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Leben im Garten der Begegnung

Neu ist der "Garten der Begegnung" in der Erstaufnahmeeinrichtung in Doberlug-Kirchhain. Projektleiterin Marén Zankl (r.) hat ihn gemeinsam mit Bewohnern angelegt. Auch Masoud (17) und Abdul Kahleq Faquiri aus Afghanistan haben tatkräftig geholfen.
Neu ist der "Garten der Begegnung" in der Erstaufnahmeeinrichtung in Doberlug-Kirchhain. Projektleiterin Marén Zankl (r.) hat ihn gemeinsam mit Bewohnern angelegt. Auch Masoud (17) und Abdul Kahleq Faquiri aus Afghanistan haben tatkräftig geholfen. FOTO: leh
Doberlug-Kirchhain. Es grünt und blüht in der kleinen Oase auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge an der Torgauer Straße. Auf einer Fläche von etwa 8 x 30 Meter gedeihen Blumen, Gemüse und Gewürze. Heike Lehmann

Die Wege sind sternförmig angelegt. Bänke in einem Grünen Klassenzimmer laden zum Verweilen ein. "Die Pflasterarbeiten sind erst gestern fertig geworden", sagt Marén Zankl, die Projektleiterin. Seit Anfang des Jahres arbeitet die Diplomforstwirtin aus Staupitz in der vom DRK betriebenen Flüchtlingseinrichtung.

Der Garten soll den Bewohnern Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Was hier wächst, ist aber auch zum eigenen Verzehr gedacht. Der Lernfaktor für die Kinder ist nicht zu verachten und die grüne Oase ist als Rückzugsort oder Treffpunkt mit anderen gedacht. Am Donnerstagabend ist der "Garten der Begegnung" mit einem Gartenfest eingeweiht worden. "Wir haben Bewohner und Kooperationspartner dazu eingeladen", sagt Claudia Schmidt, Referentin für interkulturelle Öffnung. Mit frischem Studienabschluss der TU Dresden in Politikwissenschaften hat sie in Doberlug-Kirchhain ihre erste Arbeitsstelle gefunden. Neugierig schauen sich auch Jens Helemann, Denise und Adrian Gladis sowie Martin Heinrich im Garten um. Die vier kommen von der Falkenberger Kinder- und Jugendaquaristik AG. Eingeladen wurden sie, weil sie in der Flüchtlingsunterkunft zwei Aquarien eingerichtet haben.

Der Garten wird gut angenommen, sagen Einrichtungsleiter Theo Ripplinger und Marén Zankl. "Fünf Jugendliche kommen regelmäßig und helfen - alles freiwillig." Abdul aus Afghanistan sei ihr eine große Hilfe gewesen. "Die Beeteinfassung mit Steinen war zum Beispiel seine Idee", so Marén Zankl. Sie nennt ihn scherzhaft "Garteningenieur", weil er Erfahrungen in der Gartenarbeit aus seiner Heimat mitbringt. Abduls 17-jähriger Sohn zählt auf, was zu Hause wächst: "Gemüse, Obst, Melonen, Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen." Die Familie lebt zu fünft in der Erstaufnahme - seit fünf Monaten.

Viele Bewohner haben in den letzten Monaten neugierig beobachtet, wie der Garten gewachsen ist. Dokumentiert wird das am Donnerstag mit Fotos von der Entstehungsgeschichte. Gedränge gibt es an der Verkostungsstation. "Alles Produkte aus eigener Ernte", versichert Theo Ripplinger. Ein Renner ist der Honig frisch aus den Bienenwaben, den Hausmeister und Hobbyimker Mirko Fritsch verteilt. 16 Bienenvölker hat er - neun bei Uebigau-Wahrenbrück, drei bei Langennaundorf und die anderen in Schilda. Den Honig, den hier Kinder wie Erwachsene eifrig naschen, haben aber Bienen auf dem Gelände produziert. Hausbetreuerin Katrin Scherf schaut sich mit Bewohnern das emsige Tun in einem Schaukasten an. Sie hat ihre Arbeit beim DRK schon zu Zeiten der Notunterkunft 2015 begonnen. Die Doberlug-KIrchhainerin schwärmt: "Das hier aber ist die spannendste und bisher schönste Arbeit, die ich je hatte."

Schnell nimmt das Gartenfest fröhlichen Charakter an. Es wird musiziert, gesungen, getanzt und gelacht - über Generationen und Nationen hinweg.