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| 16:22 Uhr

Gräfendorf
Landgaststätte Gräfendorf schließt zum Monatsende

Gräfendorf. Die Agrargenossenschaft hat Bodo Schmidt den Mietvertrag gekündigt. Ein Essensversorger auf Rädern und Caterer fehlt jetzt. Von Birgit Rudow

Zum Ende des Monats wird die Landgaststätte Gräfendorf schließen. Die Versorgung mit Mittagessen hat Inhaber Bodo Schmidt bereits zum 10. Juni eingestellt. Die Agrargenossenschaft Gräfendorf als Eigentümer des Gebäudes hat ihm den Mietvertrag zum 30. Juni gekündigt.

24 Jahre und vier Monate hat Bodo Schmidt die Landgaststätte betrieben. Hier fanden Veranstaltungen und Versammlungen statt. In der Küche wurden von zwei Mitarbeiterinnen täglich 80 Essen vor allem für die Hauslieferung gekocht. „Wir waren der einzige Anbieter in der Region Herzberg, der vom 1. Januar bis 31. Dezember Mittagessen außer Haus geliefert hat. Wir haben auch am Wochenende 40 bis 50 Essen ausgefahren. Unsere älteste Kundin ist 93 Jahre alt und sie isst seit 1995 bei uns. Wir haben vier häusliche Krankenpflegen bedient“, so Bodo Schmidt.

Mit der Landgaststätte schließt nicht nur ein ambulanter Versorger sondern auch ein großer Caterer. „Wir konnten im Catering bis zu 1000 Personen versorgen und waren oft bei Veranstaltungen gefordert, zum Beispiel in der Elsterlandhalle, im Haus des Gastes in Falkenberg oder auf Dorffesten. Wir haben auch die Versorgung der Kreistagssitzungen abgesichert. In unserer Gaststätte haben viele Familienfeiern stattgefunden. Eine Tanzschule hat den Saal jeden zweiten Sonntag genutzt. Wir hatten genug Aufträge, die haben sich gerechnet. Von uns aus hätten wir die Gaststätte nicht schließen müssen“, sagt Bodo Schmidt.

Michael Jänsch, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Gräfendorf, sieht das wahrscheinlich etwas anders. Ursprünglich hatte er Bodo Schmidt den Mietvertrag schon zum 31. Mai gekündigt, den Termin auf Bitten von Schmidt dann noch einmal  auf den 30. Juni verschoben, weil noch Veranstaltungen gebucht waren. Die Kündigung wird damit begründet, dass die Genossenschaft nach dem 30. Juni frei über die Nutzung der Räumlichkeiten entscheiden möchte. Es würden kaum Kollegen der Genossenschaft dort essen gehen, so Michael Jänsch zur RUNDSCHAU.

Bodo Schmidt ist über das Vorgehen des Eigentümers ziemlich verwundert. Im Dezember vergangenen Jahres habe er mit Michael Jänsch noch über einen Mietänderungsvertrag gesprochen, sagt er. Schmidt hat mittlerweile bei einem Bildungsträger eine Anstellung als pädagogischer Mitarbeiter in der Erstausbildung erhalten. Deshalb hat er sein Gewerbe ab- und ein Nebengewerbe angemeldet. Seine Beschäftigten hat er behalten. Die Außer-Haus-Versorgung und das Catering wurden aufrecht erhalten. Für die Agrargenossenschaft wurde Frühstück angeboten und nach Absprache hätten die Mitarbeiter auch Mittagstisch bekommen, sagt er. „Im Dezember hat es von Seiten der Agrargenossenschaft keinerlei negative Anzeichen gegeben“, so Bodo Schmidt.

Jetzt wird die Gaststätte dicht gemacht. Die meisten Utensilien wie Möbel, Geschirr, Besteck und technische Anlagen hat Schmidt mittlerweile verkauft. Um sich selbst  macht er sich keine Sorgen. Für seine beiden Mitarbeiterinnen tut es ihm leid, auch für die Gäste, die Geschäftspartner, Vertreter und Lieferanten. Vor allem aber für die vielen Kunden, die jetzt auf ein Mittagessen und das Catering aus der Landgaststätte Gräfendorf verzichten müssen.