Von Rico Meißner

Eigentlich wollte er ja Rockstar werden. Oder Schauspieler. Letztendlich hat es Uwe Wilhelm aber dann doch zum Schreiben getrieben. Und somit gab es am Samstag in der Uebigauer Museumsscheune ein geschmackvolles Dinner, garniert mit den „Sieben Kreisen der Hölle“.

Es war gleichzeitig das letzte „Krimi-Dinner“ in der Stadt, das Bibliothekarin Karin Petri arrangiert hat. Sie wird in diesem Jahr, nach so viel Engagement, in den Ruhestand gehen. Dementsprechend leitete sie auch die Lesung ein. „Warum ich das hier auf die Beine stelle? Weil es mein letztes Krimi-Dinner ist.“ Einen großen Dank richtete sie an das Team der Schlossherberge für die Unterstützung.

Für Uwe Wilhelm hingegen war es eine Premiere. „So etwas mache ich zum ersten Mal“, sagte er. „Ich bin es gar nicht gewohnt, dass die Leute essen, während ich lese.“ Aus diesem Grund habe er auch alle „unappetitlichen“ Passagen, etwa aus der Gerichtsmedizin, aus seiner Buchvorstellung vorsichtshalber außen vor gelassen.

Der gebürtige Hesse, der jetzt in Berlin lebt, hat, bevor er Romane schrieb, vor allen Dingen Drehbücher verfasst. Nach eigenen Angaben hat er mehr als 120 Szenarien, unter anderem für Bernd Eichinger, Til Schweiger, Katja Riemann oder Jürgen Vogel geschrieben. Es finden sich dabei auch Bücher für den Tatort, den Polizeiruf oder Kinofilme wie „Bandits“.

In „Die 7 Kreise der Hölle“ steht, wie bereits in seinen anderen Romanen, mit Helena Faber eine starke Frau im Mittelpunkt der Handlung. „Bei mir sind die Hauptfiguren immer Frauen“, so Wilhelm. „Ich wollte einen anderen Blick auf die Ermittler werfen. Und gleichzeitig auch die Doppelbelastung der Protagonistin aufzeigen.“ Mit Faber ist es dabei ein Charakter, der sich, nach der Trennung, allein um die beiden Töchter und ihren Beruf als Staatsanwältin kümmern muss. Als Sophie und Katharina entführt werden, stellt sich für Helena die Frage, wie weit sie bereit ist zu gehen, um diese lebend wiederzusehen.

Uwe Wilhelm, der zum ersten Mal in der Region war, zeigte sich fasziniert von der ruhigen Lage und der Freundlichkeit der Menschen. Ursprünglich hat er einige Semester Germanistik studiert, danach Rockmusik mit seiner Band gemacht und die Schauspielschule in Essen besucht. Drei Jahre verbrachte er dort, wie auch in Hannover und Berlin, am Theater.

Vor seinem Auftritt in Uebigau war er bereits in Schlieben zu Gast. In seiner Begrüßung betont er nicht nur, dass er gern bei der LiteraTour zwischen Elbe und Elster auftrete, sondern erzählt auch Anekdoten aus seinem Leben, als er noch kein Schriftsteller war: „Ich bin meines Wissens nach der einzige Schauspieler, der während einer Aufführung auf der Bühne im Theater eingeschlafen ist.“ Er behauptete, sein Schauspielkollege habe zuvor nach einer durchzechten Nacht Marihuana geraucht, was dessen Bühnenmonolog erheblich verlängerte. Da sei er „eben eingepennt“, bis die Reihe an ihn kam. Die Aufführung wurde dennoch ein Erfolg beim Publikum, nichtsdestotrotz wurde er danach entlassen. Vielleicht ein Glück für die Thriller in Buchform.