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| 15:40 Uhr

Im Interview: Kreisbrandmeister Steffen Ludewig
„In diesem Jahr ist die Belastung der Ehrenamtlichen sehr hoch“

Als hauptamtlicher Feuerwehrmann ist Kreisbrandmeister Steffen Ludewig  erst einmal vielen Vorbehalten begegnet. Heute sagt er: „Ich werde genau so akzeptiert, wie jeder ehrenamtliche Kamerad und ich habe große Achtung, vor dem, was die Feuerwehrleute in Elbe-Elster im Einsatz und in ihrer Freizeit leisten. Das verdient ein großes Dankeschön.“
Als hauptamtlicher Feuerwehrmann ist Kreisbrandmeister Steffen Ludewig  erst einmal vielen Vorbehalten begegnet. Heute sagt er: „Ich werde genau so akzeptiert, wie jeder ehrenamtliche Kamerad und ich habe große Achtung, vor dem, was die Feuerwehrleute in Elbe-Elster im Einsatz und in ihrer Freizeit leisten. Das verdient ein großes Dankeschön.“ FOTO: LR / Sylvia Kunze
Herzberg. Der oberste Feuerwehrmann in Elbe-Elster über hohe Anforderungen der vergangenen Wochen, gutes Miteinander und sein Ankommen im Landkreis. Von Sylvia Kunze

Trockenheit und Hitze haben die Kameraden im Landkreis in den zurückliegenden Wochen gefordert, wie es sonst nur eher kurzfristig bei größeren Schadenslagen wie Hochwasser oder Stürmen der Fall ist. Grund genug, mit Steffen Ludewig, Kreisbandmeister in Elbe-Elster, das Gespräch zu suchen.

Herr Ludewig, wie sehen Sie die zurückliegenden Wochen?

Steffen Ludewig: Besonders in diesem Jahr, so meine Einschätzung, ist die Belastung der ehrenamtlichen Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren und der Hilfsorganisationen sehr hoch. Es gab größere Waldbrände, Feuer in Recyclinganlagen, einen Brand eines Vierseitenhofes mitten in einer Ortschaft, überörtliche Einsätze in Senftenberg, in Wittenberg und der Annaburger Heide sowie in Treuenbrietzen. Dafür zolle ich Respekt und Anerkennung.

Der Großbrand in der Annaburger Heide hat den Einsatzkräften viel abverlangt. Er hat aber auch Schwachstellen in der Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Sachsen-Anhalt aufgezeigt.
Der Großbrand in der Annaburger Heide hat den Einsatzkräften viel abverlangt. Er hat aber auch Schwachstellen in der Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Sachsen-Anhalt aufgezeigt. FOTO: privat

Jeder Einsatz ist eine neue Herausforderung. Jeder Einsatz zeigt womöglich neue Schwachstellen auf. Insbesondere der Großbrand in der Annaburger Heide liegt Ihnen noch schwer im Magen.

Steffen Ludewig: Zu Beginn des Einsatzes bestand die Gefahr, dass das Feuer den Ort Mahdel bedrohen könnte. Deswegen haben unsere Feuerwehren die Brandbekämpfung in der ersten Zeit übernommen. Dabei wurde rasch klar, dass neben der Feuerwehr Herzberg weitere Kräfte benötigt werden. Deshalb haben wir alles Notwendige eingeleitet, von der Versorgung über Betreuung bis zur Einsatzleitung. An dieser Stelle auch ein Dankeschön an die Schnell­einsatzgruppe Versorgung aus Gröden und die Schnelleinsatzgruppe Betreuung aus Bad Liebenwerda.

Später, als die Gefahr gebannt war und sich der Brand auf das Territorium des Nachbarkreises beschränkte, konnten sich unsere Kräfte nach und nach zurückziehen.

Der Einsatz hat einige Schachpunkte aufgezeigt. Die Funkverbindung hat in der Heide zum Beispiel nicht funktioniert. Wir wussten nicht ausreichend über die Löschwasserpunkte Bescheid. Ich kann an dieser Stelle nur allen unseren 70 Einsatzkräften aus Elbe-Elster noch einmal sagen: Danke, dass trotzdem alles funktioniert hat. Um die Schachstellen werde ich mich kümmern und das Gespräch mit den Verantwortlichen im Landkreis Wittenberg suchen. Die Wiederholung eines solchen Szenarios ist nicht ausgeschlossen. Deshalb müssen für ein nächstes Mal besser vorbereitet sein.

Stichwort Zusammenarbeit. Wie erleben Sie diese in Elbe-Elster?

Steffen Ludewig: Es gibt viele gute Ansätze. Aber ich sehe bei den Stützpunktfeuerwehren noch viel Spielraum, durch intensivere Zusammenarbeit deren Wirksamkeit zu verbessern, Synergien auszuschöpfen. Aber auch von Seiten des Kreises muss noch einiges gemacht werden. Ich denke da an die guten Voraussetzungen im Feuerwehrtechnischen Zentrum in Herzberg. Dort sind moderne Übungsmöglichkeiten entstanden. Ich möchte, dass diese noch besser ausgelastet werden. Das ist eine Herausforderung für die Kameraden gleichermaßen wie für den Landkreis.

Wenn wir über Zusammenarbeit sprechen, soll aber auch ein anderes Beispiel nicht unerwähnt bleiben. Erst vor wenigen Tagen absolvierten die Bürgermeister und Mitarbeiter aus den Verwaltungen der Kurstadt Bad Liebenwerda, der Eisenbahnstadt Falkenberg/Elster, der Stadt Mühlberg/Elbe und der Stadt Uebigau-Wahrenbrück gemeinsam ein Seminar zum kommunalen Krisenmanagement bei Großschadensereignissen. Dabei ging es neben Rechtsgrundlagen, die Führungsorganisation und die Kommunikation bei Großschadenslagen auch um Erfahrungen aus den Verwaltungsstäben bei Ereignissen in der Vergangenheit. Einsätze wurde reflektiert und fachliche Grundlagen für das zukünftige gemeinsame Agieren vermittelt. In Bezug auf das Entwickeln gemeinsamer Konzepte und Strategien, das Erarbeiten von Synergien im Sektor Brandschutz war das ein beispielgebendes Seminar.

Ihr Start als Hauptamtler in Elbe-Elster war nicht unumstritten. Wo sehen Sie sich heute?

Steffen Ludewig: Ich werde genau so akzeptiert und behandelt, wie jeder andere ehrenamtliche Kamerad und habe große Achtung vor dem, was die Feuerwehrleute in Elbe-Elster im Einsatz und in ihrer Freizeit leisten. Das verdient ein großes Dankeschön. Aber es stimmt: Am Anfang stand die Angst bei vielen Kameraden, dass jetzt jemand kommt, der sie bevormundet. Mir ist das selbst erst in der letzten Zeit so richtig bewusst geworden, dass ich keinen leichten Einstieg als ‚der von der Berufsfeuerwehr’ hatte. Ich musste so manches Vorurteil überwinden. Wir haben uns jetzt kennengelernt. Meine Arbeit soll keine Gängelei, sondern Unterstützung und Handreichung sein.

So mancher hat sich mit Ihrer Arbeit noch immer nicht anfreunden können.

Steffen Ludewig: Das mag stimmen. Mich begeistert das gemeinsame Entwickeln von Konzepten, von der Gefahrguteinheit bis hin zu den Brandschutzzügen, das Erarbeiten von Ausbildungsmodulen, die Handreichungen und das Begleiten in Bezug auf Aus- und Fortbildungen von Technischer Hilfeleistung bis hin zur Heißausbildung. Aber das soll kein Bevormunden sein. Das soll die Arbeit der Kameraden auf ein einheitliches Niveau heben und damit im Ernstfall erleichtern.

Was glauben Sie, wie Sie dabei vorankommen?

Steffen Ludewig: Die hohe Einsatzbereitschaft und tolle Motivation sprechen für sich. Zusammen mit meinen Stellvertretern Mario Harnisch und Frank Romey sind wir in Bezug auf Einsatzvorbereitung und die Umsetzung von Strategien immer offen für die Arbeit der Feuerwehren. Wir sprechen größere Einsätze bei unseren Beratungen durch, werten aus, was verbessert werden kann, wo wir justieren müssen. Auch der erst vor ein paar Tagen durchgeführte Workshop zur Gefahren- und Risikoanalyse brachte einige Gedanken zur Qualitätserhöhung und einen gewissen Standard im Rahmen der Gefahrenabwehr.

Was mich jedoch ärgert, sind oft fehlende Wertschätzung und das ständige Rechtfertigenmüssen von Entscheidungen und Konzepten bei bürokratischer Nachbereitung von Einsätzen. Mich ärgern auch Mängel, die teilweise über Jahre hinweg verschleppt, einfach nicht priorisiert wurden. Hier ist auf allen Ebenen einiges nachzuholen.

Oder denken wir nur einmal an den immensen Investitionsstau in Bezug auf Fahrzeugbeschaffungen und den Bau von Feuerwehrgerätehäusern. Noch sind im Landkreis sechs W 50, elf Kleinlöschfahrzeuge auf B 1000 und acht LO LF 8 im Dienst. Das sind Oldtimer. Auch die kurz nach der Wende gelieferten Katastrophenschutzlöschfahrzeuge haben teilweise 1992er-Baujahr. Wenn jährlich nur ein bis zwei Fahrzeuge über die Stützpunktfeuerwehrförderung beschafft werden, kann man sich vorstellen wie lange der Austausch des alten Fahrzeugbestandes noch dauert.

Könnte sich daran demnächst etwas ändern?

Steffen Ludewig: Gut sieht es nicht aus. Auch wenn erst im Vorjahr auf Landesfeuerwehrverbandsebene Regionalkonferenzen zur Zukunft der Feuerwehren abgehalten wurden, bei denen sich auch Vertreter unserer Feuerwehren aktiv eingebracht haben. Von dem Thesenpapier sind nur noch wenige Punkte übriggeblieben. Dabei muss dringend über die Förderrichtlinie, die Erhöhung der finanziellen Mittel nachgedacht werden und es müssen Regelungen in Bezug auf die Einsatzzeiten aufgestellt werden. Wenn das nicht als Komplettpaket möglich ist, sollte das in Etappen erfolgen, aber es muss auf Landesebene eine Zielstellung für die zukunftsorientierte Absicherung des Brandschutzes aufgestellt werden.

Mit Steffen Ludewig
sprach Sylvia Kunze

Die Bürgermeister der Städte der Kurstadtregion nach einem Seminar zum Krisenmanagement bei Großschadensereignissen, bei dem Norman Barth (l.) von der Landesfeuerwehrschule Eisenhüttenstadt viele Hinweise geben konnte.
Die Bürgermeister der Städte der Kurstadtregion nach einem Seminar zum Krisenmanagement bei Großschadensereignissen, bei dem Norman Barth (l.) von der Landesfeuerwehrschule Eisenhüttenstadt viele Hinweise geben konnte. FOTO: privat