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Freund Adebar im Sinkflug
Kein gutes Jahr für die Weißstörche

Aus 20 besetzten Storchenhorsten flogen nur 44 Jungstörche aus. Durch das Anlegen von neuen Flachgewässern sollen die Adebare wieder mehr Nahrung finden. Dieter Lehmann

2017 war erneut kein gutes Jahr für die Weißstörche. Das zeigt die jetzt erstellte Bilanz für den Altkreis Herzberg. Sabine Lehmann, Mitglied des Falkenberger Naturschutzvereins „Elsteraue“, betreut seit 2015 ehrenamtlich und sehr engagiert die Weißstörche in der Region um Herzberg. Im Brutjahr 2017 flogen aus 20 besetzten Horsten nur noch 44 Jungstörche aus. Das waren sechs weniger als 2016 und sogar 14 weniger als 2015. Wenn man bedenkt, dass 2004 aus 31 besetzten Horsten schon einmal 90 Jungstörche ins Leben hinausflogen, so sollte nach den Ursachen des offensichtlichen Rückgangs der Weißstorch-Bestände gefragt werden.

Zunächst verlief die Rückkehr der Störche aus ihren Winterquartieren weitgehend normal. Schon am 25. Februar wurde der erste Storch in Schlieben gesichtet. Im März und April besetzten weitere Brutpaare ihre angestammten Horste. Doch ein Teil der Störche kam zu spät. Auf dem Horst in der Falkenberger Querstraße landete erst am 7. Mai ein einzelner Storch. Später gesellte sich zwar ein zweiter hinzu, doch trotz lautem Geklapper und Liebesmüh war es für eine Brut zu spät. Denn wenn die Adebare bis Mitte Mai nicht brüten, haben sie keine Chance mehr, ihre Jungen großzuziehen.

Der stetige Rückgang unserer Weißstorchbestände hat eindeutige Ursachen: Die Störche finden immer weniger zu fressen. Es ist ein Nahrungsproblem und das wiederum ist ein Landwirtschaftsproblem. Die Vielfalt der landwirtschaftlichen Nutzung ist nicht mehr so, wie sie es früher einmal war. Es gibt zu viele großflächige Monokulturen. Zahlreiche Feuchtgebiete – mit Fröschen, Regenwürmern und Insekten – sind vielerorts verschwunden. Um dies wenigsten örtlich auszugleichen, hat der Falkenberger Naturschutzverein in den Kiebitzer Bruchwiesen mit tatkräftiger Unterstützung der Agrargenossenschaft Beyern ein neues Flachgewässer angelegt. Dort quakten bereits nach kurzer Zeit die ersten Wasserfrösche, und die unterschiedlichsten Vogelarten nutzten das neue Nahrungshabitat.

Auch in diesem Jahr gab es mit den Störchen wieder eine Kuriosität. War es im Vorjahr der „Rüpel-Storch“ in Arnsnesta, der mit seinem Verhalten ein „Pressestar“ wurde, so war es diesmal ein Altstorch in Herzberg, der sich eigenartig zutraulich verhielt. Er hatte den hohen Schornsteinhorst am Landratsamt als Alleinherrscher besetzt und spazierte tagsüber durch Straßen und auf Bürgersteigen. Durch nichts ließ er sich stören und erreichte so eine gewisse Beliebtheit bei den Menschen.

Eine sich anbahnende Tragödie am Horst in Brandis endete glimpflich. Das Storchenpaar hatte schon zeitig mit der Brut begonnen. Doch am 28. Mai wurden die einige Tage zuvor geschlüpften zwei Jungstörche aus dem Horst geworfen. Warum konnte Sabine Lehmann nicht ermitteln. Die Tiere blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Sie wurden zur Aufzuchtstation der Familie Heindel nach Reddern gebracht. Von dort sind beide inzwischen ausgewachsene Störche am 17. August davon geflogen.