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| 13:47 Uhr

Umgehört
Keine eigene Saison für Lesezeit

Wie steht es mit der Lust auf Lesen? Gibt es sie noch — die Bücherwürmer? Die Rundschau ist der Frage rund um Herzberg nachgegangen und hat Antworten in Schlieben, Uebigau und Herzberg bekommen.
Wie steht es mit der Lust auf Lesen? Gibt es sie noch — die Bücherwürmer? Die Rundschau ist der Frage rund um Herzberg nachgegangen und hat Antworten in Schlieben, Uebigau und Herzberg bekommen. FOTO: fotolia / wip-studio
Region. Ohne ein Buch in der Hand — ob in gedruckter Form oder digital, ist erst einmal nebensächlich — kann sich so mancher keine Ferien, keinen Urlaub vorstellen. Das haben Bibliothekare in der Region dazu zu berichten: Von Sylvia Kunze

Lesen liegt weiter im Trend. Nicht anders will Antje Wieser, Leiterin der Schliebener Bibliothek, die aktuellen Entwicklungen deuten. „Die Nutzerzahlen hier in Schlieben sind steigend“, berichtet sie. Und: „Bücher machen den Hauptbestandteil der Ausleihen aus.“ So mancher habe sich vor der anstehenden Urlaubszeit noch einmal reichlich mit Lektüre eingedeckt, hat sie beobachtet. Während bei den Erwachsenen Romane, Krimis, historische Bücher hoch im Kurs stünden, würden sich die Kinder nach wie vor auf Bücher der Reihe mit Bibi + Tina sowie mit den Themen Dinosauierer, Polizei, Pferde und Angeln stürzen. Generell jedoch gibt sie zu bedenken: „Aktuell ist Gartensaison. Da haben die Schliebener anderes zu tun, als zu lesen. Im Winter finden sie eher Zeit dafür.“

In Herzberg sieht das nicht anders aus. „Viele Menschen, die hier leben, haben Haus, Hof, Garten, Grundstück. Da ist im Sommer immer etwas zu tun. Lesezeit ist deshalb normalerweise eher im Winter“, schätzt Bibliotheksleiter André Keßler ein. Was nicht heißt, dass Lesen derzeit kein Thema wäre. Das sei es sehr wohl, bestätigt der Herzberger Bibliothekar. Und das ändere sich auch nicht, selbst wenn man in der Einrichtung eine Offensive gestartet habe und sich als Mediathek etablieren wolle. „70 Prozent der Nutzer kommen wegen der Bücher, nur 30 Prozent der Ausleihen sind Musik und Filme“, benennt er das aktuelle Nutzungsverhältnis. Dass sich daran so schnell etwas drehe, glaubt er nicht.

„Die meisten Leute wollen nach wie vor ein Buch in der Hand haben“, ergänzt seine Kollegin in Schlieben. Auch wenn digitales Lesen auf dem Vormarsch sei, habe es dem klassischen Buch längst noch nicht den Rang abgelaufen. Es sei eher für viele ein ergänzendes Angebot, schätzt sie ein. So sieht das auch Karin Petri in der Uebigauer Bibliothek. Mit 94 Veranstaltungen und knapp 4800 Besuchern im Vorjahr „klappert“ sie in der Region am meisten, um die städtische Ausleihe mit Gästen zu füllen.

Ihre fleißigsten Leser? Die älteren Jahrgänge, die schon zu Hause sind. Und: „Die wollen ein Buch in der Hand halten“, bestätigt Karin Petri, dass die Online-Variante zwar auf dem Vormarsch, „denn man kann ganz unkompliziert von überall auf der Welt den Lesevorrat vergrößern“, aber noch weit abgeschlagen von der klassischen Lese-Variante ist. Allerdings in anderer Hinsicht wird das Internet immer mehr bemüht, „nämlich dann, wenn es darum geht, Kataloge anderer Bibliotheken zu durchforsten und über die Fernleihe ganz bestimmte, von einzelnen Lesern gesuchte Literatur nach Uebigau zu holen“.

Sie selbst, verrät sie, sei gar nicht so der Bücherleser. „Ich lese lieber Zeitungen, alle, die ich in die Hand bekommen kann“, sagt Karin Petri - die deshalb aber trotzdem Bücher liest, „schließlich muss ich doch wissen, was auf dem Markt ist“. Dem stimmen ihre beiden Kollegen in Schlieben und Herzberg zu. Wobei André Keßler privat gern mal zu postmoderner Literatur zum Mitdenken greift und Antje Wieser „alles, außer Sciencefiction und immer vieles durcheinander“ liest.

Erklärtes Ziel aller drei Ausleihverantwortlichen: Auf Lesen soll auf künftig Lust gemacht werden. In Herzberg wird sich zum Beispiel eine Kollegin ganz gezielt um die Leseförderung kümmern, „denn Kinder sollen erleben können, dass Lesen etwas Schönes ist“, sagt André Keßler. Antje Wieser setzt auf ihre bereits etablierten Lesegruppen verschiedenen Alters, die sich regelmäßig treffen. Und Karin Petri hält weiterhin abwechslungsreiche Veranstaltungsangebote bereit, die von Kind bis zum Erwachsenen für jeden etwas bieten.