es muss doch was geschehen. Es geht doch um unsere Gesundheit", sagt sie.

Die Ausbreitung von Ambrosia ist derzeit in ganz Südbrandenburg ein großes Thema. Der Vorsitzende des Bauernverbandes Südbrandenburg Thomas Goebel hatte kürzlich auf einer Vorstandssitzung gesagt, dass die Vorkommen noch nie so massiv gewesen sind.

Zum Thema:
Die Pressestelle der Kreisverwaltung rät, sich in Bezug auf Ambrosia auf den Internetseiten des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg MLUL und des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zu informieren. Unter dem Link www.lugv.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/fbambrosia.pdf kann ein Flyer mit wichtigen Hinweisen hochgeladen werden.