| 17:28 Uhr

Herzberg
Lutherstübchen sagt langsam ade

Andreas Bintig und Tabita Grünhard waren die führenden Köpfe der Lutherstübchen-Aktion in Herzberg , die das Reformationsjubiläum in der Stadt mit kleinen Veranstaltungen begleitet hat.
Andreas Bintig und Tabita Grünhard waren die führenden Köpfe der Lutherstübchen-Aktion in Herzberg , die das Reformationsjubiläum in der Stadt mit kleinen Veranstaltungen begleitet hat. FOTO: Dieter Müller / Müller Dieter
Herzberg. Die Stunden sind gezählt. Zum Monatsende schließt das kleine Lutherstübchen seine Türen. Es war von Anfang an nur als vorübergehendes Angebot im Reformationsjubiläumsjahr geplant. Sylvia Kunze

Das kleine Lutherstübchen gleich gegenüber vom Herzberger Rathaus ist gut gefüllt. Den Anwesenden wird bei der nunmehr fünften Lutherstunde ein Festmahl versprochen. Begleitet von Musik, Gesang und Erzählungen. Und alles dreht sich um den großen Reformator Martin Luther. Und schon wird aufgetischt: Suppe, Brei, Gartengemüse, Mutzenbraten, Hühnergebein, Bauernbrot, Grütztopf. So in etwa könnte der große Reformator vor 500 Jahren gespeist haben.

„Es geht und ging uns nie um das Vermarkten seiner Person. Wir sind angetreten, sein Wirken darzustellen und zu ehren. Und das ist uns auch gelungen“, resümiert Tabita Grünhard, führender Kopf der Lutherstübchen-Initiative. Maßgebliche Unterstützung erhielt die Frau, die sich in der christlichen-evangelischen Gemeinde engagiert und das Wirken vor Ort begleitete, vom Herzberger Kaffeeröster Andreas Bintig und von der Herzberger Bäckerei „Café Plätzchen“ – und über die Zeit von einigen anderen fleißigen und uneigennützigen Helfern.

„Wir hatten keine Ahnung, welche Lücke wir in der Stadt schließen“, benennt Tabita Grünhard das Problem. Nämlich eine Lücke, die sich für Touristen auftut, die am Wochenende in der Kreisstadt mal gern eine Auskunft zu ihrem Besuchsprogramm hätten. Die Touristinformation hat da nämlich geschlossen. Und eine Lücke hinsichtlich des Bewältigens der Wege vom Bahnhof in die Stadt und wieder zurück. Sie habe mehrfach Anlauf genommen, eine Art Busverkehr zu organisieren und sei gescheitert. „Wir selbst und Herzberger Bürger mit ihren Privatfahrzeugen haben dann ausgeholfen“, berichtet Tabita Grünhard.

Gute Pressearbeit im Raum Potsdam und Berlin habe auch auf das kleine Herzberg aufmerksam gemacht, durften die Lutherstübchen-Betreiber erfahren. „Wir haben in unserem Stübchen zwar etwas die Herzberger vermisst, dafür aber sehr viele Berliner begrüßen können“, erläutert Andreas Bintig. Und die hätten sich, neben weiteren Gästen aus Dresden, Leipzig und sogar Wittenberg sehr interessiert an der Stadt gezeigt. „Es gibt mehr zu entdecken, als man bisher glaubte, zumal im Reformationsjahr unsere Stadtgeschichte aufgearbeitet und dadurch sehr bereichert wurde. Es ist erstaunlich, wie viel Reformation hier stattfand“, sagt Tabita Grünhard.

Im Lutherstübchen hat man das alles ein wenig „zusammengefasst“. Anhand des Stadtplans wurde eine Luthermeile erarbeitet, vorbei an all den liebevoll geschmückten Schaufenstern und an wichtigsten Reformationsstationen. Es gab eine Ausstellung über Luthers Leben, eine Präsentation über Luthers Wirken, Verkostungsrunden mit Kaffee und Gebäck und das gemeinsame Schreiben eines Buches (der Römerbrief wurde dabei abgeschrieben). Außerdem fanden eine Aktionswoche für Kinder und fünf thematische Lutherstunden statt. Die Letzte eben am Dienstagabend mit Luthers Festmahl.

Tabita Grünhard und Andreas Bintig werden beide mit einem weinenden Auge Abschied nehmen. Nur noch bis zum Ende des Monats kann das Stübchen Samstag von 10 bis 17Uhr und Sonntag von 14 bis 17Uhr sowie nach Vereinbarung besucht werden. „Die ehrenamtliche Arbeit hat uns viel Spaß gemacht. Es war ein schöner und lohnenswerter Einsatz für unsere Stadt“, sagen beide.