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| 15:59 Uhr

Sehenswert in Kolochau
Im Fotolabor des Denkens bei Hans-Peter Klie

Hans-Peter Klie hat seine neue Ausstellung „Philosophische Perspektiven“ in Kolochau eröffnet und konnte dazu einige Interessierte begrüßen. Ihm zur Seite standen dabei auch Ulrike Riebel (links), die Kuratorin des „Institut für alles Mögliche“ aus Berlin, und Jessica Kessel (rechts), die neue Marketingverantwortliche für das Amt Schlieben.
Hans-Peter Klie hat seine neue Ausstellung „Philosophische Perspektiven“ in Kolochau eröffnet und konnte dazu einige Interessierte begrüßen. Ihm zur Seite standen dabei auch Ulrike Riebel (links), die Kuratorin des „Institut für alles Mögliche“ aus Berlin, und Jessica Kessel (rechts), die neue Marketingverantwortliche für das Amt Schlieben. FOTO: privat
Kolochau. Der Künstler eröffnet seine neue Ausstellung „Philosophische Perspektiven“ in Kolochau. Im Mittelpunkt steht die Gedankenfotografie.

Hans-Peter Klie, der „Künstlerphilosoph“, bleibt sich treu. Auch bei der neuesten Präsentation seiner philosophisch-künstlerischen Arbeit ging es ihm darum, die Besucher intellektuell herauszufordern. Thema war diesmal die Fotografie – ein Gebiet, das er schon seit vielen Jahren immer wieder bearbeitet und dem die zahlreich erschienenen Gäste am Samstagnachmittag überraschende Perspektiven abgewinnen konnten. Auch im Hinblick auf das eigene Tun, denn heutzutage fotografiert ja jeder. Doch was man dabei eigentlich tut, ist nur wenigen bewusst.

Die insgesamt dreizehn Arbeiten „zur Fotografie“, die Klie aus seinem Archiv ausgewählt hat und von denen ein Teil speziell für die Ausstellung angefertigt wurden, kreisen alle um die Frage: Was ist Fotografie? Welche Bedeutung hat sie für uns im Zeitalter der digitalen Bilderflut, die wir selbst hervorgebracht haben?

Nach den Grußworten von Jessica Kessel, der neuen Marketingleiterin vom Amt Schlieben, und dem Elbe-Elster-Kulturamtsleiter Andreas Pöschl, der Klie als kreativen Gewinn und Anstoßgeber für die Region hervorhob, setzte Ulrike Riebel, Kuratorin des „Institut für alles Mögliche“ aus Berlin, an die Stelle der Laudatio den Dialog. Mit einigen präzisen Fragen, einer Essenz eines Drei-Stunden-Interviews, entwickelte sie mit dem Künstler einen spannenden Dialog, der manch Erhellendes für die Gäste brachte und auch weitergehende Fragen von Seiten des Publikums auslöste.

Ausgangspunkt der Ausstellung von Hans-Peter Klie ist das historische Phänomen der „Gedankenfotografie“, die vor gut hundert Jahren populär war. „Gedankenfotografie ist für mich eine Metapher – ich interessiere mich für die Gedanken, die in allen Fotografien eingeschrieben sind – es ist ein Gewinn, sie zu lesen. Fotografieren kann man Gedanken natürlich nicht“, so der Künstler.

Klie plädiert für einen reflektierten Umgang mit der Fotografie, er fordert auf, sich darüber klar zu werden, dass es mit der „vielgerühmten individuellen, subjektiven Perspektive“ nicht weit her ist. „Wir werden als Fotografierende vom Fotoapparat stark beeinflusst, viel mehr als wir glauben“, war sein Fazit. Klie ist dabei immer für den Dialog mit dem Besucher zu haben – ebenso wie für das philosophische Gespräch, das er auch mit künstlerischen Mitteln auf den Weg bringt.

Die anspruchsvolle Ausstellung mit Video-, Foto- und Objektarbeiten erschloss sich nach der halbstündigen Einführung und mit Hilfe des kompakten Ausstellungsführers für die Besucher leichter, als anfangs mancher angenommen hatte. „Man braucht schon eine Hilfestellung – aber dann wird man immer neugieriger“, resümierte eine Besucherin während der Eröffnung.

Highlight der Ausstellung ist nach Aussagen vieler Besucher die „Dunkelkammer“, in der die Geschichte der Gedankenfotografie mit zehn magisch beleuchteten Vitrinenkästen inszeniert und simuliert wird. Hans-Peter Klies „Fotolabor des Denkens“, wie Ulrike Riebel es nannte, ist nach Vereinbarung täglich ab 12 Uhr geöffnet und lohnt einen Besuch von allen Interessierten, die einmal über Fotografie nachdenken wollen.

Das komplette Interview mit Ulrike Riebel ist auf der Webseite des Künstlers nachlesbar, ebenso wie der 60-seitige Ausstellungsführer. www.hans-peter-klie.de/aktuelles

(red/sk)