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| 02:41 Uhr

Jörg Reibig tritt aus der CDU aus

Dr. Jörg Reibig ist jetzt parteilos.
Dr. Jörg Reibig ist jetzt parteilos. FOTO: privat
Falkenberg. Dr. Jörg Reibig, Stadtverordnetenvorsteher in Falkenberg, hat sein Parteibuch hingeschmissen und den Austritt aus der CDU erklärt. Politik will er auch weiterhin machen: künftig aber als Parteiloser. Sylvia Kunze

"Im Oktober vergangenes Jahres war ich 40 Jahre ununterbrochen in der Kommunalpolitik aktiv. 35 Jahre war ich in der CDU", blickt Dr. Jörg Reibig zurück. Den Entschluss, aus der Partei auszutreten, habe er sich reiflich überlegt, sagt der Ex-Christdemokrat und bemüht das Bild eines Fasses, das sich füllt und füllt und überquillt. Genau das sei passiert, bekräftigt er, dass es eine Vielzahl von Momenten gegeben habe, die dazu beitrugen, dass er nicht mehr der CDU angehören will. Querelen in der Landespolitik hätten ihn geärgert, sagt er.

Veränderte Beschlussvorlage

Aber das Fass zum Überlaufen gebracht hätten Vorgänge im Ortsverband im Zusammenhang mit dem Benennen von städtischen Vertretern in den neu zu bildenden Gremien in der Kurstadtregion. Noch zur Sitzung des Hauptausschusses stand sein Name auf dem Beschlussvorschlag für den Kooperationsrat. In der kurzen Spanne bis zur Stadtverordnetenversammlung hatte die CDU-/FDP-Fraktion diesen aber gegen den von Tilo Koch (kommunalpolitischer Nachwuchs und nach einer Pause seit dieser Wahlperiode wieder Abgeordneter) ausgetauscht.

Reibig, dienstlich eingespannt, konnte an der außerordentlichen Fraktionssitzung, in der dafür die Weichen gestellt wurden, nicht teilnehmen und fühlt sich "düpiert", sieht dahinter einen "Affront" gegen sich und ein unfaires Verhalten gegenüber den anderen Fraktionen. Der 59-Jährige hat das mit dem Austritt aus der Partei quittiert.

Ein Schritt, der bei der Masse der Falkenberger Abgeordneten für Kopfschütteln sorgt. "Das kam überraschend. Ich finde es schade, wie er sich entschieden hat", reagiert CDU-/FDP-Fraktionsvorsitzender Martin Winzer, seit dieser Legislaturperiode neu auf dem kommunalpolitischen Parkett, und schiebt gleich noch nach: "Ich halte die Tür weiter auf."

Enttäuschter Abgeordneter

Inwieweit Reibig auf das Angebot eingeht, bleibt abzuwarten. Enttäuschung hat sich bei ihm breitgemacht. Immerhin hat er bei der zurückliegenden Kommunalwahl für die Falkenberger CDU mit Abstand die meisten Stimmen gesammelt - und nun lasse man ihn einfach so ziehen. Gespräche habe es gegeben, beteuert Martin Winzer. Der CDU-Ortsverbands-chef Eckhard Höse bleibt kurz angebunden. Er spricht davon, dass es "bedauerlich" sei, "aber letztlich hat er seine Entscheidung getroffen".

Zur Sacharbeit zurückfinden

Ein Schritt, zu dem der in Beyern wohnende 59-Jährige fest steht. Ebenso wenig bereue er, die Jugend in die Partei geholt zu haben, auch wenn die ihm "jetzt vors Schienbein" getreten habe.

Um die Neutralität seines Amtes als Stadtverordnetenvorsteher zu wahren, wolle er künftig erst einmal lieber parteilos arbeiten und auf kommunalpolitischer Ebene zur "Sacharbeit zurückfinden", die aus seiner Sicht immer mehr von Parteiinteressen überlagert werde. Das sei er seinen Wählern schuldig.

Bürgermeister: Kein Parteienstreit

In Sachen Parteienstreit setzt Bürgermeister Herold Quick (parteilos) dagegen: "Das sehe ich nicht so. Die Sitzungen der Abgeordneten sind sachlich und zielorientiert und im Ergebnis mit Weitblick für die Stadt. Natürlich will sich ein Wahlsieger nach der Wahl positionieren. Das ist normal. Aber danach ging die Sacharbeit bisher immer weiter." Ansonsten bedauere er, dass Reibig, ein "führender Kopf der CDU-Fraktion", diesen Entschluss gefasst habe. Ändern würde sich für ihn aber nichts, "denn jeder Abgeordnete ist für mich gleich".

Ob sich aus dem Parteiaustritt weitere Veränderungen im Stadtparlament ergeben, bleibt abzuwarten. Parteiübergreifender Tenor bisher ist, dass man keinen Handlungsbedarf sehe.

Kommentar: Wenn man sich treu bleiben will