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| 01:34 Uhr

Kreis Elbe-Elser hält an Heim-Standort fest

Bei der Demonstration in Herzberg fordern die Teilnehmer die Schließung des Flüchtlingsheimes in Hohenleipisch.
Bei der Demonstration in Herzberg fordern die Teilnehmer die Schließung des Flüchtlingsheimes in Hohenleipisch. FOTO: Rudow
Herzberg. Etwa 30 Demonstranten forderten am gestrigen Dienstagnachmittag in Herzberg die Schließung des Flüchtlingsheimes in Hohenleipisch. Im Landratsamt überbrachten sie dem amtierenden Sozialdezernenten Dr. Erhard Haase einen offenen Brief. Von Birgit Rudow

Ein 30-Jähriger aus Kamerun, der seinen Namen nicht nennen wollte, und der seit sechs Monaten im Flüchtlingslager Hohenleipisch lebt, kritisiert vor allem die Isolation der Flüchtlinge in dem abgelegenen Heim. Außerdem seien die Wohnräume schlecht, es gebe keine Privatsphäre und keine Sicherheit, so der junge Mann. Ferdinand Ngninkeleji pflichtet ihm bei. Er kommt ebenfalls aus Kamerun, lebt seit sieben Jahren in Deutschland und engagiert sich in der Flüchtlingsinitiative Berlin/Brandenburg. "Wir kämpfen gegen Diskriminierung, Isolation, soziale Ausgrenzung und Rassismus", sagt er. Auch Claire Horst, Germanistin und Mitglied der antirassistischen Initiative Berlin, steht auf dem Herzberger Markt. "Die Situation in Hohenleipisch ist katastrophal. Die Menschen dort sind absolut isoliert", sagt sie. Am Wochenende gebe es keine Busverbindung in die Stadt, der Weg durch den Wald sei weit und nicht beleuchtet, es gebe kein Internet und keine Deutschkurse für die Flüchtlinge. "Das zermürbt sie", so die junge Berlinerin.

Durch die Straßen der Innenstadt ziehen die Protestanten zum Landratsamt. Landrat Christian Jaschinski (CDU) ist nicht im Haus. Unter Tränen übergibt ein junger Kenianer einen offenen Brief, in dem die Probleme der Flüchtlinge beschrieben sind, an Dr. Erhard Haase. Sie fordern die sofortige Schließung des Heimes. Dr. Haase erwidert, dass der Zustand des Flüchtlingslagers in Hohenleipisch dem Standard entspricht. "Über die Lage kann man streiten und sie auch kritisch sehen. Aber bei dem Heim handelt es sich um eine Gemeinschaftsunterkunft in einer Übergangszeit für die Flüchtlinge", sagt der Dezernent. In den vergangenen 19 Jahren habe es weder Übergriffe noch Probleme gegeben. Der Kreis sehe keine Veranlassung, einen anderen Standort für das Heim zu finden. "Dazu gibt es auch keine Überlegungen", so Dr. Haase. Die Kreisverwaltung werde aber prüfen, wie sie den Flüchtlingen helfen kann, zum Beispiel mit Deutschkursen oder bei Fahrtkosten, versprach der Dezernent. "Wir müssen sehen, was rechtlich möglich ist, was in unserem Ermessen liegt, und wer die Kosten trägt", sagt er.

Zum Thema:

Nach Angaben des Flüchtlingsrates Brandenburg sind 120 Flüchtlinge in dem Heim in Hohenleipisch gemeldet. 20 hätten die Situation im Heim kritisiert und fordern dessen Schließung. Andere Flüchtlinge widerum haben in einem Schreiben, das der LR vorliegt, geäußert, dass sie mit der Unterbringung in Hohenleipisch zufrieden sind.