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| 09:26 Uhr

Philosophie schwingt immer mit
Kunstobjekt Flaschentrockner und Fotografie

Der Flaschentrockner von  Duchamp soll beim Tag des offenen Ateliers bei Hans-Peter Klie in Kolochau im Mittelpunkt stehen.
Der Flaschentrockner von Duchamp soll beim Tag des offenen Ateliers bei Hans-Peter Klie in Kolochau im Mittelpunkt stehen. FOTO: Hans-Peter Klie / privat
Kolochau. Kolochauer Künstler Hans-Peter Klie ist beim Tag der offenen Ateliers dabei und hat Pläne darüber hinaus.

Am „Tag des offenen Ateliers“ im Elbe-Elster-Land am 6. Mai kommt ein Künstler dazu, der zum Vorbeikommen und Hereinschauen einlädt:  Hans-Peter Klie, der sich in Kolochau im alten Pfarrhaus eingerichtet hat. Doch Klie hat für dieses Jahr noch mehr vor. Auch eine Ausstellung ist wieder in Vorbereitung.

Klie tritt damit nicht zum ersten Mal an die hiesige Öffentlichkeit. Bereits im vorigen Jahr hat er das Jubiläumsjahr der Reformation genutzt, um eine Ausstellung einzurichten und zu thematisch dazu passenden Veranstaltungen einzuladen. Mit durchwachsenem Erfolg. „Ich hätte mir die Ausstellung schon noch ein wenig frequentierter gewünscht“, schätzt er danach ein. Auch seine Benefizaktion, mit der er Geld für die Sanierung der Kolochauer Orgel einspielen wollte, lief nicht ganz wie erhofft. Aber der Neu-Kolochauer lässt sich davon nicht abschrecken, sondern er sinnt eher darüber nach, wie er die Gäste noch erfolgreicher in sein Atelier locken kann. Unter anderem soll die Plakatverteilung in diesem Jahr anders beauftragt werden, berichtet er von einem Teil der Werbung für seine Vorhaben.

Beim Tag der offenen Ateliers ist er ja schon einmal kein Einzelkämpfer, sondern im Bunde mit den anderen Berufskünstlern aus Elbe-Elster, die ebenfalls an der Aktion teilnehmen. Hans-Peter Klie wünscht sich sehr, dass auch viele Kunstinteressierte nach Kolochau kommen. Aus Anlass des 50. Todesjahres von Marcel Duchamp (1887-1968) will er deshalb am 6. Mai in den Räumen seiner Galerie von 12 bis 18 Uhr „ein Kunstobjekt  des legendären ,Vaters der Konzeptkunst’ präsentieren. Es handelt sich um ein Readymade, also ursprünglich ein Alltagsobjekt, das durch Duchamp zum Kunstobjekt wurde.  Es ist der berühmt-berüchtigte ,Flaschentrockner’“, macht Hans-Peter Klie neugierig.

Der „Flaschentrockner“ ist ein Gestell, das zum Trocknen von Flaschen benutzt wurde und seit 1914 den Lauf der Kunstgeschichte änderte. Er gilt als eines der wegweisenden Schlüsselwerke Duchamps. Das Exemplar, das Klie aus einer Privatsammlung für diesen Tag leihen kann, ist eine unsignierte Replik.

Klie will die einmalige Gelegenheit zum Anlass nehmen, über die Bedeutung Duchamps zu informieren und lädt die Besucher ein, den Schritt „vom Kunstwerk zum Kunstobjekt“ nachzuvollziehen. „Der Kunstbegriff hat sich gewandelt – so, wie sich das Verhältnis zwischen den Geschlechtern geändert hat und die festgelegten Rollenbilder nicht mehr problemlos funktionieren“, meint Klie und fordert die Besucher auf, ein beliebiges Objekt ihrer Wahl mitzubringen, das vielleicht geeignet ist, zum Gegenstand einer philosophischen Betrachtung und mithin auch zum Kunstobjekt zu werden. „Selbst wenn man den Spruch von Joseph Beuys ,Jeder Mensch ist ein Künstler’ nicht ganz wörtlich nimmt - so kann doch jeder Kunst nachvollziehen und begreifen, wenn er offen dafür ist“, meint Klie.

In seiner dann ab 2. Juni folgenden Ausstellung will er sich der Fotografie zuwenden. Der Titel seiner Präsentation: „Philosophische Perspektiven - konzeptionelle Fotografie“. Die Ausstellung zeigt frühe und aktuelle Arbeiten von Hans-Peter Klie zur Fotografie. Er hat den Wechsel vom analogen Foto zur digital bearbeiteten Bilddatei seit den 90er Jahren mit philosophischen Reflexionen begleitet. Die „Philosophischen Perspektiven“ der konzeptuellen Fotoserien, Objektinstallationen und animierten Bildfolgen thematisieren das Fotografieren als Medium, seine Geschichte und eine eigentlich längst beantwortete Frage: Kann Fotografie „die Wahrheit sagen“, also die Realität objektiv wiedergeben?

In Zeiten, wo jeder fotografiert, wo Fotos einen großen Teil von Kommunikation - insbesondere in den Kanälen der neuen Medien - ausmachen, findet der Kolochauer Künstler das Thema spannender den je. Umrahmt werden soll der Tag mit einem Trödel- und Antikmarkt im Gutshaus, einer Kaffeetafel vor der Ausstellung und einem Gartenfest zum Abschluss des Tages.







Hans-Peter Klie (vorn) bei der Ausstellungseröffnung im vorigen Jahr.
Hans-Peter Klie (vorn) bei der Ausstellungseröffnung im vorigen Jahr. FOTO: Sylvia Kunze
(sk)