Der heutige Modell-Jet-Pilot hatte die Fliegergene jedoch schon in die Wiege gelegt bekommen, da sein Vater auch Modellpilot ist. So lernte er schon mit sechs Jahren von seinem Vater das Modellfliegen. "Früher musste mein Vater immer eingreifen. Mit Fernsteuerung war das ja damals noch nicht so", erinnert sich Enrico Thäter. 1996 trat er dann dem Modellflugclub Herzberg bei, und so begann seine Karriere als Modellpilot.

Auf die Frage, warum er sich gerade für die Modellfliegerei entschieden habe, antwortet er: "Ich habe schon vieles ausprobiert, habe ein Modellauto und auch ein Schiff gehabt. Das war dann alles einfach zu langweilig. In der Luft kann man viel mehr machen - zum Beispiel Figuren fliegen."

Zuerst tourte Enrico Thäter, der inzwischen in Ingolstadt wohnt und arbeitet, durch ganz Deutschland. Bis nach Wolfsburg, München und auch Köln führte ihn sein Weg, um bei Kunstflugwettbewerben in der Klasse F3A-X gute Platzierungen zu erlangen. So durfte er sich über einen 2. Platz in der B-Klasse freuen und stieg damit in die nächsthöhere Klasse A auf. Es wird generell in drei Schwierigkeitsklassen geflogen. Die Klasse C stellt dabei den Einstieg dar, B entspricht dem Mittelfeld und A ist die Klasse mit der höchsten Schwierigkeitsstufe.

Doch seine Kunstflugmodelle, wie das Extra 300 (Spannweite 2,80 Meter) oder Giles 202 (Spannweite 2,70 Meter) "stehen jetzt in der Ecke", so Enrico Thäter. Denn seitdem er den aus Riesa stammenden Ralph Losemann kennengelernt und Ostern vergangenen Jahres seinen ersten Flug mit einem Modell-Jet gestartet hat, konzentriert sich der 29-Jährige auf das Jetfliegen. "Das ist die Krönung im Modellflug", meinte Thäter. Jets sind in der Lage, eine Geschwindigkeit von 240 km/h zu erreichen. Daher stellen sie eine besondere Herausforderung für jeden Modellpiloten dar.

"Die Deutsche Meistschaft Synchronfliegen stand im August 2007erschaft im vor der Tür, und da habe ich mich von Ralph überreden lassen, mit ihm um die Meisterschaft zu fliegen.", sagt er lächelnd. Von da an arbeiteten die beiden Teampartner engagiert auf ihren Höhepunkt hin. Übrigens werden Modell-Jets auch von Turbinen angetrieben. Enrico Thäter verbraucht jährlich rund 500 Liter des Flugturbinenkraftstoffs Kerosin. Für die Deutsche Meisterschaft trainierten Enrico und Ralph täglich und veflogen in ihrer Vorbereitung gemeinsam rund 1000 Liter Kerosin. Bei dem Wettkampfflugzeug handelt es sich um einen chinesischen Kampfjet "J 10". Dieses Exemplar mit einer Spannweite von 1,60 Meter und einer Länge von 2,80 Meter ist als Modell eine einmalige Ausführung. Die Schubvektorsteuerung, die den Abgasstrahl um 360 Grad umlenkt, wurde extra für enge Flugmanöver von seinem Teamkollegen Ralph Losemann konstruiert.

Im August des vorigen Jahres war es dann in Mülheim endlich soweit. Der gebürtige Bad Liebenwerdaer Enrico Thäter und Ralph Losemann landeten nach drei Durchgängen mit 20 Prozent Vorsprung auf Platz 1 und waren somit Deutsche Meister. Sie begeisterten die Zuschauer mit ihrem fliegerischen Können. Ihre Jets flogen eng, synchron, und zusätzlich bewegten sie sich auch passend zur im Hintergrund laufenden Musik. Zum Erfolg trug sicherlich auch die faszinierende Flugshow mit Licht, Qualm und Aufsehen erregendem Feuerwerk bei. Als Sieger waren sie gleichzeitig für die Weltmeisterschaft in Dubai, die in diesem Jahr stattfinden sollte, nominiert. Darüber freuten sie sich natürlich riesig. Bedauerlicherweise wurden nur sieben Formationsteams gemeldet. So wurde wegen zu geringer Teilnehmeranzahl die Weltmeisterschaft abgesagt. Ein Ausweichtermin ist noch nicht bekannt. Doch der Weltmeistertitel bleibt das gesteckte Ziel der amtierenden Deutschen Meister.

Zur besonderen Freude wurden der Softwareentwickler Enrico Thäter und der Lehrer Ralf Losemann von einem ihrer Sponsoren im Mai dieses Jahres zu einem der größten Modellflugtreffen "Joe Nall" in die USA eingeladen. "Es war genial. Die Leute waren extrem nett.", beschreibt der 29-jährige Kurstädter das von 600 internationalen Piloten besuchte Modellflug-Highlight. Ihre Modelle verstauten sie in einer extra angefertigten Kiste, die im Flugzeug als "großes Handgepäck" transportiert wurde. Von München aus ging es dann mit einem "echten" Flieger ab in Richtung Amerika. Wegen strenger Flugbestimmungen mussten Enrico Thäter und Ralph Losemann den Treibstoff und sämtliche Utensilien zu Hause lassen.

"Wir haben dann alles dort bekommen. Die Leute haben uns echt nett aufgenommen", meint der in Ingolstadt wohnende Modellflugpilot. Das Showprogramm der beiden Deutschen war selbst für die Amerikaner komplett neu. Daher stießen die beiden auf viel Lob und hatten viele Fragen der Zuschauer zu beantworten. Die beiden Hobbyflieger sind sich einig: Diese dreitägige Veranstaltung in Amerika war eine tolle Erfahrung.

Am vorigen Wochenende stand ein Messebesuch in Friedrichshafen an, bei dem die zwei Weltklasse-Piloten wieder ihr Showprogramm vorführten. Doch auch andere Termine folgen noch: Mitte Januar ein Modellflugtreffen in Indien bei Pompeji und Ende Februar die große Flugshow "Arava 2009" in Israel. Für diese Auftritte investiert Enrico Thäter viel Zeit. Denn nicht nur das Einstudieren von Flugmanövern ist zeitaufwändig. Enrico Thäter baut, repariert und erneuert an seinen Fliegern mit Freude vieles selbst, was natürlich auch enorm viel Zeit kostet. Da ist es von Vorteil, dass sowohl seine Eltern, als auch seine Freundin Verständnis und auch Interesse für "Ricos Sport" zeigen.

Wenn doch noch ein wenig Zeit bleibt, verbringt er gern Zeit am Computer oder geht ins Kino. Doch bei der Frage nach anderen Hobbys außer dem Modellflugsport kam Enrico Thäter kurz ins Stocken und antwortete schmunzelnd: "Hab ich noch andere Hobbys? Nein ich glaube nicht."

Kein Wunder, schließlich nutzt er jede freie Minute, um an neuen Flugfiguren zu "basteln" und diese zu üben. Übung macht eben auch bei diesem Hobby den Meister. "Mit Interesse, Geduld und ein wenig Gefühl in den Händen" ist die Modellfliegerei nach Aussage von Enrico Thäter ein Hobby für jedermann. Der Modellflugsport erfreut sich besonders im Westen Deutschlands immer mehr Zuspruchs. Für viele Eltern, deren KInder am Modellflug interessiert sind, stellt sicherlich der Kostenfaktor eine Hürde dar. Trotzdem möchte Enrico Thäter die Eltern ermutigen, denn Einstiegsmodelle seien schon für 200 Euro zu haben.

Bewundern kann man Enricos Können wieder am 1. Mai 2009 auf den Senderwiesen in Herzberg. Dort findet wie jedes Jahr ein Modellflugtreffen statt, bei dem es auch für Interessierte die Möglichkeit zum kostenfreien Schnupperfliegen gibt.