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| 17:40 Uhr

Herzberg
Lebenssaft für andere

Anita Hollmig bei der DRK-Auszeichnungsveranstaltung in Berlin.
Anita Hollmig bei der DRK-Auszeichnungsveranstaltung in Berlin. FOTO: LR / DRK-Blutspendedienste / Steffen
Herzberg. Die engagierte Blutspenderin Anita Hollmig aus Herzberg wurde in Berlin ausgezeichnet. Von Birgit Rudow

Es ist jedes Jahr die gleiche Situation. Wenn die Ferienzeit beginnt oder Feiertage anstehen, werden die Blutkonserven knapp und die Blutspendedienste rühren kräftig die Werbetrommel. „Spende Blut. Erst wenn es fehlt, fällt es auf!“ war deshalb auch das Motto des 15. Internationalen Weltblutspendertages.

Zu denen, die seit Jahren keine extra Aufforderung zum Blutspenden brauchen, gehört die Herzbergerin Anita Hollmig. Am Montag hat sie ihre 134. Spende abgegeben. Und sie spendet nicht nur regelmäßig, sie hilft seit etwa fünf Jahren beim Blutspendedienst Nord-Ost auch im Service mit, wenn der in Herzberg, Falkenberg, Schlieben oder Holzdorf vor Ort ist. Grund genug für Bärbel Reichenberger vom Blutspendedienst Cottbus, Anita Hollmig für die Auszeichnungsveranstaltung aus Anlass des Weltblutspendertages Ende vergangener Woche in Berlin vorzuschlagen.

„Ich wollte erst gar nicht, aber mein Mann und mein Sohn haben mich überredet“, sagt die Herzbergerin. Und sie hat es nicht bereut. 65 engagierte Blutspenderinnen und Blutspender aus ganz Deutschland waren in die Hauptstadt eingeladen. Bei der Auszeichnungsveranstaltung in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg wurden sie von der DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt und der DRK-Botschafterin Carmen Nebel mit einer Ehrenurkunde und der Ehrennadel des DRK ausgezeichnet. Dazu gab es ein sehr unterhaltsames Rahmenprogramm in Berlin. „Wir haben gemerkt, dass man uns mal richtig danken wollte, mit einer Spree-Schifffahrt durch das historische Berlin, einer Stadtrundfahrt mit Rikschas oder einem Mittagessen auf der Dachterrasse des Reichstages“, erzählt Anita Hollmig. Auch den Reichstag mit seiner Glaskuppel konnten sie besichtigen und wurden dort von der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau begrüßt. „Es waren wunderbare zwei Tage, ich hätte mich geärgert, wenn ich nicht gefahren wäre“, meint Anita Hollmig.

Sie hat es sich aber auch verdient. Viermal im Jahr dürfen Frauen Blut spenden. Bei bisher 134 Spenden lässt es sich schnell ausrechnen, wie viele Jahre Anita Hollmig schon regelmäßig zu den Spenderterminen erscheint. „Eigentlich habe ich erst spät angefangen“, erzählt die 67-Jährige. „Zu DDR-Zeiten lief das alles übers Krankenhaus. Wir hatten im Armaturenwerk eine medizinische Station. Eine Krankenschwester hat sich damals beklagt, dass es so wenige Spender gibt. Ein Kollege hat mich dann überzeugt, mit zum Blutspenden zu gehen. Dabei hatte ich immer Angst vor Spritzen. Die waren damals noch so dick. Aber ich bin dabeigeblieben“, sagt sie.

Für Anita Hollmig ist Blutspenden eine Herzenssache. „Ich mache das, um anderen zu helfen. Jeder kann durch Krankheit oder Unfall in die Situation kommen, Blut zu benötigen. Deshalb möchte ich an jeden appellieren, zum Blutspenden zu gehen“, so die Herzbergerin. Sie fürchtet, dass jetzt in den Urlaubsmonaten die Zahl der Spender wieder zurück gehen wird. Und auch die Fußballweltmeisterschaft werde so manchen lieber an den Fernseher fesseln als an die Blutspende, sagt sie.

Anita Hollmig kennt viele Spender in der Region Herzberg. Wenn es nach der Blutspende in Herzberg Schnitzel und in Falkenberg Kartoffelsalat und Bouletten gibt, oder wenn die Beutel mit Lebensmittel ausgegeben werden, dann kümmert sie sich darum. Sie sorgt im Service dafür, dass die Spender Tee, Kaffee oder Säfte erhalten. Und sie freut sich immer wieder, Bekannte zu treffen. „Herzberg ist ein großes Dorf. Ich kennen viele Leute noch aus meiner Zeit im Armaturenwerk oder aus dem Wohngebiet. Da gibt es immer viel zu erzählen“, sagt sie.

Ihr Blut möchte sie so lange spenden, wie sie darf und kann. „Frauen dürfen das bis einen Tag vor ihrem 73. Geburtstag. Da werde ich die 150. Spende doch noch schaffen. Und wenn es ein paar mehr werden, ist es sicher auch nicht schlimm“, lacht sie.