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| 18:17 Uhr

Junge Leute zur Mitbestimmung bewegen
Jugend (mit) an die Macht

 Katharina Schwarz möchte Jugendliche in Herzberg für Mitbestimmung, Demokratie und Europa gewinnen.
Katharina Schwarz möchte Jugendliche in Herzberg für Mitbestimmung, Demokratie und Europa gewinnen. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Katharina Schwarz kehrt nach Herzberg zurück und will es sich zur Aufgabe machen, Jugendliche für Politik und Demokratie zu begeistern. Von Birgit Rudow

In ein paar Monaten wird Katharina Schwarz „nach Hause“ zurückkehren. Zurück zu Natur und Ruhe, sagt sie. Zehn Jahre hat die gebürtige Herzbergerin in der Großstadt verbracht, hat in Chemnitz Politikwissenschaften, Soziologie und Psychologie studiert und arbeitet seit eineinhalb Jahren bei der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa in Berlin. Die Stiftung will jungen Menschen den europäischen Zusammenhalt näher bringen und sie aktivieren, aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen. Das Leben in großen Städten habe ihr gut getan, aber sie vermisse die familiäre Atmosphäre im ländlichen Raum, sagt Katharina Schwarz. Deshalb bauen sie und ihr Lebensgefährte ein Haus in Rahnisdorf und werden in den Herzberger Ortsteil ziehen. Bis die 29-Jährige eine adäquate Arbeit in der Region gefunden hat, wird  sie nach Berlin pendeln. Aber das, so sagt sie, sei nicht so schlimm.

Viel über Jugendbeteiligung diskutiert

Das Großstadtleben wird sie zumindest im Privaten hinter sich lassen, was sie garantiert nicht in Berlin zurück lässt, ist ihr Einsatz für demokratische Mitbestimmung vor allem bei jungen Leuten. Das Interesse an der Politik und der Drang mitzumischen, war bei Katharina Schwarz schon früh ausgeprägt. Die 10. Klasse hat sie am Herzberger Gymnasium abgeschlossen und hat dann in Falkenberg am Oberstufenzentrum ihr Abitur gemacht. Dort war sie Schülersprecherin. „Schon damals gab es nur wenige junge Leute, die sich für Demokratie eingesetzt haben“, erinnert sie sich. Heute sei das nicht viel anders. Sie möchte deshalb in ehrenamtlicher Arbeit ihre Kraft dafür einsetzen, junge Leute in Herzberg noch mehr für eine aktive Mitbestimmung und für den europäischen Gedanken zu begeistern.

Grundlagen seien dafür durchaus vorhanden, sagt sie. In den Gremien der Stadtverordnetenversammlung ist in den vergangenen Wochen und Monaten viel über die Form der Jugendbeteiligung diskutiert worden. Daran haben sich auch Kinder und Jugendliche aus den Herzberger Schulen beteiligt. Die Erwachsenen mussten schnell einsehen, dass sich zum Beispiel ein Jugendparlament nicht einfach verordnen lässt. Erstmal gilt es herauszufinden, was die Jugendlichen bewegt, wie sie sich das Leben in der Stadt vorstellen und wie man ihnen Möglichkeiten zum Mitgestalten vermittelt.

Mädchenflohmarkt bei Kaffee und Musik

An diesen Punkten möchte Katharina Schwarz ansetzen. „Beteiligung setzt voraus, dass man auf die jungen Leute zugeht und dass man versucht, politische Bildung von verschiedenen Seiten anzugehen. Wichtig ist, den Jugendlichen mitzugeben, was sie bewirken können, zum Beispiel durch ihr Wahlrecht bei Kommunalwahlen ab 16 Jahren“, sagt sie.

Katharina Schwarz hat bereits Kontakt zur Stadt und zu der engagierten Lehrerin Ines Jacobi aus der Johannes-Clajus-Schule aufgenommen. Bis zu den Sommerferien möchte sie in den anderen Schulen vorbei schauen. Auch Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen hat sie im Blick. Sie kann sich vorstellen, Workshops und Kurse zur Jugendbeteiligung und zu Europa zu organisieren. Das muss durchaus nicht immer im Klassenzimmer stattfinden. „Es kann auch ein Mädchenflohmarkt bei Kaffee, Kuchen und Musik sein. Wichtig ist aber auch der politische Gedanke“, sagt sie.

Gut vernetzt und viele Ideen

Katharina Schwarz ist gut vernetzt, bietet Ideen und fachliche Expertise. Sie könnte die Stiftung und mit ihr kooperierende Einrichtungen mit einbeziehen. Sie denkt an das Free Interrail Ticket der EU, um Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, andere Kulturen kennenzulernen. Aber sie weiß auch, dass sie einen langen Atem braucht und dass sie nur einen Bruchteil der Jugendlichen erreichen wird. „Wir müssen erstmal die jungen Leute finden, die Bock darauf haben, mitzumachen und die dann auf andere Altersgenossen zugehen. Mit diesen Leuten muss man arbeiten. Vielleicht können wir eine Art Steuergruppe aufbauen“, sagt sie.

Die 29-Jährige weiß, dass es auch und vor allem im ländlichen Raum eine EU-Skepsis und einen Vertrauensverlust in die Demokratie gibt. Sie möchte helfen, dagegen an zu steuern und die Jugendlichen aus eigener Erfahrung heraus davon zu überzeugen, dass Mitwirken auch etwas bringt.

„Wir freuen uns über das Engagement von Katharina Schwarz und  werden verfolgen, wie die Jugendlichen reagieren. Unsere Unterstützung hat sie“, sagt Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz, der natürlich weiß, dass auch die Stadt in Sachen Jugendarbeit noch einiges leisten muss. Die Jugendkoordinatorenstelle ist nicht besetzt und vor allem fehlt es den Jugendlichen an einem Domizil, mit dem alle leben können.