| 02:36 Uhr

Kupferstecher gibt alten Druckplatten neues Gesicht

Paul Egidius zeigte den Gästen unter anderem auch alte Werkzeuge wie das Metzzotinto-Messer, den Stichel, Kaltnadelwerkzeug oder einen alten Kupferstich.
Paul Egidius zeigte den Gästen unter anderem auch alte Werkzeuge wie das Metzzotinto-Messer, den Stichel, Kaltnadelwerkzeug oder einen alten Kupferstich. FOTO: Serena Nittmann/sni1
Herzberg. Es ist eine gute Tradition, dass der Kunstverein Kreis Soest im Rahmen der Städtepartnerschaft im Herbst in Herzberg ausstellt. Jetzt zeigt Kupferstecher Paul Egidius in der Galerie im Bürgerzentrum "Ätzende Ansichten – Sticheleien in Kupfer". Serena Nittmann / sni1

Liebenswürdige Drahtzieherin der Aktion war wie seit vielen Jahren Inga Schubert-Hartmann. Die Vorsitzende des Soester Kunstvereins, der mehr als 600 Mitglieder zählt, erklärt: "Diesmal steht alles im Zeichen des Lutherjahres 2017. Was passt da besser, als alte Techniken aus dem Mittelalter vorzustellen. Paul Egidius passt da als letzter Kupferstecher in Deutschland bestens dazu. Sein Beruf ist so gut wie ausgestorben."

Verschiedene Techniken

Egidius habe zu Hause selbst eine Druckwerkstatt und arbeite seit vielen Jahren für bekannte Künstler wie Karl Lagerfeld oder Ottmar Alt. "1970 war ich der letzte Auszubildende von Hermann Kätelhön, ein bekannter Kupferstecher in Soest. Er war auch Zeichner und Radierer und baute eine Künstlerkolonie auf. Meine Lehre sah ich damals als Lottogewinn", erzählt Egidius. Im Laufe der Jahre habe er nun schon für viele Künstler gearbeitet und sich verschiedene Techniken angeeignet - zum Beispiel das Arbeiten mit der Kaltnadel, die Stichätzung, die Aquatinta oder den Kupferstich.

Seine Ausstellung in Herzberg - die erste in der Brandenburger Region überhaupt - hat er unter das Motto "Ätzende Ansichten - Sticheleien in Kupfer" gestellt. Das hat einen guten Grund: In den zurückliegenden 15 Jahren behielt Paul Egidius das alte Handwerk des Kupferstechers zwar bei, entwickelte es aber mit Kniffen so weiter, dass er dabei völlig neue, verblüffende Ergebnisse erzielte.

Davon erzählte der Künstler im Dialog mit Inga Schubert-Hartmann während der Galerieeröffnung am vergangenen Samstag. Anhand der Werke erläuterte Egidius die Techniken: "Ich habe jetzt mit einer Druckplatte auch die Möglichkeit, mehrfarbige Ergebnisse zu bekommen." So holte er eine Platte aus dem Jahr 1980 noch einmal aus der Schublade - damals gab es Radierung in Schwarz-Weiß. Jetzt brachte er mit Tupfer oder per Finger Farbe auf. Zu sehen ist das Ergebnis in der Ausstellung beispielsweise an den nebeneinander hängenden Radierungen "Atlas III". Zudem gab es neue Forschungsaufträge von Künstlern, welche Möglichkeiten es denn mit den alten Druckplatten noch gibt. "Die Ergebnisse sind so verblüffend, dass sich die Künstler oft sehr überrascht zeigen", so Egidius. Derzeit restauriere er mittelalterliche Druckplatten für das Landesmuseum, um diese zu erhalten, aber auch eigene Stücke zu erarbeiten.

Geschenk für Herzberg

In Herzberg zeigt er zudem Radierungen mit dem Titel "Planeten" (1972) oder "Y-ray" (2010) und auch verschiedene Soester Landschaften. Ein Kunstwerk übergab er als Geschenk den Herzbergern. Bürgermeister Michael Oecknigk hob gern hervor, wie intensiv beide Seiten die Städtepartnerschaft pflegen und er das Werk als Verbundenheit betrachte. Die Herzberger zeigten sich sehr beeindruckt von den Ausstellungsstücken und den Arbeitsmethoden von Paul Egidius. Musikalische Umrahmung boten Cornelia Brünnich und Henriette Barth auf der Blockflöte.

Vereinbart wurde, dass Paul Egidius am Ende der Ausstellung noch einmal nach Herzberg kommt und auf einer Druckmaschine seine Arbeitsweisen vorstellt. Schulklassen sollen die Möglichkeit haben, dabei zu sein. Die Ausstellung ist bis zum 30. November zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek zu sehen.