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| 14:02 Uhr

Umgehört
Straßenbaum-Übersicht lückenhaft

Eine Allee Richtung Freileben. Stürme und Krankheiten setzen den Bäumen zu. Immer mehr Lücken entstehen. Anderweitig wird wegen Straßenbau abgeholzt. Aber wo kommen neue Bäume dazu? Wo wird nachgepflanzt? Nicht überall gibt es bei Straßenbaulastträgern darauf auf Anhieb Antwort.
Eine Allee Richtung Freileben. Stürme und Krankheiten setzen den Bäumen zu. Immer mehr Lücken entstehen. Anderweitig wird wegen Straßenbau abgeholzt. Aber wo kommen neue Bäume dazu? Wo wird nachgepflanzt? Nicht überall gibt es bei Straßenbaulastträgern darauf auf Anhieb Antwort. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Herzberg. Längst nicht jeder Baulastträger hat auf Anhieb einen Überblick über den Bestand und wie er mit den Jahren ab- und bestenfalls auch wieder zunimmt. Von Sylvia Kunze

An der einen Stelle hat ein zurückliegender Sturm mehrere Baumriesen am Straßenrand einfach weggefegt. An anderer Stelle setzen Krankheiten, Trockenheit oder andere ungünstige Faktoren Straßenbäumen zu und dezimieren sie nach und nach. Gefühlt werden es immer weniger, die die Fahrbahnen säumen. Stimmt das? Oder trügt das Bild? Wie steht es um den Ersatz?

Mit diesen Fragen ist die Lausitzer Rundschau an Straßenbaulastträger, also jene, die für das Begleitgrün entlang der Bundes-, Landes-, Kreis- und Kommunalstraßen verantwortlich sind, herangetreten. Und wie sich zeigt: Längst nicht jeder hat auf Anhieb Überblick über den Bestand und wie er mit den Jahren ab- und bestenfalls auch wieder zunimmt.

Wie es an Bundes- und Landesstraßen aussieht, das hat im Herzberger Bereich Bastian Richter im Blick. Der Mitarbeiter der Landesstraßenmeisterei ist seit geraumer Zeit als Baumwart tätig. Aber auch Kolonnenführer Dietmar Starke hat den vollen Überblick — dank eines sehr sorgsam geführten Baumkatasters, dem eine zwei Mal im Jahr (einmal im belaubten, einmal im unbelaubten Zustand) stattfindende Baumschau als Basis zugrundeliegt.

Etwa 8000 Bäume an rund 272 Kilometern Straße sind dabei im Blick zu behalten. Aber von Jahr zu Jahr werden es weniger, schätzen die bei der Straßenmeisterei Verantwortlichen ein. Ersatzpflanzungen, wie sie an den Radwegen von Friedrichsluga nach Herzberg oder auch von Herzberg nach Schlieben erfolgt sind, seien die Seltenheit. Oftmals lasse vor dem Pflanzen erst nötiger Grunderwerb eigentliche Vorhaben scheitern. Wo dann stattdessen Ersatzpflanzungen innerhalb des Verantwortungsbereichs des Landes stattfänden, läge nicht im Ermessen der Herzberger.

Tendenziell werde es mit dem Baumbestand nicht besser. Er sei inzwischen in der Mehrheit sehr alt, viele Bäume seien am Limit. Durch Krankheiten oder andere Einflüsse geschwächt, seien sie potenziell leichte Opfer all der noch kommenden Stürme. Der Pflege werde deshalb große Aufmerksamkeit gewidmet, versichert Starke. „Dafür steht inzwischen auch mehr Geld zur Verfügung“, sagt er, zum Beispiel zum Entfernen von Totholz, zur Kronenpflege, zum Beseitigen von Stamm­austrieben und zum Herstellen des Lichtraumprofils.

Ähnlich akkurat ist das Baumkataster in der Stadt Falkenberg geführt. Seit knapp zehn Jahren kümmert sich darum Marcel Heinrich, der sich in Sachen Bäume extra einer gesonderten Schulung unterzogen hat. Die mehr als 8400 Bäume in der Stadt (die im Stadtwald nicht mitgezählt) werden einmal jährlich einer Kontrolle unterzogen. In Falkenberg gilt: „An Fehlstellen wird im Wesentlichen versucht, Ersatz nachzupflanzen. Ziel: immer in der Nähe, wenn nicht gleich an der gleichen Stelle“, berichtet Heinrich. Und weiter: „Wir haben hauptsächlich einen sehr alten Bestand. Wir werden deshalb den Vorschlag des Naturschutzvereins aufgreifen und uns in naher Zukunft einmal Gedanken über ein städtisches Bepflanzungskonzept machen müssen. Damit wir für den Fall, dass Bäume weichen müssen, eine Idee für die zukünftige Gestaltung haben.“

In der Stadt Herzberg ist man aktuell dabei, das Baumkataster auf den aktuellen Stand zu bringen. Das sei in den zurückliegenden Jahren stiefmütterlich behandelt worden, bedauert Ordnungsamtsleiter Sven Ziehe. Auch in Uebigau-Wahrenbrück sei das Kataster nicht in bestem Zustand, gesteht Hauptamtsleiter Roland Schrey. Aber es gibt wenigstens schon mal diese Übersicht.

Fehlanzeige hingegen beim Landkreis. „Wir führen weder ein kreisliches Baumkataster, noch ein Kataster der Straßenbäume und des Straßenbegleitgrüns“, heißt es auf Anfrage aus der Pressestelle des Landratsamtes.