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| 02:42 Uhr

Jobcenter holt 5,5 Millionen Euro in den Landkreis

Diese Aktenberge gehören im Jobcenter Elbe-Elster, hier im Archiv in Finsterwalde, der Vergangenheit an. Geschäftsführerin Eike Belle: "Das Papier wird abgelöst durch die elektronische Akte."
Diese Aktenberge gehören im Jobcenter Elbe-Elster, hier im Archiv in Finsterwalde, der Vergangenheit an. Geschäftsführerin Eike Belle: "Das Papier wird abgelöst durch die elektronische Akte." FOTO: Gabi Böttcher
Mit der Einführung der elektronischen Akte hat das Jobcenter Elbe-Elster im vorigen Jahr Neuland betreten. Außerdem waren Bewerbungen für zwei Bundesförderprogramme erfolgreich. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Eike Belle, Geschäftsführerin des Jobcenters Elbe-Elster.

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit haben Sie im Jobcenter Elbe-Elster im vorigen Jahr mit der Einführung der elektronischen Akte Neuland erobert. Wie funktioniert es?
Als eines von sechs Jobcentern bundesweit haben wir damit begonnen, alle neuen Akten und Dokumente zu digitalisieren und computerlesbar zu speichern. Die klassischen Aktenberge gehören damit bald der Vergangenheit an. Unsere Befürchtung, dass sich die Bearbeitungszeiten durch die Umstellung zunächst verlängern könnten, haben sich nicht bestätigt. Das war durch eine gute Vorbereitung und die Unterstützung der Mitarbeiter untereinander möglich. Ich denke, dass unsere Kunden von der Umstellung nichts gemerkt haben.

Wo sehen Sie die Vorteile der elektronischen Akte?
Der Zugriff ist von allen Geschäftsstellen des Jobcenters möglich. Das erleichtert die Arbeit, wenn Mitarbeiter durch andere vertreten werden. Der schnelle Transport und die Verfügbarkeit der Daten, die Einsparung von Papier und Lagerraum für die Akten kommen hinzu. Es ist eben moderne Verwaltung. Sie hat einen ökologischen und sogar einen psychologischen Effekt.

Wie das?
Die Mitarbeiter sehen nicht mehr einen Berg von Akten aufgetürmt, der die Motivation eher hemmt.

Wie muss man sich die Größenordnung der digitalen Erfassung vorstellen?
Mehr als 30 000 Seiten im Monat.

Das ist nicht das einzige Neuland, das zu beackern ist. Wie stellen Sie sich der Integration von Flüchtlingen?
Derzeit werden etwa 150 Flüchtlinge von uns betreut, viele von ihnen in den Deutschkursen. Seit September vorigen Jahres beschäftigen wird uns intensiv mit dem Thema. Die deutsche Sprache bleibt die Hauptvoraussetzung für weitere Schritte. Wir haben einen Runden Tisch mit dem Landkreis, der Agentur für Arbeit sowie den anderen Akteuren am Arbeitsmarkt, an dem wir uns abstimmen.

Gibt es schon Beispiele in Elbe-Elster, dass Flüchtlinge einen Job haben?
Ein anerkannter Dolmetscher ist bei der Agentur für Arbeit angestellt. Die Integration in den Arbeitsmarkt ist keine Aufgabe, die von heute auf morgen zu lösen ist. Es gibt aber viele Instrumente, die wir nutzen können.

Wie funktioniert die Anerkennung von im jeweiligen Heimatland erworbenen Abschlüssen?
Das ist ein sehr langwieriges Verfahren. Es ist schwierig, Abschlüsse in anderen Ländern mit den hiesigen Anforderungen abzugleichen. Meine Empfehlung an junge Flüchtlinge ist, hier eine Ausbildung zu machen, den Arbeitsmarkt zu stärken. Ausbildungsstellen haben wir genug. Auch die Bereitschaft der Betriebe auszubilden, ist vorhanden. Wir haben derzeit 129 arbeitslos gemeldete Ausländer in Elbe-Elster.

Neben der elektronischen Akte hat das Jobcenter Elbe-Elster im vorigen Jahr noch weitere Rennen gewonnen?
Wir haben uns erfolgreich für zwei Bundesprogramme beworben. Damit fließen 5,5 Millionen Euro Fördergeld in den Landkreis.

Wem kommt das Geld zugute?
Wir können die Integration von 80 Langzeitarbeitslosen in Betrieben fördern. 15 Plätze sind bisher besetzt. Außerdem können wir mehr als 40 Stellen im Bereich der sozialen Teilhabe besetzen.

Was verbirgt sich dahinter?
Die Förderung erfolgt bis Ende 2018 über einen Festbetrag ähnlich der Bürgerarbeit. Bei 30 Stunden Arbeitszeit in der Woche werden 1320 Euro gezahlt. So konnten Stellen im Modellbauzentrum Elsterwerda, beim Arbeitslosenverband in Lugau und beim Eisenbahnersportverein in Falkenberg bewilligt werden.

Die Jugendarbeitslosigkeit bleibt auch in diesem Jahr ein Schwerpunkt?
Wir haben 159 arbeitslose Jugendliche im Landkreis registriert, das entspricht einer Quote von 5,3 Prozent. Hier haben wir im guten Zusammenspiel mit der Agentur für Arbeit viel erreicht, sind aber noch lange nicht am Ziel. Am 16. Februar wollen wir der Öffentlichkeit vorstellen, wie wir mit Partnern eine neue Form der Zusammenarbeit aus einer Hand entwickeln wollen. Sie wird dann immer dienstags, jeweils von 14 bis 16 Uhr, in Herzberg, Finsterwalde und Elsterwerda stattfinden.

Welcher Aspekt muss aus Ihrer Sicht bei d er Sicherung von Fachkräftenachwuchs besonders beachtet werden?
Wir müssen uns auf einen Wandel in der Berufswelt einstellen. Modernste Technologien ersetzen Menschen. Arbeitsplätze gehen verloren. Das trifft jedoch nicht auf den Dienstleistungsbereich zu.

Welches Potenzial sehen Sie bei Rückkehrern?
Daran werden wir weiter arbeiten. In Finsterwalde soll es zum Beispiel zwischen Weihnachten und Neujahr eine Rückkehrer-Börse geben. Dafür macht sich Torsten Drescher als Wirtschaftsförderer stark. Die Heimathütte auf dem Weihnachtsmarkt im vorigen Jahr war eine tolle Sache.

Mit Eike Belle

sprach Gabi Böttcher