Und wie: Jugendlicher Rock ist anno 2005 längst nicht mehr gefällige Harmonie-Suche aus den ersten seichten Gitarren-Stunden. Aus den Boxen ließen die jungen Musiker kraftvolle, zuweilen auch wütende, aber nie abgedroschene Riffbretter und emotionale Balladen sprechen: Punkiges, Rockiges mit Klasse. Dafür stehen beispielhaft The Capulets (Ex-Negative-Creep) aus Herzberg und Falkenberg, Abräumer des 150-Euro-Preisgeldes. Sie mischten Metal, Punk, Grunge und bestätigten den Trend aller anderen, nicht recht in eine der berühmten Schubladen zu passen. Seit August 2003 musizieren Philipp Siebert und seine Mannen in dieser Konstellation und überraschen immer wieder mit ruhigeren Elementen. Der Jury aus Musikschullehrern, einem Konzertveranstalter und dem Publikum war das den ersten Platz wert. Die zweitplatzierten La Vida Pasa nahmen den Weg von Koitzsch in das ehemalige Gemeindehaus des kleinen Dörfchens auf sich, um mit Lie besliedern und schnellem Punk-Rock - Blink heißt ein Idol der Band - die noch überschaubare Rockgemeinde in rhythmische Zuckungen zu versetzen. 30 Watt aus Herzberg gingen es ruhiger an und erreichten den dritten Platz mit nachdenklichen wie witzigen deutschen Texten, Funk, Rock'n' Roll, Pop und Punk - nicht ohne gelegentlich pures Tempo und Magengruben-Bässe auszupacken. Die drei bestplatzierten Bands spielen auf dem Schliebener Moienmarkt. Teufelskreis aus Dahme verwandelte Aggression in punkige Ausrufezeichen mit Metal-Zutaten: Da musste unweigerlich die Haarmähne von Sänger Andreas Petersen fliegen, der seinen Beitrag lakonisch als „Gebrüll“ beschreibt. Gitarren-Hooks und Klangdramaturgie behielten immer Anspruch, waren keine Schnellschüsse.

Funk und Punk als Mix
Auch die '99 gegründeten Black Flame aus Schönhausen haben längst das Proberaum-Stadium hinter sich. Ausgefeilter, konzentrierter Independent Rock grub sich in die Gehörgänge. „Individualität ist unser Markenzeichen“ , brachte es Sänger und Gitarrist Robert Schulze auf den Punkt.
Nappy XL, seit 2002 Magdeburger Musikschmiede, kam es auf Dynamik an. Logische Schlussfolgerung also: Funk und Punk müssen irgendwie zusammenkommen, und die Mischung funktioniert. „Das ist Musik, um sich dazu zu bewegen!“ , so Sänger Patric Gelbke. Das Publikum gab ihm Recht. Mit gerade heraus geschrieenem, politischen Deutsch-Punk machte Die Opposition aus dem Raum Herzberg Stimmung. Sie ist seit einem Jahr aktiv. „Die Musik ist systemkritisch, hat Metal-Einflüsse, ist einfach gehalten. Es kommt auf die Texte an“ , erklärt Marcus Müller. „Die Musik kommt von Herzen.“ Spaß an der Musik - das hat sie wie alle anderen nach Freileben geführt. „Wichtig ist, dass die Bands nur eigene Titel, also GEMA-frei, gespielt haben“ , teilt Inhaber Steffen Schmidt aus Herzberg mit und lässt damit nur eines der Probleme anklingen, die man als Veranstalter eines solchen Musik-Ereignisses zu bewältigen hat. Harrys Corner ist der perfekte Ort dafür - bis zu den nächsten Nachbarn ist es ein Stück. Wer sich das nicht entgehen lassen wollte, kam voll auf seine Kosten. Im Sommer plant Schmidt übrigens drei Beach-Partys am Bernsdorfer See, Radio Fritz-DJ und Live-Musik inklusive.