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Arbeit mit Handicap
Junger Herzberger findet endlich Arbeit

Harald Heinze aus Herzberg
Harald Heinze aus Herzberg FOTO: privat
Elbe-Elster. Wie andere qualifizierte Menschen mit Behinderung hat Harald Heinze eine lange Durststrecke überstehen müssen. Von Manfred Feller

Mit dem allgemeinen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Landkreis Elbe-Elster ist auch die Anzahl der beschäftigungslosen behinderten Menschen gesunken. „Im Monat November waren 193 arbeitslose schwerbehinderte Menschen gemeldet. Das sind 50 weniger als im Vorjahresmonat“, sagt Jean-Marie Ulrich, Teamleiter Arbeitgeberservice bei der Agentur für Arbeit in Herzberg.

Die Vermittler bleiben an dieser Personengruppe dran und haben während der nun zurückliegenden „Woche der Menschen mit Behinderung“ ihre Anstrengungen forciert. So sind neben anderen Aktivitäten an 350 Arbeitgeber im gesamten Agenturbezirk Cottbus 80 Bewerberprofile geschickt worden.

Unter den vielen, die endlich aus der Arbeitslosenstatistik gestrichen werden konnten, ist einer besonders froh: Harald Heinze aus Herzberg. Der 25-jährige hatte am Freitag seinen ersten Arbeitstag bei einer Firma in Dresden. Dort programmiert er Web-Seiten für das Internet. „Dabei bin ich gefordert und habe super Kollegen“, freut er sich riesig. Der Arbeitsvertrag ist unbefristet, beinhaltet jedoch eine sechsmonatige Probezeit.

In Elbe-Elster hat Harald Heinze keinen Job gefunden. Sein Handicap: Er leidet unter einer halbseitigen Lähmung. Im Wesentlichen betroffen sei jedoch vornehmlich die Beweglichkeit der Finger der linken Hand.

Der 25-jährige Computerfreak hat auf dem Weg zur Berufstätigkeit eine lange Durststrecke durchmachen müssen. Nach dem Abschluss der 10. Klasse am Gymnasium in Herzberg wurde er in einem Betrieb für Menschen mit Behinderung in Dresden zum Fachinformatiker ausgebildet. 2013 war er fertig.

„Dann habe ich viele Bewerbungen geschrieben und Vorstellungsgespräche gehabt. Es hat leider nichts geklappt“, bedauert er. Weil in der Branche in Elbe-Elster nach seiner Erfahrung kaum Leute gesucht werden, konzentrierte er sich auf den nahen Raum Dresden. Auch dort nichts. Um fachlich nicht zurückzubleiben, hielt er sich im Selbststudium fit. Auch die Vermittlungsvorschläge der Arbeitsagentur, die sich sehr bemüht habe, führten nicht zum Erfolg.

Harald Heinze nimmt an, dass seine Behinderung ein ums andere Mal für die Absagen ausschlaggebend war. „Vordergründig habe ich das in den Gesprächen aber nie gespürt“, sagt er. Bei der jetzigen Firma spiele sein Handicap keine Rolle. Hauptsache die Leistung stimmt.

Die Wende für ihn kam Ende 2016. Die Arbeitsagentur bot ihm eine Weiterbildung zum Web-Entwickler an. Diese dauerte ein halbes Jahr. „Das hat mir viel gebracht“, blickt er zurück. Erneut hatte er einige Vorstellungsgespräche. Dann klappte es endlich. Harald Heinze hat es geschafft. Und der Verdienst? „Für den Anfang reicht es“, ist er zufrieden. Wegen der „schrecklichen Bahnverbindung“ nach Dresden, wie er sagt, möchte er schnell dorthin ziehen, obwohl er auch gern in Elbe-Elster geblieben wäre. Doch Fahrzeiten zwischen einer Stunde und 40 Minuten, wenn auf der Bahnstrecke gebaut wird sogar bis zu zweieinhalb Stunden, sind eindeutig zu lang.

Dankbar ist der 25-Jährige seiner Mutter, die ihn während der beruflichen Durststrecke unterstützt hat. Von den Personalchefs in den Firmen wünscht er sich im Namen so vieler Berufsanfänger mehr Vertrauen: „Probearbeiten ist wichtig. Wir möchten zeigen, was wir können.“ Leider werde zu sehr auf den Lebenslauf gesehen, wo bei jungen Leuten natürlich die gewünschte Berufserfahrung fehlt.

Unterdessen gehen, nicht nur mit Blick auf den 3. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, die Bemühungen auch der Arbeitsagentur und des Jobcenters in Elbe-Elster weiter. „Es gibt in jeder Geschäftsstelle spezialisierte Kolleginnen und Kollegen, die sich um die Anliegen und die Vermittlung von behinderten Menschen kümmern. Zudem haben wir im Arbeitgeberservice eine spezialisierte Kollegin, die die Arbeitgeber in Elbe-Elster in diesen Fragen berät“, erläutert Jean-Marie Ulrich.

Doch damit nicht genug. Für die Behinderten gibt es besondere Leistungen, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Anspruch nehmen können. Dies kann beispielsweise ein Ausbildungszuschuss oder das Arbeitsentgelt für bis zu drei Monate sein sowie Hilfe beim barrierefreien Gestalten des Arbeitsplatzes.