ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:37 Uhr

Kritische personelle Situation nicht entschärft

3378 Kameradinnen und Kameraden aus 163 Ortsfeuerwehren haben im Vorjahr im Landkreis 727 Einsätze abgearbeitet.
3378 Kameradinnen und Kameraden aus 163 Ortsfeuerwehren haben im Vorjahr im Landkreis 727 Einsätze abgearbeitet. FOTO: Fotolia
Elbe-Elster. Einsatzgeschehen: 2016 gab es 727 Gesamteinsätze (2015: 964, 2014: 622). Diese gliederten sich in 174 Brandeinsätze und 427 Einsätze zur technischen Hilfeleistung.

Der Schwerpunkt liegt nach wie vor bei der Hilfeleistung bei Unwetterschäden und Verkehrsunfällen. Es gab leider auch wieder 124 Fehlalarmierungen (2015: 128), von denen 46 auf Auslösungen von Brandmeldeanlagen und zwei auf böswillige Alarmierung zurückzuführen sind.

Personalbestand: Die 163 Ortsfeuerwehren in den 16 Städten und Ämtern des Kreises haben eine Stärke von 3378 Angehörigen und sind in sechs Stützpunktfeuerwehren organisiert. Die Mitgliederzahl ist damit im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Das bedeutet aber nicht, dass sich die kritische personelle Situation, speziell in Bezug auf die Tageseinsatzbereitschaft, entschärft hat. Nach wie vor stehen die Feuerwehren in Elbe-Elster vor dem Problem der sicheren Gewährleistung der Einsatzbereitschaft zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die Wehren gehen immer mehr dazu über, gleichzeitig mehrere Feuerwehren zu alarmieren, um die Sollstärke an der Einsatzstelle zu gewährleisten.

Stellt man die Anzahl der Feuerwehrangehörigen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl der jeweiligen Städte und Ämter, ergibt sich der in der Grafik dargestellte Organisationsgrad. Auffällig ist, dass Städte und Ämter mit relativ niedriger Einwohnerzahl einen sehr hohen Organisationsgrad aufweisen. Dies spiegelt die hohe soziale Rolle der freiwilligen Feuerwehren im Landkreis wieder.

Kreisausbildung:
Insgesamt nahmen 347 Angehörige an Lehrgängen auf Kreisebene teil. Dazu gehören auch Sonderlehrgänge wie die Ausbildung von Multiplikatoren für Heißausbildung. In enger, konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Landkreis Teltow-Fläming konnten 26 Kameraden an zwei Intensivlehrgängen "Realbrandausbildung in einem holzbefeuerten Brandcontainer" teilnehmen. Das dort erworbene Wissen wird durch die Teilnehmer als Multiplikatoren in den Wehren weitergegeben. Dazu wurden den Teilnehmern Präsentationen, Ausbildungshilfen und Einsatzgrundsätze ausgehändigt. In diesem Jahr werden weitere zwei Lehrgänge im FTZ Luckenwalde als Erweiterung und Festigung für eben diesen Ausbilderpool durchgeführt. Dasselbe Schulungsmodell wurde in diesem Jahr zum Thema "Effektiver Schaummitteleinsatz" im FTZ Luckenwalde durchgeführt. Zum Volkswagen-Werk in Mosel bei Zwickau konnten ebenfalls wieder Kameraden zur Ausbildung in technischer Hilfeleistung geschickt werden. Auch das kam und kommt bei den Wehren gut an. So hat der Kreis in diesem Jahr zwei weitere Lehrgänge buchen können.

Der Fachbereich Technische Hilfeleistung unter der Leitung von Silvio Blumberg aus der Freiwilligen Feuerwehr Herzberg ist Vorreiter bei der Entwicklung von Standardübungen, einheitlichen Schulungsunterlagen und Weiterbildungsangeboten. Die nach Feuerwehrdienstvorschrift zu absolvierende Atemschutz-Belastungsübung legten 618 Kameraden ab.

Weiterbildung:
Zum wiederholten Male wurde im Haus des Gastes Falkenberg ein Gefahrguttag durchgeführt. Als Teilnehmer konnten auch Lehrer und Sachbearbeiter des Institutes der Feuerwehr Heyrothsberge sowie von den Feuerwehren Berlin, Frankfurt (Oder), Cottbus und Leipzig begrüßt werden.

Die Gefahrstoffeinheit des Landkreises wurde auch im vergangenen Jahr zusammengeführt und konnte gemeinsam üben. Die Übung wurde ausgewertet und Maßnahmen eingeleitet, um das Zusammenspiel weiter zu festigen.

Das Thema der Öffentlichkeitsarbeit nimmt einen großen Stellenwert in der Arbeit des Kreisbrandmeisters ein. "Tu Gutes und rede darüber" — unter diesem Slogan gab es mit dem mit Pressereferenten des Landkreises, der Regionalpresse und einem Fotografen ein erstes Seminar Öffentlichkeitsarbeit und Fotografie für die Mitglieder des "Blaulichtreport" und prädestinierte Kameraden der Wehren in Falkenberg. Das Team von "Blaulichtreport" wird auch in diesem Jahr zusammen mit dem Kreisfeuerwehrverband auf der Messe "Florian" in Dresden mit einem Stand vertreten sein.

Technikübersicht:
An Sondertechnik stehen im Landkreis bereit: 3 Rüstwagen (Herzberg, Kirchhain, Elsterwerda), 5 Hubrettungsfahrzeuge (Herzberg, Finsterwalde, Elsterwerda, Bad Liebenwerda, Schönewalde), 1 Schlauchwagen, 1 Gerätewagen Gefahrgut und 3 Einsatzleitwagen 1 (Herzberg, Finsterwalde und Schönewalde). Das heißt, dass je Hubrettungsfahrzeug rund 21 000 Einwohner zu betreuen sind. Ein Meilenstein war deshalb die Anschaffung einer neuen Drehleiter durch die Stadt Elsterwerda - das derzeit modernste Fahrzeug im Landkreis.

Gerätewagen Sanität:
Im Sommer 2016 wurde ein Gerätewagen-Sanität vom Bund übergeben. Dieser ist beim DRK-Kreisverband Bad Liebenwerda mit Standort Plessa stationiert. Mit dieser Auslieferung ist die Ausstattung der Schnelleinsatzeinheit-Sanität (SEE-San) vollständig und die Einheit voll einsatzbereit. Die Flotte der SEE-San hat somit ein Durchschnittsalter von fünf Jahren, wobei das älteste Fahrzeug acht Jahre alt ist. Dem gegenüber steht ein deutlich höheres Flottenalter in den Bereichen SEG-Betreuung, SEG-Verpflegung und SEG-Wassergefahren. Von 7 Fahrzeugen stammt nur ein einziges aus dem neuen Jahrtausend, das älteste ist fast 25 Jahre alt. Der sich hier abzeichnende Investitionsstau liegt nicht zuletzt an den Förderprioritäten des Ministeriums des Innern und für Kommunales. So wurde seit Verabschiedung der neuen Katastrophenschutzverordnung ein deutlich höherer Schwerpunkt auf die Bereiche Führung und Sanität gelegt. Inwieweit die Förderungen im Bereich Betreuung, Verpflegung und Wassergefahren mittelfristig intensiviert werden, lässt sich nicht mit Sicherheit abschätzen.

Im Bereich des Fachdienstes Führung wurde 2016 ein Mannschaftstransportwagen beschafft, welcher Anfang 2017 der SEG-Führungsunterstützung übergeben werden konnte. Gemeinsam mit dem sich derzeit in Beschaffung befindlichen Einsatzleitwagen 2 wird die Einheit mit der im vierten Quartal geplanten Auslieferung des ELW 2 eine der am modernsten ausgestatteten Einheiten dieser Art sein. Durch vergaberechtliche Probleme seitens des Zentraldienstes der Polizei dauert die ursprünglich für 2015 geplante Beschaffung eines neuen Gerätewagen-Gefahrgut (für Standort Elsterwerda) noch an. Das sich derzeit in Mühlau in Fertigung befindliche Fahrzeug wird voraussichtlich ebenfalls im vierten Quartal ausgeliefert.

Herausforderung Ehrenamt:
Die Fördermittelprogramme (Gerätehäuser, Fahrzeuge, Ausrüstung) des Landes sind nach wie vor zu gering. Die Aufstellung und Bestätigung von professionell erstellten Gefahren- und Risikoanalysen, allgemein die Gefahrenabwehrbedarfsplanung, ist unabdingbar.

"Um die mir immer wieder auffallende fehlende Führungsstruktur in den Einsatzleitungen zu entwickeln, möchte ich eine Task Force (Schnelleinsatzgruppe Führungsunterstützung) aufbauen und so dislozieren, dass der gesamte Landkreis abgedeckt wird. Derzeitige Partner dafür habe ich bei den Feuerwehren Herzberg und Finsterwalde gefunden. Beide haben sich für eine einheitliche Führungssoftware entschieden. Diese wird nunmehr auch im Führungsstab des Landkreises eingesetzt", kündigt der Kreisbrandmeister an.

Mit der Durchführung von Regionalkonferenzen des Landesfeuerwehrverbandes soll die Novellierung des Brand- und Katastrophenschutzgesetzes angefasst werden. "Hier hoffe ich auf die Definition der Stützpunktfeuerwehren, um unter anderem die Gefahren- und Risikoanalysen auf sichere gesetzlich geregelte Beine zu stellen. Kommunalpolitische Beschlüsse hätten damit Bestandskraft", so Ludewig weiter.

Die Alarm- und Ausrückordnungen müssen immer wieder angepasst und präzisiert werden. Diese stadt- und ämterübergreifend im Sinne der schnellstmöglichen Hilfeleistungsfrist zu gestalten, ist eine weitere Herausforderung. Dass es funktioniert und Früchte trägt, zeige einmal mehr die im Stützpunktbereich Finsterwalde gegründete Arbeitsgruppe "Alarm- und Ausrückordnung", die aus Vertretern der Feuerwehren Finsterwalde, Sonnewalde und dem Amt Kleine Elster besteht.

"Doppelmitgliedschaften sind zwar kein Allheilmittel und man belügt sich dabei auch etwas - aber es ist eine Möglichkeit, die Einsatzbereitschaft etwas besser zu gewährleisten. Nicht zuletzt gilt es immer wieder, das Ehrenamt entsprechend zu würdigen, die Mitglieder zu motivieren und Anreize zu schaffen", sagt Steffen Ludewig..

Herausforderung Ausbildung:
Auch 2016 hat der Kreis nur ein Drittel des Bedarfs an Lehrgangsplätzen an der Landesfeuerwehrschule Eisenhüttenstadt zugewiesen bekommen. Die Schule sei optimistisch, den Stau nach und nach abarbeiten zu können, heißt es.

Die Truppführerausbildung muss auf ein höheres Niveau gehoben werden. Professionelle, moderne Lehrmethoden und mehr Praxisanteile sind wichtige und unaufschiebbare Schritte. "Ich setzte hier auf die mit dem Ausbau des Feuerwehrtechnischen Zentrums entstehenden Möglichkeiten. Es sollen einheitliche Ausbildungsunterlagen erstellt und Handlungsempfehlungen erarbeitet werden. Dazu wurden im Vorjahr Arbeitsgruppen gebildet. Das bedingt aber auch die Bereitstellung von entsprechenden finanziellen Mitteln, einer novellierten Kreisausbildungsrichtlinie und die Definition von Ausbildungsmodulen sowie Zuständigkeiten und arbeitsfähigen Regularien.

Zum Thema:
Kreisbrandmeister Steffen Ludewig legt jährlich vor dem Kreistag Rechenschaft über die Feuerwehrarbeit im Landkreis ab. Die Informationen auf dieser Seite stammen alle aus seiner jüngst vorgestellten 2016er Bilanz.