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| 13:42 Uhr

Europameisterschaft im Jagdhornblasen in Ahlsdorf
Vor dem Stelldichein der Jagdhornbläser

Ist die Akustik gut? Einige Jagdhornbläser haben vor dem Teehaus im Ahlsdorfer Park Aufstellung genommen und „testen“. Mehr als 40 Gruppen aus acht Nationen werden zur Meisterschaft im August hier erwartet.
Ist die Akustik gut? Einige Jagdhornbläser haben vor dem Teehaus im Ahlsdorfer Park Aufstellung genommen und „testen“. Mehr als 40 Gruppen aus acht Nationen werden zur Meisterschaft im August hier erwartet. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Ahlsdorf. Zur Meisterschaft werden mehr als 40 Gruppen aus acht Nationen erwartet. Ob sich darunter die Schönewalder Gastgeber behaupten können? Von Sylvia Kunze

Am dritten Augustwochenende geht in Ahlsdorf die Post ab. Allerdings wird dabei nicht auf einem Post-, sondern auf einer Vielzahl an Jagdhörnern geblasen. Zur Europameisterschaft der Jagdhornbläser (erstmals auch mit einer Solowertung für Kinder und Jugendliche) werden nach jetzigem Stand immerhin 43 Bläsergruppen aus acht Nationen erwartet – neben deutschen Gruppen auch Gruppen aus Slowenien, Österreich, Holland, Ungarn, Polen, Dänemark und Belgien. Veranstalter Maik Pergens rechnet mit mehr als 400 Jagdhornbläsern. Zudem sollen zehn Jagd- und Heimatchöre sowie elf Folklore- und Trachtengruppen das Geschehen im Ahlsdorfer Schlosspark bereichern, berichtet Pergens und sieht vor Augen bereits die Hauptbühne am Schloss (Bläserwettbewerb), die kleinere Holzbühne am Teehaus (Theateraufführungen, Feldandacht, Modenschau) und das Festzelt (Heimatabend).

Zugleich steigt bei ihm die Aufregung. Ob die Schönewalder Jagdhornbläser, einschließlich der „Welpen“-Nachwuchstruppe, unter seiner Leitung vordere Plätze einspielen können? Großes Augenmerk richtet der Instrumentallehrer dabei auf Lennart Roeber. Der Zehnjährige aus Großtreben ist vom Jagdhornspiel total begeistert. So sehr, dass er gemeinsam mit seiner Familie erst einmal Pergens austricksen musste. Der will nämlich Kinder erst ab einem Alter von neun Jahren unterrichten. Aber Lennart hat sich schon als Achtjähriger in die Schar seiner Schüler geschmuggelt. Und richtiges Talent bewiesen. Sein Lehrer glaubt fest an ihn und die Chance, dass er im Solowettbewerb der Kinder gut abschneiden kann. Lennarts Familie wird auf jeden Fall dabei sein und die Daumen drücken. Auch Opa Herold Belling, der jede Woche den Enkel nach Schönewalde zum Unterricht fährt und sich als langjähriger Jäger freut, dass der Nachwuchs jagdliche Tradition pflegt.

Der Ahlsdorfer Park bietet reichlich Platz, der durchaus auch benötigt wird, denn eingebunden in die dreitägige Veranstaltung sind ja auch umfangreiche Kultur-Natur-Erlebnistage. Pergens rechnet mit an die 100 Informations- und Verkaufsständen mit Präsentationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fichereiwirtschaft, Weinbau, Imkerei, Falknerei, Jagdgebrauchshunde, Naturschutz, Natur und Kultur. Vorstellungen brandenburgischer Traditionshandwerke sollen den Besuchern die Nachhaltigkeit auch in diesen Wirtschaftsbereichen aufzeigen. Außerdem findet eine Forst- und Agromesse statt. Ein Kettensägenschnitzer ist in Aktion zu erleben.

Regionale und kulinarische Köstlichkeiten werden aufgetischt, darunter zum Beispiel ein argentinisches Asado mit Wildschweinfleisch sowie die beliebten Klemmkuchen – immer getreu dem Motto von Maik Pergens: „Wir wollen Augen, Ohren und Nasen gut bedienen.“ Seine Einladung an alle Gäste: „Sowohl der Samstag als auch der Sonntag starten bereits mit einem Frühstück in den Tag und halten dann den gesamten Tag über Köstlichkeiten bereit.“ Parkmöglichkeiten sollen ausreichend zur Verfügung stehen. Daran wird jedenfalls gerade noch intensiv gearbeitet.

Lennart Roeber wird in der Einzelwertung an den Start gehen. Er hat vor zweieinhalb Jahren begonnen, das Jagdhorn zu blasen.
Lennart Roeber wird in der Einzelwertung an den Start gehen. Er hat vor zweieinhalb Jahren begonnen, das Jagdhorn zu blasen. FOTO: LR / Sylvia Kunze

www.jagdhorn-deutschland.de

Was Maik Pergens antreibt, die drei Tage zu organisieren

„Ich wohne nunmehr seit 1994 in Schönewalde, unweit von Ahlsdorf. Ich habe die Menschen kennen und schätzen gelernt, und ich liebe die wunderbare Natur mit dem altehrwürdigen Ahlsdorfer Landschaftspark“, sagt Maik Pergens, Organisator der dreitägigen Aktionen.

Er sei sehr dankbar, dass der Bürgermeister der Stadt Schönewalde, Michael Stawski, auch 2018 den Ahlsdorfer Landschaftspark zur Verfügung stelle, denn „damit wird genug Platz sein für ein buntes Markttreiben und ein abwechslungsreiches Festprogramm“, berichtet der Mann, der sich zahlreiche Partner an seine Seite geholt hat.

Absprache vor Ort. Organisator Maik Pergens (2.v.r.) hat sich wichtige Partner des Wochenende in den Ahlsdorfer Park eingeladen und spricht das Programm mit ihnen durch.
Absprache vor Ort. Organisator Maik Pergens (2.v.r.) hat sich wichtige Partner des Wochenende in den Ahlsdorfer Park eingeladen und spricht das Programm mit ihnen durch. FOTO: LR / Sylvia Kunze

Dazu zählt auch die Interessengemeinschaft Herzberger Wanderreiter um Eckhard Schaar, die das Theaterspektakel „Der Weg nach Westen“ mit mehr als 80 Mitwirkenden hoch zu Pferd und am Boden zeigen will. Das Schauspiel erlebte 2010 beim Tierparkfest in Herzberg seine Premiere und tourte inzwischen schon durch einige umliegende Orte. „Und jetzt kommen wir nach Ahlsdorf“, kündigt Schaar an, der übrigens noch Mitwirkende sucht.

Warum er sich für diese Sache so engagiert? Pergens antwortet: „Das jagdliche Brauchtum ist eng mit der Natur verbunden, es ist vielleicht das älteste Kulturgut, das wir haben, denn es ist so alt wie die Jagd und hat die Entwicklungsgeschichte des Menschen von Anfang an begleitet. Diese Tatsache berührt mich genau wie die Musik.  Beides mit allen Sinnen zu spüren, ermöglicht mir das Jagdhornblasen. Über viele Jahre habe ich in meiner vorherigen Heimat im Selfkant, dem äußersten Westen Deutschlands, die Jagdhornbläser ,St. Bavo Grenzland’ ausgebildet und geleitet. In dieser Zeit konnten wir mehrfach nationale und internationale Preise erringen. Seit zehn Jahren bilde ich nun auch schon wieder in meiner jetzigen Heimat, in der Stadt Schönewalde sowie für den Landesjagdverband Brandenburg, Nachwuchs im Jagdhornblasen aus und bin bei Wettbewerben Wertungsrichter.“

Die Ahlsdorfer Idee mit den Trachten

Spontan haben sich einige Ahlsdorfer Frauen entschlossen, in Kleiderschränken und -truhen zu kramen und die alten Flämingtrachten wieder ans Tageslicht zu befördern. „Was wir haben, wollen wir auch zeigen“, ist dabei die Devise der Landfrauen. „Wir freuen uns schon, dass wir mit unseren roten Röcken die Eröffnung des 2. Internationalen Jagdhornbläsertreffens bereichern können“, sind sie sich einig.

Ahlsdorfer Frauen haben spontan in ihren Schränken und Truhen gekramt und die alten Flämingtrachten zutage befördert. So wollen sie am Festwochenende die Gäste begrüßen.
Ahlsdorfer Frauen haben spontan in ihren Schränken und Truhen gekramt und die alten Flämingtrachten zutage befördert. So wollen sie am Festwochenende die Gäste begrüßen. FOTO: LR / Sylvia Kunze

Organisator Maik Pergens hat für die hübsch herausgeputzten Damen auch gleich eine besondere Aufgabe parat: „Sie dürfen die Ehrengäste des Wochenendes begleiten“, verrät er schon vorab.

„Mit viel Liebe, Fleiß und Spaß werden die Flämingtrachten, die wir von unseren Vorfahren und Großeltern übernommen haben, in Ehren gehalten. Sie wurden von uns liebevoll aufgearbeitet und zerschlissene Teile in Handarbeit mühevoll ersetzt“, berichten die Frauen.

Die Flämingtracht ist im Ursprung eine Sorbentracht und ist symbolisch rot (steht für Jugend und Freude), grün (deutet auf den Ernst des Lebens hin) oder schwarz (zu feierlichen Anlässen wie Hochzeit, Taufe und Konfirmation). Die reiche Verzierung des Rocks und der Schürze mit Samtborten und Perlen gab Auskunft über den Besitzstand der Trägerin.

So manche der Ahlsdorfer Damen bleibt bis zur Unterwäsche der alten Tradition treu. Nur auf ein Detail wolle alle durchweg verzichten: die Hille (das Kopftuch).