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| 15:54 Uhr

Stiftung ElsterWerk
Kulturwerkstatt wird ausgebremst

Das TraumHaus im Elsterpark in Herzberg. Daneben sollte als weiteres Projekt eine große Kulturwerkstatt entstehen, die nun etwas kleiner ausfallen wird.
Das TraumHaus im Elsterpark in Herzberg. Daneben sollte als weiteres Projekt eine große Kulturwerkstatt entstehen, die nun etwas kleiner ausfallen wird. FOTO: Rudow
Herzberg. Die Auflagen für den Bau im Überschwemmungsgebiet zwingen zu Abstrichen. Von Birgit Rudow

Mit dem Projekt „EWerk 20zehn“, eine multikomplexe Bildungs- und Kulturwerkstatt als dritte Säule des ElsterParks, möchte die Stiftung ElsterWerk das Freizeit-, Erlebnis- und Kulturangebot nicht nur für Menschen mit Handicap in Herzberg erweitern. Die Theatergruppe der Elster-Werkstätten sollte hier eine Heimstatt finden. Ein Theater- und Kinosaal, der von allen genutzt werden kann, sollte entstehen, ebenso Tagungsräume und vor allem attraktive Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen. Im Juni vergangenen Jahres hat die Stiftung Elsterwerk den Startschuss für das Projekt „EWerk 20zehn“ (der Name ist eine Hommage an die 2010 gegründete Stiftung) gegeben.

Mittlerweile ist allerdings Ernüchterung eingetreten. Grund ist vor allem die Ausweisung der Überflutungsflächen. Große Teile der Stadt Herzberg sind im Ergebnis der jüngsten Hochwasser als Überschwemmungsgebiet festgesetzt, erst recht jene dicht an der Schwarzen Elster wie der Elsterpark. Hier darf nicht ohne Weiteres gebaut werden. „Dadurch werden wir völlig ausgebremst. Unter diesen Rahmenbedingung ist es sehr schwierig, zu investieren“, sagt der Vorstand der Stiftung ElsterWerk Dr. Frank Hamann. Schon die gastronomische Einrichtung BlauHaus und die Beherbergung TraumHaus mussten, als es die Karten zu den Überschwemmungsgebieten noch nicht gab, 60 Zentimeter über den Boden rausgebaut werden. Bei der Kulturwerkstatt sollen es jetzt 1,20 Meter bis 1,30 Meter sein, so Frank Hamann. „Dann können wir aber die Barrierefreiheit nicht einhalten. Um Rampen mit einer vorgeschriebenen Neigung zu errichten, reicht der Platz nicht. Außerdem würde das für das Projekt einen finanziellen Mehraufwand im sechsstelligen Bereich bedeuten“, sagt er. Fazit: Der Bau muss entschieden kleiner ausfallen.

Ein zweites Problem ist die Ausgleichsfläche, die für die bebaute Fläche geschaffen werden muss – eine Grube, in die im Hochwasserfall das Wasser abfließt. Das könne er nun überhaupt nicht nachvollziehen, sagt Frank Hamann. „Wir haben die Fläche gar nicht, und wenn das Wasser kommt, steht eh schon das Grundwasser in der großen Grube. Wie sollen wir diese Auflage bewältigen?“, fragt er.

Die Stiftung ElsterWerk hat jetzt den großen multifunktionalen Theaterraum mit Bühne ad acta gelegt und ist dabei, das Raumkonzept neu zu konzipieren. „Es ist zu viel Widerstand, der uns entgegenweht. Der Bau wird vor allem Tagungsräume haben und wir werden ihn als Werkstatt betreiben“, sagt er.

Die Übernachtungszahlen im Ende 2014 eröffneten TraumHaus sind im vergangenen Jahr stark angestiegen. Auch Gruppen behinderter Menschen aus ganz Deutschland übernachten dort und nutzen das Freizeitangebot. „Für unsere Gäste haben wir dann in der Kulturwerkstatt nicht nur Tagungsräume, sondern können auch in der kalten Jahreszeit kreative Angebote unterbreiten. Das geht bisher noch nicht. Wir bleiben multifunktional aber kleinteiliger“, so Hamann. Und die Elster Werkstätten können ihre Ausbildungsstrategie weiter fortführen. „In der Kulturwerkstatt werden tolle Arbeitsplätze für unsere behinderten Menschen entstehen“, sagt er. Der Bauantrag für das Gebäude soll noch in diesem Jahr gestellt werden.

Die Stiftung ElsterWerk steht nach wie vor zu dem Projekt, betont Frank Hamann. „Wir nehmen dafür auch viel Geld in die Hand“, sagt er und hofft auf eine breite Unterstützung. „Wir sind eine tolle Einrichtung im Elbe-Elster-Kreis, mit der auch Politik gemacht wurde. Unser Projekt muss alle angehen. Menschen mit Behinderungen dürfen nicht ausgegrenzt werden. Es kann nicht sein, dass Investoren zusehen müssen, wie sie mit den Rahmenbedingungen und den zusätzlichen Kosten allein fertig werden“, sagt er und kritisiert, dass sich beim Hochwasserschutz an der Schwarzen Elster in Herzberg nichts tut.

Dass die Stiftung auch weiterhin in die Zukunft der behinderten Menschen in der Region investiert, zeigt ein weiteres aktuelles Beispiel. Am 28. März wird der Erweiterungsbau des MetallHauses der ElsterWerkstätten in Herzberg eingeweiht.