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| 02:37 Uhr

"Keine Gegner von Kitas oder Jugendämtern"

Gruppenfoto mit der Landesvorsitzenden Ingrid Pliske-Winter (Mitte), Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben (r.) und Bürgermeister Michael Oecknigk (2.v.r.).
Gruppenfoto mit der Landesvorsitzenden Ingrid Pliske-Winter (Mitte), Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben (r.) und Bürgermeister Michael Oecknigk (2.v.r.). FOTO: Rico Meißner/rmr1
Osteroda. Der vor einem Jahr neu gegründete Landesverband für Kindertagespflege Brandenburg e.V. hat sich für seinen ersten Neujahresempfang am vergangenen Samstag bewusst für einen ländlichen Standort entschieden. Um, wie die Landesvorsitzende Ingrid Pliske-Winter in ihrer Rede sagte, "auch den Tagesmüttern – und Vätern in ländlichen Räumen zu signalisieren, dass wir uns um ihre Belange kümmern." Rico Meißner / rmr1

Der Verband für Kindertagespflege hat sich die Umsetzung der gesetzlichen Gleichrangigkeit der Kinderbetreuung in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege als Ziel gesetzt. Gleichwohl unterstrich Pliske-Winter, dass der Verband "weder Gegner der Jugendämter noch Gegner der Kitas" sei. Beide Formen seien Bestandteil eines gemeinsamen Systems für gute Kinderbetreuung, allerdings müsse die Kooperation auf Augenhöhe erfolgen.

Sowohl die Landesvorsitzende, als auch Herzbergs Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU) und Ingo Senftleben, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag, verwiesen darauf, wie wichtig es sei, die Arbeit der Tagesmütter mehr zu würdigen und dafür zu sorgen, dass deren geleistete Arbeit viel mehr öffentlich wahrgenommen werde. Eine andere Erschwernis bei der Kindertagespflege sei die nach wie vor schlechte Bezahlung und landesweit uneinheitliche Vorgaben, so Pliske-Winter weiter.

Ingo Senftleben lobte die Gründung des Verbandes, da dies nun eine "geschlossene Interessenvertretung" ermögliche. Denn "Tagesmütter bieten zwar ein gleichwertiges Angebot, werden aber nicht gleichwertig angesehen." Ein Beispiel dafür sei die unterschiedliche finanzielle Ausstattung.

In Brandenburg arbeiten gegenwärtig mehr als eintausend Tagesmütter, im Landkreis Elbe-Elster sind es derzeit 21, wie den Ausführungen von Angela Müller, Praxisberaterin Kita und Kindertagespflege des Landkreises, zu entnehmen war. Der Großteil betreue im Schnitt fünf Kinder. Ein Manko gäbe es aber in Elbe-Elster hinsichtlich der Randbetreuungszeiten, also beispielsweise am Wochenende oder nach Schließung der Kita. Dies wäre aber gerade etwa für Alleinerziehende wichtig.

Auch die Zahl der flexiblen Tagesmütter sei leicht zurückgegangen. Ein Grund liege vermutlich in der niedrigen Bezahlung. Wenn sich aber dennoch auch viele Interessierte beraten ließen, "könnten etliche leider teilweise die notwendigen Rahmenbedingungen nicht leisten", so Müller. Andere wiederum seien weggezogen, beispielsweise nach Sachsen, um etwa als ausgebildete Erzieherin in einer Kita zu besseren Konditionen arbeiten zu können.

Die Konzentration der Tagesmütter im Landkreis liege eindeutig in den Städten, beispielsweise Finsterwalde und Elsterwerda. In ländlicheren Regionen seien Tagesmütter dünn gesät. Distanzen und Fahrkosten sowie kaum finanzielle Anreize wären vermutlich mitverantwortlich dafür. Auch wenn der Landkreis insgesamt gut aufgestellt sei, würde sich Angela Müller doch über ein höheres Angebot an Tagesmüttern freuen. Dies wäre gerade auch im Hinblick auf die Betreuung von Flüchtlingskindern wünschenswert.