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In Herzbergs Gymnasium bleibt die Küche kalt

Im Gegensatz zum Gymnasium funktioniert die Essenversorgung in der Grund- und Oberschule Johannes Clajus sehr gut. Diesen vier Erstklässlern schmeckt es.
Im Gegensatz zum Gymnasium funktioniert die Essenversorgung in der Grund- und Oberschule Johannes Clajus sehr gut. Diesen vier Erstklässlern schmeckt es. FOTO: Rudow
Herzberg. Das Herzberger Gymnasium steht wieder ohne Schulessen da. Der Anbieter, die Menü GmbH Gröditz, hat nach einem Vierteljahr die Segel gestrichen. Zu unrentabel. Das Unternehmen versorgt seit 2008 auch die Grund- und Oberschule im Kaxdorfer Weg – ohne Probleme, wie Schulleiter Ernst Becker sagt. Birgit Rudow

Ebenso bekommen die Förderschulen das Essen aus Gröditz. Das Problem ist nicht der Anbieter, das Problem sind die Umstände am Gymnasium. Das Schulverwaltungsamt ist in der Bredouille. Der Landkreis als Schulträger des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums muss dafür sorgen, dass für die Schüler der Klassenstufen 7 bis 10 ein warmes Mittagessen angeboten wird. "Dazu sind wir per Gesetz verpflichtet", sagt Andreas Rambow vom Schulverwaltungsamt. Nachdem sich im vergangenen Jahr ein Anbieter aus betriebswirtschaftlichen Gründen aus dem Gymnasium zurückgezogen hat, wurde die Versorgung neu ausgeschrieben. "Es gibt nicht Anbieter wie Sand am Meer. Zwei haben sich gemeldet, beides alteingesessene Firmen, also Profis", so Andreas Rambow. In der Schulkonferenz wurden beide "Kandidaten" geprüft und es werde vereinbart, dass die Menü GmbH aus Gröditz ein Vierteljahr lang testet, ob es funktioniert.

Viele ungünstige Faktoren

Doch das hat es nicht. Viel zu wenig Schüler beteiligten sich am Schulessen, um die Versorgung wirtschaftlich betreiben zu können. "Wir haben uns eigentlich nur an der Ausschreibung beteiligt, um unseren guten Willen zu zeigen", sagt der Chef der Menü GmbH, Uwe Sachse. Seine Firma kocht täglich etwa 3000 Essen und liefert sie aus, so auch an die Gymnasien in Oschatz oder Meißen. Das Herzberger Gymnasium aber hätte ungünstige Besonderheiten, so Uwe Sachse. Eine seien die Pausenzeiten "Die müssen die Schüler nutzen, um von einem Schulhaus zum anderen zu wandern. Zum Essen bleibt da gar keine Zeit", sagt er. Außerdem würde die Mittagspause ausgerechnet nach der Stunde liegen, nach der die Busse fahren.

Auch für Andreas Rambow ist die Pausengestaltung ein ungünstiger Faktor. Ein weiterer Aspekt, so sagt er, sei die Lage der Schule mitten in der Stadt. Da gebe es viele Anbieter wie Fleischereien oder Bäckereien, bei denen die Schüler schnell etwas auf die Hand kaufen. Das sieht auch Schülersprecherin Friederike Rau aus der 10b so. "Sicher gibt es Schüler, die ein warmes Mittagessen haben wollen. Aber viele kaufen sich schnell in der Stadt etwas. Andere bringen sich was von zu Hause mit. Das ist bei uns ziemlich kompliziert", meint die Schülerin.

Der Gröditzer Anbieter hat sich aus dem Gymnasium wieder zurückgezogen. "Auf der Schulkonferenz am 3. März wurde beschlossen, an den zweiten Anbieter, eine renommierte Firma aus Finsterwalde, heranzutreten, ob sie die Versorgung erstmal probeweise übernehmen möchte. Wir haben weitere Hinweise auf Anbieter aus der Region. Eine Möglichkeit wäre auch, dass die Kantine der Kreisverwaltung die Versorgung übernimmt", so Andreas Rambow.

Zwei Gerichte zur Auswahl

Weniger kompliziert ist es in den anderen Schulen der Stadt. An der Grund- und Oberschule "Johannes Clajus" ist man mit der Essenversorgung zufrieden. Auch hier ist die Menü GmbH der Anbieter, und das schon seit 2008. "Etwa 70 der 300 Schüler essen warm. Das sind vor allem die Kleineren. Die Großen kaufen sich eher ein Brötchen oder einen Snack", sagt Schulleiter Ernst Becker. Zwei Essen stehen täglich zur Auswahl. Die Grundschulkinder zahlen laut Uwe Sachse zwei Euro, die größeren 2,25 Euro. Im Gymnasium wären es übrigens 2,50 Euro. Auch die beiden Förderschulen werden von dem Gröditzer Anbieter versorgt.

250 Grundschüler essen

Die Elsterlandgrundschule bekommt ihr Schulessen von der Herzberger Firma Peinl. "Das funktioniert gut. Wir sind sehr zufrieden. Von den 304 Schülern nehmen etwa 250 am warmen Schulessen teil", sagt Herzbergs Bildungsamtsleiterin Karin Jage. Die Vesperversorgung übernimmt der Hort.

Die Abrechnung des Essengeldes läuft über die Stadt als Träger der Grundschule. "Die Eltern zahlen bar bei der Stadtkasse ein, überweisen oder erteilen eine Einzugsermächtigung", erläutert Sachbearbeiterin Kerstin Schulze. Ein warmes Essen kostet zwei Euro. "Zum Jahresanfang mussten wir den Preis aufgrund gestiegener Lebensmittel- und Energiepreise von 1,65 Euro auf zwei Euro erhöhen", so Kerstin Schulze. Für Kinder aus sozial schwachen Familien gebe es aber Möglichkeiten der Unterstützung für das Schulessen, sagt sie.