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Ist Herzberg ab 2024 wasserdicht?

Interessierte Herzberger haben sich am Mittwochabend im Bürgerzentrum anhand von Kartenmaterial über die vorgesehenen Hochwasserschutzmaßnahmen im Stadtgebiet informiert.
Interessierte Herzberger haben sich am Mittwochabend im Bürgerzentrum anhand von Kartenmaterial über die vorgesehenen Hochwasserschutzmaßnahmen im Stadtgebiet informiert. FOTO: Rudow
Herzberg. Das Land macht Herzberg in den kommenden Jahren hochwassersicher. Die Entwurfsplanung für die Schutzmaßnahmen ist jetzt fertig. Birgit Rudow

Der Projektleiter des Landesumweltamtes Gunnar Soyka und Dr. Rosemarie Scholz von der zuständigen Planungsgemeinschaft haben die Entwurfsplanung für die Hochwasserschutzmaßnahmen Mittwochabend in einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Bürgerzentrum vorgestellt.

Die gesamte Maßnahme ist in zwei Planfeststellungsabschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt betrifft Deichabschnitte an der Schwarzen Elster im Herzberger Stadtgebiet auf einer Länge von 670 Metern und reicht (stromabwärts) linksseitig von oberhalb des Wehres bis zur Brücke in Kaxdorf und rechtsseitig vom Wehr bis zur Brücke B 87. Das zweite Teilobjekt, für das die Planung gerade begonnen hat, beinhaltet Flügeldeiche und die Ertüchtigung bestehender Deiche bei den Ortsteilen.

Zwei Jahre sind mittlerweile vergangen, seit die Vorplanungen für den Hochwasserschutz in Herzberg vorgestellt wurden. Gründe für diesen langen Zeitraum sind laut Dr. Scholz umfangreiche Baugrunduntersuchungen, die Anfertigung eines Lageplanes für Leitungen sämtlicher Versorgungsträger und das Ziel, Baumfällungen möglichst zu vermeiden. Ein weiterer Schwerpunkt sei die Konfliktvermeidung gewesen, an der Umweltplanung und Fachplanung gemeinsam gearbeitet hätten. Im Ergebnis dessen sei die Vorplanung punktuell noch einmal geändert worden, so Rosemarie Scholz. Das betraf vor allem den Erhalt von Baumbeständen und Lebensraum für Tierarten.

Die Hochwasserschutzmaßnahmen in Herzberg werden nach dem Wert HQ 100 + 50 errichtet. Das heißt, auf die Höhe eines statistisch in 100 Jahren am höchsten wiederkehrenden Hochwasserstandes werden noch 50 Zentimeter draufgepackt. Laut einem von der Planerin vorgestellten hydraulischen Modell für den Flussbereich zwischen Neudeck und Arnsnesta liegt nach Abschluss der Baumaßnahmen der höchste Wasserdurchfluss der Schwarzen Elster am Pegel Herzberg bei 154 Kubikmeter je Sekunde. Der bisher größte gemessene Durchfluss lag am 30. September 2010 bei 127 m³/s.

Was ist nun - grob umrissen - genau geplant? Rosemarie Scholz hat die vier Bereiche des ersten Planfeststellungsabschnittes erläutert.

Stromabwärts vom Siel bis zum Wehr: Der Deich wird um 50 Zentimeter angehoben und Spundwände werden in den vorhandenen Deich eingesetzt. Die Wege zu den Gärten bleiben erhalten, ebenso der Radweg auf dem Deich.

Vom Wehr bis zur alten Bahnbrücke: Linksseitig befinden sich wertvolle Bäume, eine Altlastenfläche (ehemalige Mülldeponie) und die Sportanlagen. Es sollen freistehende Spundwände gesetzt werden, hinter denen sich ein Weg befindet. Der Zugang zum Altdeich bleibt gesichert, ebenso weitestgehend der Baumbestand am Altdeich. Rechtsseitig gibt es die Besonderheiten des Schöpfwerkes, einer Altarmstruktur und der Querung der Bahnstrecke zu beachten. Bis zur Bahnstrecke wird mit Spundwänden gearbeitet, von da an mit einer Deichlösung.

Von der Bahnbrücke bis zur B 87: Die Lindenallee linksseitig bleibt nahezu unangetastet. In den Deich werden Spundwände eingearbeitet und der Deich wird aufgeschüttet. Für die rechte Seite (Mühlstraße) hat es im Vorfeld Gespräche mit Anwohnern gegeben. Der Deich wird rückversetzt und der Altdeich zum Teil abgetragen. Im wassernahen Wohnbereich sollen Spundwände gesetzt werden.

Von der B 87 bis zur Kaxdorfer Brücke: Auf der linken Seite wird der vorhandene Deich angehoben und verbreitert. Ein beleuchteter Radweg wird wieder eingerichtet. An der Kaxdorfer Brücke kommen Spundwände zum Einsatz.

Bis zum September, so die Planer, erfolgen die Kostenermittlung, weitere statische Berechnungen und die Fortsetzung der Umweltplanung. Im ersten Quartal 2018 werden die Unterlagen zur Planfeststellung eingereicht. Das Genehmigungsverfahren dauert etwa zwei Jahre. Danach erfolgt die Ausführungsplanung in voraussichtlich vier Bauabschnitten, so dass nach jetzigem Stand im ersten Quartal 2021 die Arbeiten beginnen könnten. Drei Jahre Bauzeit werden für die vier Abschnitte mindestens veranschlagt.