Wenn Dieter Wils vom SV Linde Schönewalde ruft, dann kommen sie, die Sportprominenten, Olympiasieger und Weltmeister. Der Trainer der Leichtathleten schafft es jedes Jahr aufs Neue, hochkarätige Gäste aufs Podium bei der Wahl zum Sportler des Jahres zu bekommen. Am Sonnabend hat sich der Pflichttermin für die Nachwuchssportler des Schönewalder Sportvereins zum 36. Mal gejährt. Angekündigt hatten sich Fanny Fischer und Ronald Raue, beides erfolgreiche Kanuten und Olympiasieger. Zwei Tage vor der Sportlerwahl sagten die Beiden wegen nicht verlegbarer Termine an ihrer Universität ab. Trainer und Sportler zeigten sich enttäuscht, waren aber dennoch froh, dass Jürgen Schult, leitender Bundestrainer für Wurf- und Stoßdisziplinen, den Weg nach Schönewalde gefunden hatte. Schult errang in seiner Karriere als Diskuswerfer einst den Olympiasieg und stellte 1988 den Weltrekord über 74,08 Meter auf, der noch heute Bestand hat.

Landrat Christian Jaschinski (CDU) löste sein Versprechen ein und traf pünktlich zu Beginn der Wahl bei den Leichtathleten ein. Für Dieter Wils ist die Sportlerwahl immer die richtige Gelegenheit, das ausklingende Jahr zu resümieren. Und das konnte sich von den Leistungen her bis jetzt durchaus sehen lassen. "Es ist sicher einfach, erfolgreich zu werden, aber viel schwerer, erfolgreich zu bleiben", sagt der Trainer während des Jahresrückblicks, und verweist auf Trainingsumfang und -qualität, die stimmen müssen, um kontinuierlich gute Leistungen abzurufen. In Schönewalde scheint das zu gelingen. Bei den Öresundspielen im schwedischen Helsingborg hatten die Schönewalder im Sommer 30 Medaillen auf dem Nachhauseweg im Gepäck, drei davon in Gold.

Neben diesem Wettkampf sind die Löwenspiele in Löwenberg ein weitere Höhepunkt im Wettkampfjahr der Schönewalder Sportler. Mit dem Rekordergebnis von 38 Medaillen und 48 Saisonbestleistungen beendeten die 43 Linde-Akteure den letzten großen Bahnwettkampf der Saison. Sobald eine Saison beendet ist, fängt auch schon eine Neue an. Derzeit stehen Crossläufe auf dem Plan.

Dieter Wils musste bei seiner Aufzählung der Medaillenstatistik die vorbereitete Rede spontan ändern, als Lena-Sophie Grulich verspätet den Saal betrat. Die Elfjährige kam direkt von den Landesmeisterschaften in Cross und hatte Titel sowie Goldmedaille im Gepäck. Leistung und Sympathien sind bei der Sportlerehrung entscheidende Kriterien für die Wahl. Der Nachwuchs wählt hier die Besten des Jahres aus den eigenen Reihen. Lena-Sophie scheint beiden gerecht zu werden und wurde am Samstag mit dem dritten Platz belohnt. Sie folgte der langjährigen Siegerin Emma Lena Schulze, die sich dem hauchdünnen Stimmvorsprung von Lara Luisa Wolff geschlagen geben musste.

Bei den männlichen Athleten war es ein Punkt, der Benedikt Krüger die Titelverteidigung ermöglichte. Ihm folgen Konrad Dobra und Lucas Naumann.

Die Podiumsgäste, die zum ersten Mal bei den Leichtathleten waren, zeigten sich positiv überrascht von den Leistungen der Kinder. Ulrich Hobeck, Präsident des German Meeting und Dauergast der Sportlerwahl, macht keinen Hehl darum, wie begeistert er jedes Mal aufs Neue ist und verspricht "Dieter, so lange du mich einlädst werde ich immer wieder nach Schönewalde kommen!" Ebenso versprach Hobeck aber auch, dass er nicht noch einmal das obligatorische Siegerinterview nach der Wahl machen wird. Das hatte ihm der Leichtathletik-Trainer nämlich beim Mittagessen vor der Wahl aufs Auge gedrückt, weil Moderator Dieter Ignor, der diesen Part sonst übernahm, leider auch kurzfristig absagen musste.