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| 15:31 Uhr

Elbe-Elster im Advent
Vom Krippenspiel zum Kirchenchörchen

 Pfarrer Philipp Schuppan (3.v.r.) singt auch im Schliebener Kirchenchörchen mit - hier bei einem Einsatz vor einigen Tagen beim Patronatsfest in der katholischen Kirche.
Pfarrer Philipp Schuppan (3.v.r.) singt auch im Schliebener Kirchenchörchen mit - hier bei einem Einsatz vor einigen Tagen beim Patronatsfest in der katholischen Kirche. FOTO: LR / privat
Schlieben. Besinnlichkeit kommt eher selten auf. Was Pfarrer Philipp Schuppan in der Weihnachtszeit alles erledigen muss. Von Sylvia Kunze

Was passt besser in unsere Vorweihnachtsserie über Menschen und Geschichten im Advent, als ein Pfarrer im Weihnachtsstress? Dass er solchen erlebt, steht außer Frage. Bevor der vereinbarte Termin mit dem Schliebener Pfarrer Philipp Schuppan starten kann, muss dieser mal fix noch einige Dinge mit der Sekretärin im Schliebener Pfarrbüro besprechen und den Schlüssel für die Kirche rausgeben, weil dort auf der Orgel geübt werden soll. „Nichts gestellt. Aktuell ganz normal“, lacht der Pfarrer und nimmt sich dann die Zeit für ein Gespräch. Wohlgemerkt: Wir werden dabei mehrfach unterbrochen, weil Philipp Schuppan mal schnell zwischendurch noch was anderes klären muss ...

Er holt tief Luft und schnauft durch: „Als Pfarrer mit einem Verantwortungsbereich mit 15 Orten und neun Kirchen — da wartet viel Arbeit. Besonders in der Vorweihnachtszeit“, resümiert er. Es ist viel vorzubereiten, auch wenn die Zahl der Gottesdienste im Vergleich zum Vorjahr am Heiligen Abend schrumpfen wird. Voriges Jahr hat Schuppan sechs solcher Messen im Stundentakt begleitet. 2018 sollen es „nur“ noch vier sein: in Krassig, in Proßmarke, in Schlieben und in Stechau. Diesmal dann im Anderthalb-Stunden-Takt. Nach einem entspannten Vormittag wird der Schliebener Pfarrer 14.30 Uhr seine Runde starten und irgendwann nach 20 Uhr wieder zu Hause sein, um dann selbst noch in Familie Weihnachten zu feiern.

Vor dem kleinen Marathon ist ihm nicht bange. Im Gegenteil. Er weiß: „Diese besonderen Gottesdienste zu Weihnachten beschenken mich auf eine besondere Art. Die vielen Menschen, die sie besuchen. Die Freundlichkeit, die einem begegnet. Die Momente sind so schön, dass ich aus ihnen immer was mitnehmen und Kraft schöpfen kann“, sagt Philipp Schuppan.

Vergessen sind dann alle Mühen der Vorbereitung und der Vorweihnachtszeit. Und das sind nicht wenige. Ein Termin jagt den nächsten. Da sind neben den Verpflichtungen als Geistlicher die Auftritte mit dem Kirchenchörchen, in dem Schuppan singt. Da wird mal schnell noch das Geläut modernisiert. Da sollen auf den letzten Drücker bis Weihnachten noch die beiden sanierten Kronleuchter in der Schliebener Kirche aufgehängt werden. Da sind Krippenspiele zu beachten und in die Gottesdienste einzuplanen. Da ist der Besuch beim Pfarrkonvent nicht zu vergessen. Da sind die regulären Termine der Frauenhilfe, der Jungen Gemeinde und des Konfirmandenunterrichts vorzubereiten und abzuarbeiten. Da wird er noch beim Gottesdienst im Pflegeheim erwartet, der aus seiner Sicht „einer der schönsten in der Kirchgemeinde ist, denn da bin ich ganz nah dran, da trennt keine große Kirche“.

Was ihn freut, sind zahlreiche ehrenamtliche Aktivitäten, die dafür sorgen, dass auch die Kirchen, in denen er aus Zeitgründen in diesem Jahr zu Weihnachten nicht sein kann, nicht „hinten runterfallen“. „Die Zahl derer, die was übernehmen und sich verantwortlich fühlen, ist groß“, berichtet Schuppan. In Kolochau, Hohenbucko, Hillmersdorf, Malitschkendorf und Oelsig werden am Heiligabend ebenso Gottesdienste stattfinden. Auch dafür sind in diesen Tagen viele Details abzustimmen. „Wir müssen keine Kirche zulassen, weil der Pfarrer keine Zeit hat“, atmet Schuppan auf und sagt allen Helfern schon jetzt einmal herzlich Dankeschön. Via Zeitung. Und auch per Brief.

Ein großer Stapel vorbereiteter Weihnachtswünsche liegt auf seinem Tisch. Die Sekretärin hat ganze Arbeit geleistet. „Aber ohne Unterschrift von mir und mindestens zwei persönliche Sätze an den Adressaten geht keiner der Briefe raus“, hat sich Philipp Schuppan vorgenommen. Das gehöre sich nicht nur so, das sei ihm auch enorm wichtig, bekräftigt er - und wird erst einmal wieder unterbrochen.

Diesmal geht es um eine kurze Absprache zum Gottesdienst. Der „Regieplan“ an sich steht. Aber wann wird denn den Aktiven gedankt? Wie machen wir das mit den Mikrofonen? Immer neue Fragen tauchen auf und wollen beantwortet werden. Der Pfarrer bleibt ruhig und optimistisch: „Wir finden für alles eine ordentliche Lösung!“

Sagt er und wendet sich wieder dem Gespräch zu. „Manchmal beschleicht mich die Frage: Wofür mache ich das eigentlich? Aber spätestens zu den Gottesdiensten zu Weihnachten gibt es dann so viele kleine schöne Momente, die allen Ärger wieder aufwiegen, und ich gehe mit einem Lächeln nach Hause zu einem total schönen Weihnachtsfest mit meiner Frau und unseren Gästen“, ist Philipp Schuppan mit dem Vorweihnachtsstress versöhnt.