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| 17:10 Uhr

Herzberger Tafel
Keine Probleme mit Flüchtlingen

Hannelore Seidel, Hans-Otto Tischler und Margitta Pieper (v.l.) gehören zum festen "Tafelstamm" in Herzberg. Melanie Trage (r.) hilft aus, wenn Unterstützung gebraucht wird. Zum Team  zählen auch noch Ingrid Brons und Erna Griner.
Hannelore Seidel, Hans-Otto Tischler und Margitta Pieper (v.l.) gehören zum festen "Tafelstamm" in Herzberg. Melanie Trage (r.) hilft aus, wenn Unterstützung gebraucht wird. Zum Team zählen auch noch Ingrid Brons und Erna Griner. FOTO: Rudow / LR
Herzberg. 16 Prozent der Herzberger Tafel-Nutzer sind Ausländer. Die Helfer richten sich darauf ein. Von Birgit Rudow

Donnerstagnachmittag. Es ist Ausgabezeit bei der Tafel in der Herzberger Arbeitslosenserviceeinrichtung. Eine junge Mutti mit Kinderwagen kommt aus der Ausgabe. Sie verabschiedet sich freundlich. Es ist nicht zu übersehen, dass sie aus fremden Landen kommt. Im Flur sitzen Frauen und Männer und warten. Sie reden miteinander und lachen. Etwas abseits ein Mann ausländischer Herkunft. Auch er wartet. Allein. Aber alles ist ruhig und entspannt. Probleme wie bei der Essener Tafel, die derzeit Schlagzeilen machen, kennt man bei der Herzberger Tafel nicht. In der ersten Zeit 2015 und 2016 habe es manchmal Stress gegeben, erinnert sich Margitta Pieper, die schon lange zur ehrenamtlichen Stammbesetzung der Tafel zählt. Vor allem die Männer aus den Flüchtlingseinrichtungen hätten erst lernen müssen, Frauen zu akzeptieren. Aber jetzt sei das kein Problem mehr, sagt sie.

Hans-Otto Tischler, seit etwa zwei Jahren Chef der Herzberger Tafel, pflichtet ihr bei. Es sei aber nicht von Nachteil, wenn er als Mann durch die Flure geht, sagt er. „Man kennt sich. Zumeist kommen ja immer die gleichen Leute, auch aus den Flüchtlingsfamilien. Sie wissen schon genau, wer hier was zu sagen hat“, meint er. Was ihm allerdings sehr gefällt, ist der Respekt, den die Flüchtlinge vor dem Alter haben. „Den älteren Helfern bei der Tafel gegenüber sind sie freundlicher als mancher Deutsche“, sagt Tischler.

Über die Kollegen der Essener Tafel möchte er nicht urteilen. Dazu müsse man schon genauer wissen, was da vorgefallen ist, so der 64-Jährige. Aber er könne sich vorstellen, dass es auch eine andere Lösung gegeben hätte, als die Flüchtlinge zeitweilig von der Versorgung auszuschließen. Er wisse von  einer Tafel in Brandenburg, die zeitweise unterschiedliche Ausgabezeiten für deutsche Bedürftige und für Flüchtlinge eingerichtet hatte.

650 Beutel mit Lebensmitteln verteilt die Herzberger Tafel derzeit wöchentlich in ihren Ausgabestellen in Herzberg, Schönewalde, Schlieben, Uebigau-Wahrenbrück und Falkenberg. 16 Prozent davon, so rechnet Hans-Otto Tischler aus, holen sich ausländische Familien, zumeist Flüchtlinge und Russlanddeutsche. Das berücksichtigen die Helfer bereits, wenn sie die Beutel zusammenpacken. „Grundsätzlich kann jeder sagen, was er möchte, oder was seine Familie nicht so gern isst. Bei den Flüchtlingen beachten wir natürlich auch die religiösen Hintergründe und packen zum Beispiel Fleischprodukte gar nicht erst ein. Dafür essen sie gern Auberginen, die unsere deutschen Tafel-Kunden nicht so mögen“, sagt er.

Die Tafel des Arbeitslosenverbandes in Herzberg ist gut aufgestellt. Die Koordination auch zwischen den einzelnen Ausgabestellen obliegt der erfahrenen Birgit Fritzsche. Unterstützung bekommt die Einrichtung von vielen Seiten. Für dieses Jahr hoffen die Herzberger auf ein neues Fahrzeug. Die vorhandenen Autos haben schon 350 000 Kilometer runter, erzählt Tischler. Dabei achten die Verantwortlichen darauf, die Wege so gut wie möglich zu koordinieren. Weite Fahrten nach Dresden, Hamburg oder Nürnberg fahren sie nicht mehr. „Wir holen die Waren zumeist von den großen Einkaufsmärkten in der Region“, sagt der Tafel-Chef.  

Jetzt zwischen Weihnachten und Ostern seien die Angebote in den Märkten für die Tafeln nicht sehr groß. Aber er wolle nicht klagen, so Tischler. Erfahrungsgemäß gehe es nach Ostern rasant bergauf. „Wir versuchen immer, mit dem Sortiment breit aufgestellt zu sein. Vom Brot über Obst und Gemüse bis zu Süßigkeiten. Wir sind aber keine Grundversorger“, betont er. Ab April soll auch wieder der Tafelgarten in Herzberg bewirtschaftet werden, der vor allem Gemüse und Erdbeeren für die Bedürftigen liefert.

3 Euro müssen sie für einen Beutel abgeben. Die Zahl derer, die zur Herzberger Tafel kommen, hat im Jahr 2017 gegenüber 2016 um etwa zehn Prozent abgenommen. Vor allem bei den Leuten mittleren Alters würde sich die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen, so Tischler. Etwa 25 Prozent der Bedürftigen sind Kinder. Nur fünf Prozent sind Rentner. „Die sind es gewohnt, mit wenig Geld auszukommen, trauen sich nicht zu uns oder sie sind zu stolz“, sagt der Tafel-Chef.  Er möchte ihnen Mut machen, die Unterstützung anzunehmen. Denn er wisse, dass es eigentlich noch viel mehr Ältere in der Region Herzberg gibt, die hilfebedürftig sind, sagt  Hans-Otto Tischler.