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Kommt der Schock im Mai?

So gespenstisch sieht der Kiefernwald derzeit nahe Buchhain aus. Die Bäume haben kaum Nadeln.
So gespenstisch sieht der Kiefernwald derzeit nahe Buchhain aus. Die Bäume haben kaum Nadeln. FOTO: rudow
Elbe-Elster. Was passiert in den im vergangenen Spätsommer von der Kiefernbuschhornblattwespe extrem geschädigten etwa 18 000 Hektar Kiefernwald, die sich vom Raum Dubro/Jeßnigk im Nordwesten in einem breiten Streifen bis nach Massen im Osten des Kreises erstrecken? Auf diese Frage haben sich private Waldbesitzer in dieser Woche eine Antwort erhofft. Die Landtagsabgeordnete Iris Schülzke (BfB) und die Oberförstereien Herzberg und Hohenleipisch hatten zu Informationsveranstaltungen eingeladen. Birgit Rudow

Am Dienstag waren dazu etwa 100 Waldbesitzer in die Gaststätte nach Naundorf und am Mittwoch etwa 130 Waldbesitzer in den Gemeindesaal nach Massen gekommen. Auf eine konkrete Antwort müssen sie aber noch einige Wochen warten, denn erst der Maiwuchs wird Aufschluss darüber geben, welche Bäume Überlebenschancen haben und welche nicht.

Zum Auftakt der Veranstaltungen hat Iris Schülzke gesetzliche Verfahren in Brandenburg dafür verantwortlich gemacht, dass einige schwerst betroffene Gebiete Ende August nicht gespritzt werden durften, weil sie als Schutzgebiet ausgewiesen waren. Eine erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfung sei in der Kürze der Zeit nicht machbar gewesen, sagt sie. Es dürfe nicht noch einmal passieren, dass gesetzliche Verfahren der Schädlingsbekämpfung entgegenstehen, so Iris Schülzke.

Die derzeitige Situation in den Wäldern analysierten in Naundorf der Leiter der Oberförsterei Herzberg Lutz Heduschka und in Massen der Leiter der Oberförsterei Hohenleipisch Uwe Lewandowski. Man werde den Schaden erst Ende Mai/Anfang Juni überblicken können, so Lutz Heduschka. Wenn die Knospen wieder ausschlagen und es im Frühjahr viel regnet, könne man davon ausgehen, dass die Kiefern überleben. Ihre volle Leistungsfähigkeit würden sie aber erst in etwa fünf Jahren wieder erreichen, so der Oberförster. Er habe sich Bestände mit dem Fernglas angesehen und festgestellt, dass der Nadelbestand noch etwa 10 Prozent beträgt. Dort könne man davon ausgehen, dass sich der Wald erholt, sagt er. Einzelne Bäume würden sicher absterben, ganz Bestände aber nicht, so Heduschka. Uwe Lewandowski hat den Waldbesitzern in Massen angeboten, sie zu einer Art Workshop in den Wald einzuladen, sobald der Maiwuchs draußen ist. Dann könnte man gemeinsam mit den Förstern schauen und die Situation einschätzen.

Lutz Heduschka hat die Waldbesitzer auf eine weitere Gefahr durch andere Waldschädlinge aufmerksam gemacht. Der Borkenkäfer würde vor allem geschwächte Bäume anfliegen. Er appellierte an die Waldbesitzer, besonders auf diesen Schädling zu achten. Die Oberförstereien hätten in diesem Jahr ihre Winterbodensuche zeitlich und flächenmäßig ausgeweitet. Statt der üblichen 60 Flächen wurden im Bereich Herzberg 180 Flächen abgesucht. "Wir versprechen uns davon eine größere Aussagekraft", so Lutz Heduschka.

Die Waldbesitzer hatten viele Fragen an die Fachleute von der Forst, auch zu finanziellen Auswirkungen der Bekämpfung. Dazu war die Antwort von Lutz Heduschka eindeutig: Dafür seien die Waldbesitzer zuständig, sagte er. Die Forst übernehme die Kosten für das Monitoring und die Organisation der Bekämpfung, für Absperrungen oder Genehmigungen. Iris Schülzke meinte dazu, dass das Land auch die Kosten für die Schädlingsbekämpfungen übernehmen müsste. Doch das durchzusetzen sei ein langer Weg.

Gefragt wurde ebenfalls, ob sich eine Situation wie 2016 in diesem Jahr wiederholen könnte. Oberförster Lutz Heduschka befürchtet, dass kleinere Befallsgebiete sich nochmals bemerkbar machen könnten und nachbehandelt werden müssen. In den Kerngebieten seien viele Raupen aber verhungert, was den Ausgangspunkt für eine erneute Vermehrung im Herbst verringern würde, meinte er. Der Schlupftermin für die Kiefernbuschhornblattwespe sei in sechs Wochen. Erst dann könne man mehr sagen, so der Oberförster

Die Waldbesitzer forderten insgesamt noch mehr Verantwortung vom Land, vor allem, was Verwaltungsvorgänge betrifft. Ihr Wald sei schließlich für jeden öffentlich zugänglich und sorge für einen großen Erholungseffekt bei der Bevölkerung, so der Tenor.

Zum Thema:
Die Sparkasse Elbe-Elster und die VR Bank haben Spendenkonten eingerichtet. Mit dem Geld sollen Materialien für Vogelnistkästen finanziert werden, die Kinder in Schulen und Kindergärten des Kreises bauen und dann mit Förstern im Wald anbringen. Die Aktion soll zum biologischen Gleichgewicht im Wald beitragen und die Kinder mit der Natur vertraut machen. Auch die Waldbesitzer haben dafür bereits Spenden gegeben.