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| 09:00 Uhr

Schüleraustausch
Kofferpacken für ein Jahr

Pauline Eger macht sich in Uebigau startklar für das große Abenteuer. Sie wird ein Jahr in Australien zur Schule gehen.
Pauline Eger macht sich in Uebigau startklar für das große Abenteuer. Sie wird ein Jahr in Australien zur Schule gehen. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Pauline Eger auf dem Weg in die weite Welt: Donnerstag startet die 15-Jährige in ein Austauschjahr nach Australien. Je näher die Abreise rückt, desto mehr Aufregung macht sich bei ihr breit. Von Sylvia Kunze

Überall stehen Kisten herum. „Normalerweise sieht es in meinem Zimmer nicht so aus. Aber ich mache Platz für meine Gastschwester“, erklärt Pauline Eger das Durcheinander in ihrem Zimmer — das nur noch für wenige Tage ihr Zuhause ist. Sie tauscht es mit einem im Tausende Kilometer entfernten Australien. Dort wartet bereits ihre Gastfamilie in Queensland an der Ostküste des Landes auf sie. Donnerstagabend geht der Flieger. Von Düsseldorf bis nach Dubai, umsteigen und weiter nach Brisbaine. Je näher die Abreise rückt, desto mehr Aufregung macht sich bei der Jugendlichen aus Uebigau breit.

Aber Zweifel daran, ob sie den richtigen Weg einschlägt, hat die 15-Jährige nicht. Andere Austauschschüler, die sie unter anderem an ihrer Schule, dem Herzberger Gymnasium, kennenlernen durfte, haben es ihr vorgelebt und den Wunsch nur noch gestärkt, sich ebenfalls in so ein Abenteuer zu begeben. Außerdem: „Ich bin noch nicht viel gereist, möchte die Welt kennenlernen und in einem fremden Land zur Schule gehen. Ich bin überzeugt, das ist eine wahnsinnig große Erfahrung“, sagt Pauline.

Der Weg zum Herzberger Rotary-Club war sozusagen vorgezeichnet. „Wir wussten aus Berichten, dass man dort gut aufgehoben ist und haben deshalb gar nicht groß überlegt“, berichtet Mama Manja Eger.

Erst im Frühjahr traf die Benachrichtung in Uebigau ein, dass es sogar mit dem Wunschland geklappt hat und Pauline ein Jahr nach Australien darf. „Ich habe mich riesig gefreut“, verrät sie. Seit etwa zwei Monaten hat sie nun auch schon Kontakt mit ihren beiden zukünftigen Gastfamilien. Sie weiß, dass sie eine ländlich geprägte Region erwartet. 11 000 Einwohner in Queensland sind nur die halbe Wahrheit. Die andere: Nachbarn wohnen dort dennoch nicht gleich nebenan. Und auch die Fahrt zur Schule wird einige Zeit in Anspruch nehmen. „Aber das kenne ich schon. Jetzt bin ich von Uebigau bis Herzberg ja auch eine Stunde unterwegs“, vergleicht Pauline.

Bange vor dem Jahr ist ihr nicht. Sie schätzt sich selbst als „durchschnittlich selbstständig“ ein. „Ich werde dort sicher in vielen Situationen noch mehr auf mich allein gestellt sein, werde mich um noch mehr selbst kümmern müssen, werde auch neue Freunde finden müssen — aber das schaffe ich“, ist sie überzeugt.

Für ihre Mutter ist es ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass es  ihre Tochter derart stark in die Welt zieht. Sie hat sie gemeinsam mit ihrem Mann von Anfang an bei dem Vorhaben bestärkt. Und freut sich schon jetzt auf den „Ersatz“. Ein halbes Jahr lang wird ein brasilianisches Mädchen bei Egers wohnen, das zu einem Austauschjahr in den Herzberger Rotary-Club kommt. „Ich denke, sie hat in meiner Familie eine ganz tolle Zeit“, sagt Pauline und erinnert sich an die wenigen Tage mit der Austauschschülerin aus Frankreich. Was sie mit der alles unternommen haben! „Ich bin fest davon überzeugt, dass Mama und Papa auch der Brasilianerin sehr viel zeigen werden.“

Für sie macht Pauline nun in ihrem Zimmer Platz. Wenn sie sich nicht gerade von Freunden, Verwandten und Bekannten verabschiedet. Bei Egers herrscht in diesen Tagen ein ständiges Kommen und Gehen. Viele Menschen wollen Pauline ihre besten Wünsche mit auf die Reise geben. Die Freunde haben für sie ein Abschiedsbuch gebastelt. „Das muss unbedingt mit in den Koffer. Auch das Kuscheltier, das sie mir geschenkt haben und Bilder von meiner Familie und meinem Leben hier in Deutschland“, erzählt die Jugendliche. Das Packen selbst schiebt sie aber noch ein wenig vor sich her. So, als wenn sie das Endgültige dann doch noch etwas hinauszögern will.