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Lebensgeschichte "Von Wilna nach Schlieben" macht sprachlos

Berührt von der Lesung lassen sich viele Besucher das Buch von Autor Uwe Schwarz signieren.
Berührt von der Lesung lassen sich viele Besucher das Buch von Autor Uwe Schwarz signieren. FOTO: Gabi Zahn/gzn1
Herzberg. "Von Wilna nach Schlieben" – die Geschichte des jüdischen Vaters Peter Schwarz, die seinen Sohn Uwe nicht losgelassen hat, fand am Freitag im Evangelischen Gemeindehaus großen Anklang. Bis auf den letzten Platz ist der Saal an diesem frühlingswarmen Abend gefüllt, als Stephanie Kammer das Publikum herzlich begrüßt. Gabi Zahn/gzn1

Wenige Tage zuvor war in ihrem Verlag "Bücherkammer" das gleichnamige Buch des in Cottbus wohnenden Autors erschienen. Den Raum für die Lesung öffnet Sarah Dammerböer mit wunderbaren Liedern, welche die Herzberger Gymnasiastin eigenhändig am Klavier begleitet.

In der folgenden Stunde lässt Uwe Schwarz seine Zuhörer an seinen aufwendigen Recherchen teilhaben, die weit über die eigentliche Familiengeschichte hinausgehen.

Peter Schwarz hat als polnischer Jude die Konzentrationslager Majdanek, Skarzysko-Kamienna, Buchenwald und Schlieben-Berga leidvoll durchlebt und zugleich aufrichtig ertragen. In Majdanek wird er Lebensretter eines jüdischen Kindes, das er fortan behütet. Der heute 86-Jährige Norman Frajman lebt in den USA und hat maßgebliche Informationen für das Buch geliefert.

Peter Schwarz verstarb 1987 in Schlieben. Nur Weniges hat er über sein Schicksal und das seiner Familie preisgegeben. Uwe Schwarz erklärt, warum er zum Biografen seines Vaters wurde: "Ich wollte, dass meine beiden Kinder mehr wissen sollen, als ich damals in ihrem Alter wusste." So wird das Publikum am Ende des Vortrags Zeuge, wie Tochter Diana ihrem Vater innig dafür dankt.

Christine Jende aus Bad Liebenwerda bekennt: "Ich bin so bewegt, dass ich kaum reden kann." Kathrin Blobel aus Herzberg resümiert: "Gut, dass wir jetzt mehr darüber wissen, was in unserer Region passiert ist." Für Bärbel Jentzsch aus Schlieben, 1942 geboren, beantwortet das Buch Fragen, die sie sich selbst oft gestellt hat. "Auch mein Vater hat kaum geredet. Und ich habe mich nicht getraut nachzufragen."

Melanie Engler, Leiterin der Gedenkstätte des KZ Lichtenburg in Prettin/Sachsen-Anhalt, honoriert die Leistung des Autors: "Uwe Schwarz hat Forschungstätigkeit geleistet. Von dieser Mission können wir alle profitieren."