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Wirtschaft
Innenstadtmotor Gewerbeverein

Ob Automeile, Frühlingsball, Weihnachtsmarkt oder Public Viewing - der Herzberger Gewerbeverein versucht, die Innenstadt zu beleben.
Ob Automeile, Frühlingsball, Weihnachtsmarkt oder Public Viewing - der Herzberger Gewerbeverein versucht, die Innenstadt zu beleben. FOTO: dmu
Herzberg. Große Einkaufstempel gibt es in Herzberg nicht, auch keine Stadtteil- oder Citymanager. In der Innenstadt müht sich der kleinteilige Einzelhandel und versucht, sich mit seinem Sortiment gegen die Discounter und das Internet zu behaupten. Birgit Rudow

Einfach ist das nicht. Viele Einzelhändler und Gewerbetreibende haben sich im Gewerbeverein ´zusammengeschlossen. Der versucht, mit immer wiederkehrenden Veranstaltungen die Kunden in die Innenstadt zu holen. Wir haben mit Frank Zinnow, dem Vorsitzenden des Vereins, gesprochen.

Herr Zinnow, wie viele Mitglieder hat der Herzberger Gewerbeverein?
Wir sind derzeit 68 Mitglieder.

Worin sieht der Verein seine Hauptaufgaben?
Das sind vorrangig zwei Aufgaben. Zum einen sehen wir uns als Vertretung der Interessen der Gewerbetreibenden und zum anderen zielen alle unsere Aktivitäten auf die Belebung der Herzberger Innenstadt.

Welchen Stellenwert nehmen die Veranstaltungen ein, um die Innenstadt attraktiver zu machen?
Mit Stolz glaube ich sagen zu können, dass fast alle größeren Veranstaltungen in der Stadt im Wesentlichen durch den Gewerbeverein organisiert werden bzw. dass bei deren Organisation Vereinsmitglieder aktiv mitwirken. Daneben gibt es eine Vielzahl von Angeboten, die von anderen Vereinen oder Initiativen durchgeführt werden.

Alle diese Veranstaltungen tragen aus meiner Sicht dazu bei, das Leben in der Stadt interessant und abwechslungsreich zu machen. Betrachten wir alle Angebote über das Jahr, kann von Langeweile keine Rede sein. Die Veranstaltungen machen übrigens noch mehr Spaß, wenn man selbst mitwirkt. Das beste Beispiel hierfür war für mich das Lutherschauspiel im Juli auf dem Herzberger Markt.

Haben die Bemühungen des Gewerbevereins Auswirkungen auf den innerstädtischen Handel?
Wer von unseren Veranstaltungen, gekoppelt mit verkaufsoffenen Sonntagen am Veranstaltungstag, messbare Erfolge in Euro erwartet, wird oft enttäuscht. Dazu wären sicher deutlich mehr Besucher von außerhalb notwendig. Aber es ist eine Chance für den Einzelhandel, seine Angebote zu präsentieren, durch freundliche Beratung und besondere Angebote auf sich aufmerksam zu machen. Das kostet natürlich viel Kraft und Geduld.

Wie entstehen beim Gewerbeverein immer wieder neue Ideen?
Bei unseren Veranstaltungen setzen wir zum einen auf Kontinuität. Wir versuchen, keine Eintagsfliegen zu produzieren. Zum anderen ist es dem Verein gelungen, junge, engagierte Mitglieder zu gewinnen, die neue Ideen einbringen und diese auch mit umsetzen.

Hat der Verein eigentlich auch politischen Einfluss?
Natürlich. Auf zweifache Weise. Zum einen durch Stellungnahmen für die Stadtverwaltung zu relevanten Themen und zum anderen sind Stadtverordnete auch Mitglieder des Vereins bzw. sind Vereinsmitglieder auch in Parteien organisiert und somit in die Entscheidungsfindung mit einbezogen.

Wie steht dann der Gewerbeverein zu dem Vorhaben von Aldi, einen neuen Markt zu bauen, wo heute noch der "Heitere Blick" steht?
Grundsätzlich sehen wir als Verein die Supermärkte immer kritisch, weil sie ihr Sortiment deutlich erweitert haben und nicht mehr nur Lebensmittel verkaufen und so dem Einzelhandel in der Stadt nicht gut tun. Was den neuen Aldi betrifft, bin ich persönlich von diesen Plänen nicht begeistert. Aber Deutschland ist ein freies Land. Ich kann die Besitzerin des Hotels verstehen. Und wenn das mit dem Bebauungsplan alles hinhaut, dann ist es so.

Was wünscht sich der Verein von seinen Mitgliedern und der Stadtverwaltung?
Zu unseren Mitgliedern kann ich sagen, dass sich der Anteil von Leuten, die aktiv mitarbeiten deutlich erhöht hat. Dafür zuerst einmal vielen Dank. Auch die Zusammenarbeit mit vielen Mitarbeitern der Stadtverwaltung klappt auf dem kleinen Dienstweg oft schon ganz gut. Andererseits muss eben auch Papier produziert werden. Wir sollten sehen, dass sich das nur im absolut notwendigen Rahmen bewegt, weil praktisch alle Organisatoren ehrenamtlich, also in ihrer Freizeit, Anträge und Formulare ausfüllen, damit eine Veranstaltung stattfinden kann.

Zum Thema:
Am kommenden Samstag lesen Sie, welche besonderen Gastro- und Serviceangebote über das Jahr verteilt mehr Gäste in die Einkaufsstraßen ziehen sollen.