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| 18:19 Uhr

Teure Bauideen
Kosten für Grundschulanbau in Herzberg schocken Abgeordnete

Ein Schnittmodell des Anbaus an die Elsterlandgrundschule interessierte Vertreterinnen der Schule bei der Stadtverordnetenversammlung besonders. In der Mitte Landschaftsplaner Matthias Poese.
Ein Schnittmodell des Anbaus an die Elsterlandgrundschule interessierte Vertreterinnen der Schule bei der Stadtverordnetenversammlung besonders. In der Mitte Landschaftsplaner Matthias Poese. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Architekten haben Vorplanungen für die Elsterlandgrundschule vorgestellt. Inhaltlich sind sie top. Die Kosten aber auch sehr hoch. Von Birgit Rudow

Bis der Anbau an die Elsterlandgrundschule in Herzberg fertig ist, wird noch einige Zeit vergehen. Die Finanzierung liegt den Verantwortlichen im Rathaus und Stadtparlament aber jetzt schon schwer im Magen. Rein planungstechnisch liegen erste Ergebnisse vor. Und die sehen gut aus. Das Stuttgarter Architekturbüro „Harder Stumpfl Schramm“ hatte im Februar den Architektenwettbewerb für den Anbau gewonnen. Vergangene Woche stellte Franz Harder die Vorplanung in der Stadtverordnetenversammlung vor. Sie fand einhellige Zustimmung.

Im Planungsprozess wurden noch einige Veränderungen gegenüber dem Entwurf vorgenommen. „Wir haben versucht, die Stärken des Entwurfs beizubehalten und die Schwächen auszumerzen. Das ist uns in vielen Sitzungen mit den Tragwerksplanern, Haustechnikern, Landschaftsarchitekten, Bauphysikern und Elektromeistern gelungen. Geholfen hat uns, dass die Schule als Nutzer und die Stadt als Bauherr klar formuliert haben, was sie wollen, und was nicht“, so Franz Harder. Im Zentrum der Aufgabe stand der Gedanke der Inklusion.

Der Anbau besteht aus zwei Teilen – eine Mensa und ein Gebäude mit Klassenzimmern, Rückzugsbereich und Lernlandschaften. Der Neubau schließt sich barrierefrei an den Bestandsbau an. Auch die Hochwasserproblematik ist beachtet. Mit dem Fahrstuhl wird ein 35 Zentimeter-Höhenunterschied von Alt- und Neubau ausgeglichen. In den Mensabereich haben die Planer noch Toiletten „eingebaut“. Der Eingang wurde von der Längs- an die Stirnseite der Mensa verlegt.

Matthias Poese von einem Leipziger Landschaftsarchitekturbüro informierte über die Planung der Außenanlagen. Die neuen Gebäude nehmen viel Platz vom Spielbereich auf dem Schulhof weg, so dass der Außenbereich als Spiel-, Sport- und Lernbereich neu aufgestellt werden muss. Die Bushaltestellen werden verlegt. Das erfordert eine neue Hauptachse vom Bus zum Schulgebäude. Die bestehende Grünzone entlang dem Lapine-Graben soll sich um den gesamten Bereich schließen.

Cathleen Koroschetz von der Beratungsgesellschaft BSM aus Berlin, die das Projekt, wie viele andere zuvor auch schon, für die Stadt Herzberg betreut, erläuterte den zeitlichen Rahmen für die Umsetzung und die vorläufige Kostenschätzung. Die europaweite Vergabe der Fachplanungen habe viel Zeit gekostet, sagte sie. Aber noch vor Weihnachten soll der Bauantrag eingereicht werden. Aus heutiger Sicht könnte im Herbst 2019 Baubeginn sein.

Das größte Problem sind die Kosten. Entsprechend der jetzt vorgestellten Vorplanungen werden sie für den Hochbau auf fünf Millionen Euro und für die Freianlagen auf zwei Millionen Euro geschätzt. Angedacht waren einmal drei Millionen und eine Million Euro. Das Projekt ist in noch keinster Weise ausfinanziert. Einig waren sich die Angeordneten, dass die Kosten für die Freianlage unbedingt runter müssen. Für Fördermittel, so Cathleen Koroschetz, lägen Aussagen von Fördermittelgebern vor, die das Projekt befürworten. Sie gehe davon aus, dass etwa zwei Drittel durch Förderungen abgedeckt werden können und ein Drittel die Stadt tragen muss. Insgesamt sei die Wunschliste der Schule sehr lang gewesen. Vor allem bei den Freianlagen sei das Maximale angesetzt worden, sagte sie. Man müsse auch beachten, dass die Baupreise derzeit immens hoch seien. Fördermittel könnten aber erst mit einer Entwurfsplanung beantragt werden. Die Vorplanung stecke aber schon sehr tief im Detail.

Die Abgeordneten konnten einen ersten Schock über die hohen Kosten nicht verbergen und taten dies auch kund. Es habe aber keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen Vielmehr müsse man an die Fördermittelgeber mit realistischen Zahlen herantreten, so der Tenor in der Runde.