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| 01:35 Uhr

Künftig anonyme Bestattungen in Hohenbucko

Ein Teil des Friedhofs in Hohenbucko wird künftig für anonyme Bestattungen genutzt. Zwischen der Gemeinde Hohenbucko und Gerd Rothaug, dem Betreiber des Krematoriums Elbe-Elster in Herzberg, gibt es dazu eine vertragliche Vereinbarung. In regelmäßigen Zeiträumen wird es anonyme Urnenbestattungen geben. Von Gabi Zahn

Eine erste hat, wie Bürgermeister Karl-Heinz Alexander in der Gemeindevertretersitzung informierte, inzwischen stattgefunden. "Mehr als 30 Urnen wurden beigesetzt", wusste er. Auch einige Angehörige oder Bekannte der Verstorbenen hätten der Zeremonie beigewohnt.
Die Gemeindevertreter haben in den Monaten zuvor über Für und Wider der getrennten Friedhofsnutzung ausgiebig diskutiert. Mit der Offerte, dass man den hinteren Teil des Terrains dafür optisch von den übrigen Ruheplätzen abtrennen will und auch eine eigenständige Zugangsmöglichkeit geschaffen wurde, gaben die Abgeordneten schließlich mehrheitlich ihr Einverständnis dazu.
Karl-Heinz Alexander weiß, dass es im Dorf zu diesem sensiblen Thema unterschiedliche Meinungen gibt und versucht, die Situation sachlich zu erläutern: "Alle wissen, dass die Finanzen in den Gemeinden knapp sind. Dass wir in diesem Jahr wieder einen ausgeglichenen Haushalt auf die Beine stellen konnten, ist das Ergebnis klugen Wirtschaftens." Das wolle man auch in den künftigen Jahren hinbekommen. "Ich bin Wirtschaftsmensch, für mich ist die Kommune wie ein Unternehmen. Die Einnahmen müssen stimmen, damit für die Bürger das ausgegeben werden kann, was notwendig ist, weil sich jeder wohl fühlen will. Außerdem wollen wir versuchen, mit diesen Mehreinnahmen die Friedhofsgebühren stabil zu halten."
Als er im Vorjahr in der RUNDSCHAU gelesen habe, dass die Anlage einer von Gerd Rothaug favorisierten anonymen Bestattungsmöglichkeit im Stadtgebiet von Herzberg gescheitert sei, habe die Gemeinde Rothaug ein Gespräch angeboten, dem ein Vor-Ort-Termin folgte. "Unser Friedhof ist sehr groß, das wissen die Bürger. Und anonyme Bestattungen werden in der heutigen Zeit zunehmend gefragt", teilt Alexander seinen Standpunkt mit. Man einigte sich über einen für beide Seiten akzeptablen Preis für die Fläche. „Wir haben eine zusätzliche finanzielle Einnahme, und mit Herrn Rothaug wurde vereinbart, in welcher Weise die Urnen zu bestatten sind.“
Das bestätigt der Herzberger Unternehmer: "Ich bin niemand, der eine anonyme Bestattung vorantreibt, doch wenn ich als Betreiber eines der größten Krematorien Deutschlands eine solche Form nicht anbieten kann, ist das ein großer Marktnachteil." Bisher habe das Unternehmen eine anonyme Bestattungsmöglichkeit hunderte Kilometer entfernt in Thüringen genutzt, so Rothaug, und wisse nun um eine wesentlich bessere Variante. "Herr Alexander und ich sind uns einig, dass die Anonymität nicht die ideale Bewältigung der Trauer darstellt, doch in der Branche kommt niemand mehr an einem solchen Angebot vorbei."
Gerd Rothaug, der auch Vorsitzender des Landesinnungsverbandes der Bestatter Thüringens ist, will auf dem von ihm genutzten Teil des Friedhofs einen Gedenkstein platzieren. "Natürlich stehen darauf keine Namen, aber die anonyme Bestattung wird auf diese Weise pietätvoll kenntlich gemacht." Angehörige oder Bekannte der Ver-storbenen, die unter anderem aus der Berliner Region kommen, könnten bei den jeweiligen Bestattern Ort und Termin der Beisetzungen erfahren. „Unsere Partner haben diese Daten, und es kann möglich sein, dass einige Personen vor Ort mit erscheinen“ , so Rothaug. Für die Urnenlage werde ein Kataster angelegt. Das aber sei nur dem Amt Schlieben zugänglich.