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| 14:27 Uhr

Herzberg
Interkulturelles Zentrum WELT will für alle da sein

Malak Faour (Mitte) unterrichtet Serin, Eva, Gaid und Kawa (v.l.) im  interkulturelles Zentrum W.E.L.T. in ihrer arabischen Muttersprache. In der Schule lernen sie deutsch und sprechen die Sprache auch schon gut.
Malak Faour (Mitte) unterrichtet Serin, Eva, Gaid und Kawa (v.l.) im  interkulturelles Zentrum W.E.L.T. in ihrer arabischen Muttersprache. In der Schule lernen sie deutsch und sprechen die Sprache auch schon gut. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Vor allem Flüchtlingsfamilien nutzen die Angebote in Herzberg und bringen sich selbst mit ein. Von Birgit Rudow

Es duftet nach Kaffee und Kuchen im Nixweg 1 in Herzberg, wo nicht nur das DRK „zu Hause“ ist, sondern auch das interkulturelle Zentrum „WELT in Elbe-Elster“. WELT hat kürzlich zum Tag der offenen Tür eingeladen. Und wer sich im Zentrum umgeschaut hat, der kann verstehen, warum die Buchstaben WELT für Wissen, Engagement, Lernen und Tolerieren stehen.

Hier wird vor allem arabisch, deutsch und russisch gesprochen. Etwa 30 bis 40 Familien, vorrangig aus Syrien, Afghanistan oder mit russischen Wurzeln, aber auch afrikanische Flüchtlingsfamilien kommen regelmäßig ins Zentrum und nutzen die Angebote. „Wir sind ein interkulturelles Zentrum für alle, auch für deutsche Familien“, betont Oksana Fiks, die für das Zentrum in Herzberg verantwortlich ist. Deutsche kämen allerdings sehr selten, sagt sie.

WELT fördert das friedliche Zusammenleben und unterstützt zugewanderte Familien, so Karin Winkel, Mitglied im Vereinsvorstand. Vor drei Jahren wurde der Verein gegründet. Zuvor hat er als Projekt schon unter dem Dach des Vereins Horizont gearbeitet. Anlaufstellen gibt es in Herzberg und in Finsterwalde. Der WELT e.V. hat 26 Mitglieder. „Dazu kommen noch viele Ehrenamtliche, die keine Vereinsmitglieder sind. Wir sind froh über jeden, der mitmachen möchte“, sagt Oksana Fiks. Die Angebote sind vielfältig. Die Herzberger Sandra Nauck, Renate Lieback und Eckhard Mauer, Vorsitzender des Herzberger Flüchtlingsvereins, erteilen Deutschunterricht für Erwachsene. Es gibt Mal- und Kreativkurse, thematische Teerunden oder den Stammtisch für Ehrenamtliche. Auch Ausflüge werden unternommen. Ein Projekt richtet sich speziell an Eltern. Es soll die Kompetenz der Eltern stärken und sie zu gesundheitlichen Fragen, zum Bildungssystem oder zum Straßenverkehrsrecht in Deutschland informieren.

Auch die Flüchtlingsfamilien selbst bringen sich mit ein. Bushra Hamo aus Syrien zum Beispiel leitet einen Malzirkel. Seit drei Jahren ist sie mit ihrer Familie in Deutschland. „Ich lerne in dem Zentrum sehr viel“, sagt sie. Oder Malak Faour aus Aleppo. Sie ist seit zwei Jahren hier. Die Lehrerin, die zehn Jahre eine Schule geleitet hat, unterrichtet Kinder in deren Muttersprache arabisch. Seit sechs Jahren schon unterstützt Tatjana Baturin den Verein. Sie unterrichtet Kinder von russlanddeutschen Familien in der russischen Sprache. „Die Kinder haben zwar russische Wurzeln, sprechen mittlerweile aber besser deutsch als russisch“, sagt sie.

Immer wieder sucht der Verein Hausaufgabenhilfen für die Migrantenkinder. Vor allem in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. „Das können auch Praktikanten sein, die am OSZ im Erzieherbereich oder im sozialpädagogischen Bereich lernen“, so Oksana Fiks. Auch Bildungspaten, die einzelne Familien unterstützen, werden noch benötigt. „Dafür wollen wir vermehrt Leute im Bundesfreiwilligendienst oder im freiwilligen sozialen Jahr gewinnen“, sagt sie.

Was der Verein dringend braucht, sind größere Räumlichkeiten. Zwar sind die Räume unter dem Dach beim DRK im Nixweg gut ausgestattet und gemütlich. Doch sie platzen aus allen Nähten und sind mittlerweile für die zahlreichen Angebote  viel zu klein. Zwei Jahre noch sind sie vertraglich gebunden. „Bis dahin müssen wir eine Lösung gefunden haben“, sagt Oksana Fiks und richtet hilfesuchende Blicke an Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz, der zum Tag der offenen Tür gekommen war.

Insgesamt kann sich der Verein auf ein großes Netzwerk verlassen – auf die Mitarbeiter der Kreisverwaltung, das DRK und vor allem auf viele Ehrenamtliche. An alle richtete Oksana Fiks ein herzliches Dankeschön, setzte sich ans Keyboard und spielte ein schönes russisches Volkslied.

Bushra Hamo leitet einen Malzirkel im Zentrum.
Bushra Hamo leitet einen Malzirkel im Zentrum. FOTO: LR / Rudow
Oksana Fiks leistete beim Tag der offenen Tür im interkulturellen Zentrum  WELT in Herzberg auch einen kulturellen Beitrag.
Oksana Fiks leistete beim Tag der offenen Tür im interkulturellen Zentrum WELT in Herzberg auch einen kulturellen Beitrag. FOTO: LR / Rudow