Einst gab es in Kolochau nur eine Schänke, die mit dem Gärtnergut verbunden war und mitten im Dorf stand. Doch nach einem großen Brand im Jahre 1838 wurde diese nicht wieder aufgebaut. Man erkannte den besseren Standort an der Straße und baute dort neu. Heimatforscher Fritz Stoy hat dies aufgeschrieben. Er konnte die Geschichte des ersten Wirtshauses bis zum Jahr 1731 zurückverfolgen. Als nach der Wende die "Interessengemeinschaft Dorfschule" gegründet wurde, wurden über eine ABM alle Kolochauer Höfe dokumentiert: auch die Geschichte von Hollmigs Schenke. Erste Besitzer waren Adolf Tauscher, Otto Proschke, August Breil, Herrmann Ritterbusch, Wilhelm Rost, Ernst Heidemüller und Mitte der 20er-Jahre dann Albert Hollmig, da er 1923 die Tochter des Wirtes, Martha Heidemüller heiratete. Beider Sohn Ernst Hollmig heiratete Hanna Bärtich, die bis kurz vor der Wende das Geschäft betrieb.

Martina Heide arbeitete über 25 Jahre in der Küche. Die Kolochauerin erinnert sich: "Das waren noch Zeiten, als die vielen Busse auf dem Weg von Leipzig nach Berlin oder in den Spreewald bei uns Halt machten. Früh und abends haben wir Platten für jeden Gast vorbereitet. Die Arbeit war kaum zu schaffen. Manchmal kamen bis zu vier Busse. Hanna war nicht nur Chefin, sondern oft Mutter für mich." Sie erinnert sich auch an viele Brigadeversammlungen, Hochzeiten, Jugendweihen, Tanz- und Discoveranstaltungen und den Tag der Zivilverteidigung, der vom Kreis immer ganz groß in Kolochau gefeiert wurde. Die normale Lieferung vom Konsum habe nie gereicht. Hanna Hollmig habe immer dafür gesorgt, dass etwas Besonderes auf dem Teller lag. "Es war schon bemerkenswert, auf welch charmante Weise sie die zusätzlichen Lebensmittel erwarb", weiß Martina Heide. Nebenher wurde der große Garten bewirtschaftet, um Gurken, Bohnen, Tomaten anzubauen. "Der Stengel Petersilie musste immer dabei sein. Und Ketchup benötigten wir für die Bratwurst", blickt die Köchin zurück.

Ihr Mann Helmut weiß genau, wie man einst im Vereinszimmer oder als Stammspieler sogar im Bierkeller Karten gespielt hat. "Als Bürgermeister war ich damals dafür zuständig, dass die Öffnungszeiten und Ruhetage eingehalten wurden und später auch der Urlaub mit der Nachbargaststätte ,Zur Stadt Herzberg' abgesprochen wurde." Heides feierten ihre Silberhochzeit bei Hollmigs und auch die Jugendweihen ihrer Söhne. "Es ist schon traurig zuzusehen, wie solch ein florierendes Geschäft den Bach runtergeht", meint das Ehepaar.

Martina Heide erlebte in ihrer Angestelltenzeit fünf Kneiper: "Bis kurz vor der Wende bewirtschaftete Hanna Hollmig das Geschäft, danach die Familien Hapke, Pauland und Rosner, die den Saal zur Diskothek umgestaltete." Nach deren Pleite versuchte sich ein Italiener mit einer Pizzeria - da entstand vor dem Haus sogar ein Sommergarten. Der letzte Betreiber ging 1997, seitdem steht das Gebäude leer. Jede Menge Pächter, die es jedoch nie lange aushielten. 2015 hat es die Gemeinde erworben.

So kurz vor dem Abriss schwelgen viele Kolochauer in Erinnerungen. So auch Lutz-Peter Müller. Er erzählt gern von den Sportevents, die gemeinsam mit der Gemeinde Malitschkendorf Ende der 80er im Saal stattfanden. Seine Frau Edelgard, die bis 1971 als Lehrerin in der Kolochauer Schule arbeitete, berichtet von den Turnstunden im großen Saal. Aber auch der Männergesangverein hat dort geprobt, es gab Veranstaltungen vom Kleingarten- und Turnverein und viele mehr. Vor Ort gab es sogar eine Kegelbahn, die von draußen in den Saal verlegt wurde.

Und dann waren die Karnevalveranstaltungen, für die der Saal wie geschaffen war. Als sich Anfang der 80er die Kolochauer Jecken aus einem Männerabend heraus gründeten, gab es 1983 bei Hollmigs die erste Veranstaltung. "Über der Theke befand sich eine Empore, die wir als Umkleide nutzten. Die Idee, dort eine Rutsche anzubauen, um gleich mitten im Saal zu stehen, kam bestens an", blickt Lutz-Peter Müller zurück. Fotos in seinem Album zeigen, dass die Redner so ihren spaßigen Auftritt starteten. Dazu gehörte auch Anneliese, die damals als Baby in der Wiege lag und das Lied der neuen deutschen Welle "Da da da" sang. Die weiteren Veranstaltungen folgten immer im Wechsel mit der Gaststätte Troitzsch.