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| 16:49 Uhr

Bundeswehr
Mit Witz und Charme ins neue Amt

 Die neuen Arbeitsplätze im Bunker Schönewalde weisen einige Neuerungen auf.
Die neuen Arbeitsplätze im Bunker Schönewalde weisen einige Neuerungen auf. FOTO: Sven Gückel
Schönewalde. Die Kommandoübergabe in Schönewalde gestaltete sich in einigen Punkten anders als gewohnt. Von Sven Gückel

Die Überwachung des deutschen Luftraumes gehört zu den elementaren Sicherheitsleistungen, die täglich durch die Bundeswehr erbracht werden. Eine tragende Rolle nimmt hierbei das Control and Reporting Centre, kurzum die Luftraumüberwachungsanlage Schönewalde ein. Deren zuständiger „Kommandeur Einsatzgruppe stationär“, Oberstleutnant Mario Czybik, übergab nach dreijähriger Zuständigkeit nun die Leitungsfunktion an seinen Nachfolger Oberstleutnant Jens Dobrindt.

Alle Luftfahrzeuge, die den deutschen Luftraum durchqueren, haben eines gemeinsam: Sie werden vom Radar erfasst und als kleiner Punkt auf den Bildschirmen der Luftraumüberwachungsanlage Schönewalde dargestellt. 24 Stunden, an sieben Tagen in der Woche. Etwa 60 Soldaten und zivile Mitarbeiter sichern diese Aufgabe tagtäglich ab. Sie zu führen und dafür zu sorgen, dass ihr Job ohne Zwischenfälle mit besten Ergebnissen umgesetzt wird, gehörte drei Jahre lang zum Tätigkeitsfeld Mario Czybiks. „Zugleich warst du in Personalunion mein Stellvertreter als Kommandeur des gesamten Einsatzführungsbereiches 3, mein Stellvertreter als Standortältester und zugleich der Chef des Stabes. Die Truppe hast du mit ruhiger, aber fester Hand geführt und dir dabei durch Geradlinigkeit und Berechenbarkeit eine hohe Akzeptanz erarbeitet“, verdeutlichte der Kommandeur des EFB 3 Oberstleutnant Andreas Springer kürzlich im Verlaufe des Übergabeappells.

Diesem wohnte neben der militärischen Truppe des EFB 3 traditionell eine Vielzahl Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Militär bei. Den Rahmen nutzend, kritisierte Springer zugleich seinen Arbeitgeber auf scharfe Weise. „In unserer effizienzgesteigerten Armee ist es leider nicht mehr selbstverständlich, für einen militärischen Appell ein Musikkorps gewinnen zu können. Dem Slogan der Bundeswehr ,Aktiv - Attraktiv - Anders’ entspricht das jedoch nicht. Auf mich wirkt das ,Inaktiv - Unattraktiv - und ja, Anders’, da herzlos gegenüber der Truppe“, so Springer mit deutlichen Worten.

Zugleich dankte er dem Luftwaffenmusikkorps Erfurt für dessen  musikalische Begleitung des Appells. Ähnlich kritisch äußerte sich auch Czybik. Er bedauerte, dass an diesem, für die Truppe und ihn so wichtigen Tag, kein Vertreter der vorgesetzten Arbeitsebene anwesend war, da alle „leider verhindert sind“.

Um so erfreulicher war es für die anwesenden Gäste zu hören, mit welchem Witz und Ironie beide Offiziere und Czybiks Nachfolger Dobrindt ihre Reden ausschmückten. Für einen Übergabeappell wie diesen eine ungewohnte, aber äußerst erfrischende Situation. Neben der Vielzahl markanter Stationen, die Czybik in den vergangenen drei Jahren absolvierte, wobei er unter anderem den Tag der Bundeswehr 2018 in Holzdorf und die derzeitige Modernisierung des Bunkers hervorhob, betonte Springer immer wieder, den Standort erst in zehn Jahren verlassen zu wollen. Czybik hingegen, der künftig das Referat Politik im Verteidigungsministerium und damit die Zuständigkeit für NATO und EU übernehmen wird, möchte möglichst bald nach Holzdorf zurückkehren. Dann als Oberst und neuer Kommandeur des EFB 3. Gleichwohl er sich 1992, bei seiner ersten Verwendung am Standort, geschworen hatte, „hier niemals tot über dem Zaun hängen zu müssen“. Heute hingegen schätzt er den Standort und sein ziviles Umfeld überaus und dankte dem Dienstherren dafür, 2016 eine zweite Chance erhalten zu haben.

Mit Bedauern fügte er jedoch an, dass die aktuell laufende Modernisierung der Luftraumüberwachungsanlage Schönewalde nach Monaten noch immer nicht abgeschlossen ist. Technische Mängel lassen es nicht zu, den gesetzten Termin zu halten. Dennoch sei man auf einem guten Weg. Sowohl das Gefechtsführungssystem als auch das Kommunikationssystem des Bunkers seien für rund sieben Millionen Euro erneuert worden und nun für die Zukunft gerüstet. Mehr als sechs Jahre lang lief die vorherige Technik störungsfrei – rund um die Uhr. Der neue Standard sei nicht nur arbeitnehmerfreundlicher, sondern auch deutlich leistungsstärker und benötige erheblich weniger Strom.

Die Inbetriebnahme sowie der Dauerbetrieb unterliegt nunmehr der Aufgabe von Oberstleutnant Jens Dobrindt. Trotz anstehender Wochenendbeziehung, so der verheiratete Vater von drei Kindern, dessen Familie in Düsseldorf lebt, sehe er mit Freude auf die für ihn neue Aufgabe in Schönewalde und nehme die Herausforderung an. „Heute geht für mich ein Wunsch in Erfüllung, den ich schon als Wehrpflichtiger hatte“, sagte der neue Kommandeur der Einsatzgruppe stationär.