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| 14:28 Uhr

Förderprogramm des Bundes
„Kita-Feuerwehr“ für den Notfall

Amt Schlieben. Mithilfe eines Bundesprogramms können Kindereinrichtungen im Schliebener Land unter anderem flexibler öffnen. „Das ist eine tolle Sache“, sind sich Verantwortliche einig. Von Sylvia Kunze

Seit zwei Jahren sind die Kindertagesstätten im Schliebener Land Teil eines bundesweiten Angebots unter dem Titel „KitaPlus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist“. Mit dem Programm fördert das Bundesfamilienministerium erweiterte Betreuungszeiten in Kitas, Horten und in der Kindertagespflege, um Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Im Schliebener Land hat man damit bisher grundsätzlich sehr gute Erfahrungen gesammelt. „Das ist eine richtig tolle Sache, und es wäre schön, wenn das Programm über die angekündigten drei Jahre hinaus laufen würde“, sind sich der Schliebener Amtsdirektor Andreas Polz und die Schliebener Sozialamtsleiterin Heike Hofmann einig.

KitaPlus ist insbesondere für jene Eltern ein Angebot, für die es ein besonderer Balanceakt ist, Beruf und Familie miteinander in Einklang zu bringen. Dies trifft ganz besonders auf Berufe zu, in denen Mütter und Väter im Schichtdienst oder sehr früh morgens, in den Abendstunden und an Wochenenden arbeiten. Fehlende verlässliche und bedarfsgerechte Angebote in Kindertageseinrichtungen, Horten und in der Kindertagespflege können Eltern, insbesondere Alleinerziehende, sogar daran hindern, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen.

Genau da setzt das Programm an: Teilnehmende Kitas, Horte und Kindertagespflegestellen sollen mit (finanzieller) Unterstützung des Bundesprogramms ihre Öffnungszeiten flexibler gestalten und bedarfsgerecht gestaltete Öffnungszeiten anbieten. Außerdem werden Kosten für Investitionen (wie die Ausstattung von Schlafräumen), Sachkosten und Ausgaben für Qualifizierungen gefördert. Zusätzliche Projektberater unterstützen die konzeptionelle Arbeit und begleiten während der Projektlaufzeit.

Noch bis Ende des Jahres kann man auch im Schliebener Land davon profitieren. „In enger Absprache mit den Eltern sind die Einrichtungen dann eben auch schon mal ab 6 Uhr morgens oder bis 17 Uhr abends geöffnet“, berichtet Polz. Aber er schätzt nach zweijähriger Laufzeit des Programms inzwischen auch ein: „Wir haben gelernt, dass zusätzlicher Betreuungsbedarf nicht grundsätzlich besteht und deshalb immer wieder neues, flexibles Reagieren in unseren Kindertagesstätten nötig ist.“

Er verstehe das Angebot als Entlastung, als „Feuerwehr für den Notfall“. Als solches habe es sich durchaus bewährt, denn: Eltern müssten arbeitsbedingt immer wieder mal ihre Kinder schon früh oder etwas später in die Einrichtung bringen bzw. von dort abholen, aber der Bedarf bestehe nicht durchgängig. Oftmals ließen sich dann doch im Sinne und zum Wohle der Kinder auch Lösungen in der Familie oder über in den Kitas geknüpfte interne Elternnetzwerke finden, hat die Praxis gezeigt.

Amtsleiterin Heike Hofmann sieht aber nicht nur die finanzielle Absicherung solcher „Feuerwehr-Einsätze“ als gute Rückendeckung für die Kindereinrichtungen, sondern sie lobt auch die Unterstützung im pädagogischen Bereich, wenn es zum Beispiel darum geht, wie man solche Frühaufsteher bzw. Spätabholer gut betreut. „Da haben wir zum Beispiel inzwischen über das Programm in allen unseren Kitas sogenannte Snoozelräume einrichten können, also Räume, in denen Kinder abseits des Kita-Alltags Ruhe finden können. Das ist das Beste, was wir für die Mädchen und Jungen machen konnten“, resümiert der Amtsdirektor, denn er weiß aus vielen Gesprächen mit den Erzieherinnen in den Kitas, dass diese Räume nicht nur früh und spät, sondern immer wieder auch mal tagsüber gern genutzt werden.

„Wir würden gern weitere drei Jahre dranhängen“, sagt Andreas Polz und argumentiert: „Kitaförderung ist in heutigen Zeiten des Fachkräftemangels eindeutig Wirtschaftsförderung. Wenn Eltern ihre Kinder gut untergebracht wissen, stehen sie eher und länger als Arbeitnehmer zur Verfügung.“