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| 01:00 Uhr

„Kriegt jeder, was er verdient?“

Falkenberg.. Kriegstote, das verdeutlichte Falkenbergs Bürgermeister Herold Quick am Sonntag auf einer Gedenkveranstaltung aus Anlass des Volkstrauertages, sind eine bleibende Wunde in der Geschichte jeden Volkes. Sven Gückel

Heilen könne sie nur, indem man alles dafür leistete, dass sich derartige Schicksale nicht wiederholen. Als einen in diesem Sinne wichtigen Beitrag wollte das Stadtoberhaupt daher die Gedenkveranstaltung mit anschließender Kranzniederlegung auf dem Falkenberger Friedhof verstanden wissen. Umrahmt wurde die Feierstunde mit Liedern und Gedichten, vorgetragen vom Literaturclub des hiesigen Friedrich-Stoy-Gymnasiums.
„Die Rose war rot“ hatte Gerry Wolff einst gesungen. In seinem Chanson erzählte er von einem jungen französischen Soldaten, der 1917 sein Leben verlor. Er griff darin aber auch das Schicksal eines Deutschen auf, den im gleichen Jahr giftige Gase zerfressen hatten. Oder die Gruppe Zivilisten, deren Leben 1940 als Geisel im Gewehrfeuer endete. Was alle letztlich einte, war eine rote Rose an ihrem Grab.
Vorgetragen von Daniela Zschietzschker, ließ der Text des Liedes die Zuhörer der Veranstaltung gedanklich in sich gehen. „Ein Tod ohne Sinn, aber nicht sinnlos“ , schloss die Gymnasiastin mit einer Liedzeile ab.
Eine Betrachtung, auf die auch Quick großen Wert legte. „Trauer verbindet die Gegner von einst heute über Grenzen hinweg. Derlei Verbindungen sind längst Realität geworden“ , bekannte er. Vor allem für junge Generationen sei es wichtig, an den Gräbern der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu erkennen, wohin blinder Hass die Menschen führt. „Wenn wir die Erinnerungen wach halten wollen, müssen wir Geschichte vermitteln.“ Dennoch, und auch das ließ er nicht unerwähnt, gebe es eine Vielzahl jugendlicher und älterer Menschen, die sich der Erfahrungen deutscher Geschichte noch immer verweigern.
Kriege, das war allen Anwesenden bewusst, bestimmen bis heute das aktuelle Tagesgeschehen. Pfarrer Andreas Bechler nannte beispielgebend einige der aktuellen Kriegsherde weltweit, ohne dabei der Vollständigkeit auch nur im geringsten Genüge zu tun. 60 Jahre nach dem Ende des letzten Krieges auf deutschem Boden, fragte er zugleich, ob es gerecht sei, was Opfern und Tätern widerfährt. „Kriegt jeder, was er verdient„“ , äußerte Bechler und benannte damit im gleichen Atemzug das Thema der Friedenssynode, welche die evangelische Kirche gegenwärtig begeht. Kriegt Deutschland was es verdient, wenn 60 Jahre nach Kriegsende am Volkstrauertag Nazis wieder unverhohlen auf der Straße ihre Meinung kundtun dürfen“ In einem Land, das von sich behauptet, in Europa angekommen zu sein?
Was Krieg, Vertreibung und Gewalt für den Einzelnen bedeuten, stellten die Gymnasiasten im Verlauf der Veranstaltung in einer szenischen Lesung dar. Feinfühlig berichteten sie darin vom Leben einer Gruppe russischer Kriegsgefangener. Sie gaben kund wie es ist, in der Zelle auf das nächste Verhör zu warten, wie es ist, durch Gitterstäbe den klaren Sommersternenhimmel zu betrachten. Wie man sich fühlt, wenn Kameraden die Heimat nicht wiedersehen können, wenn Sommernachtsträume wie Seifenblasen platzen. Die einzige Klammer, so die gewonnene Erkenntnis, die das Leben im Martyrium aufrecht hält, ist die Hoffnung. „Stell dir vor, alle Menschen leben ihr Leben in Frieden“ , sangen Christian Furche und Mandy Balzer abschließend aus John Lennons Lied „Imagine“ . Es ist eigentlich nicht schwer. Man muss es nur wollen.