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Kinderbetreuung
In Herzberger Kita-Landschaft kommt wieder Bewegung

Herzberg. Die Stadtverordneten planen für den 6. März einen Rundgang durch alle Einrichtungen. Von Birgit Rudow

Es kommt wieder Bewegung in die Diskussion um die Kindertagesstätten in Herzberg. Am 6. März werden sich die Mitglieder des Bauausschusses der Stadt (und wahrscheinlich auch des Bildungsausschusses) alle Kindertagesstätten in der Kernstadt (bis auf „Kuschelbär“ in privater Trägerschaft) sowie das Haus II des ehemaligen Gymnasiums ansehen.

2015 hatte die Verwaltung eine Machbarkeitsstudie zur sozialen Infrastruktur in der Stadt in Auftrag gegeben. Sie betrifft alle Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen und soll Investitionsentscheidungen zu Grunde gelegt werden. Die Studie umfasst eine Bedarfsabschätzung, die bauliche Zustands­erfassung und die Ermittlung des Investitionsbedarfes sowie eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und Handlungsempfehlungen für die Standorte.

2015 ging die Studie davon aus, dass das Kita-Betreuungsangebot in Herzberg insgesamt über den Bedarf hinausgeht und dass die Auslastung weiter zurückgehen wird. Überkapazitäten gibt es in der Kita „Löwenzahn“ in Züllsdorf und in „Märchenland“ in Herzberg. Letztere ist eine Integrations-Kita in Trägerschaft der Intawo. Die Kita Züllsdorf steht aufgrund ihrer peripheren Lage nicht zur Disposition und dient der Stadt nicht zuletzt als „Puffereinrichtung“. Alle anderen Tageseinrichtungen sind rappelvoll. Die Geburtenzahlen der letzten Jahre in Herzberg lassen auch nicht davon ausgehen, dass sich daran demnächst etwas ändern wird. Hinzu kommen die Flüchtlingskinder, die die Einrichtungen besuchen. „Von einer Reduzierung der Plätze reden wir schon lange nicht mehr, im Gegenteil“, sagt die Leiterin des Herzberger Bildungsamtes Karin Jage. Was ebenso schwer wiegt wie die Platzsituation in einigen Einrichtungen, ist der schlechte bauliche Zustand der Gebäude. Hier wurde in allen Kitas ein hoher Investitionsbedarf festgestellt.

In den vergangenen zwei Jahren war es um die Studie ruhiger geworden, zumindest, was die Kindertagesstätten betrifft. Grund dafür war zum einen der städtische Hort, der aus allen Nähten platzt. Das hatte zur Folge, dass die Stadt sich erst einmal um die Elsterlandgrundschule und den Hort kümmern musste. Die Lösung des Problems ist mit einem Anbau an die Schule mittlerweile angeschoben. Zum anderen steht noch immer das Thema Haus II des ehemaligen Gymnasiums im Raum. Auf Initiative der Fraktion „Herzberg zählt“ hatte die Herzberger Stadtverordnetenversammlung im Juni 2016 die Stadtverwaltung beauftragt, das Haus II vom Kreis zu erwerben und als Ersatzstandort für die Kita „Märchenland“ zu prüfen. Bisher ist dieser Beschluss aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt. Ob er überhaupt noch als sinnvoll erachtet wird, ist fraglich.

Was im Rahmen der Machbarkeitsstudie in Bezug auf die Kitas bis heute noch nicht ernsthaft in Angriff genommen wurde, ist die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit von Investitionen und daraus folgende Konsequenzen. Zwar sind dringende Investitionen erfolgt („Flax und Krümel“ und „Märchenland“), es gibt aber noch keinen umfassenden Gesamtüberblick über Maßnahmen und Kosten.

Das soll jetzt in Angriff genommen werden, vorrangig für die Kitas der Kernstadt. Begonnen wird beim „Spatzennest“. „Von außen sieht die Kita gut aus. Innen aber ist sie eine Katastrophe. Die Grundleitungen sind marode, die Sanitäranlagen und die Innenentwässerung völlig veraltet“, sagt Herzbergs Stadtplanerin Janett Lehmann. Einen weiteren Grund, mit dem „Spatzennest“ zu beginnen, liefert der Fördermittelgeber. Der betrachtet die Kita und die benachbarte Elsterlandgrundschule als eine gemeinsame Förderkulisse, so die Stadtplanerin.

Geprüft werden muss jetzt für die Einrichtung „Spatzennest“, was eine Sanierung kosten würde oder ob ein Neubau sinnvoller, sprich wirtschaftlicher wäre. Schrittweise sollen dann alle Kitas diese Überprüfung durchlaufen, um eine fundierte Grundlage für Entscheidungen zu haben. „Das heißt jedoch nicht, dass wir anschließend gleich losplanen. Dafür muss auch das Geld da sein. Wir müssen mit den Kitas aber endlich weitermachen“, sagt Janett Lehmann.

Die Mitglieder des Bauausschusses waren genau ihrer Meinung. Ulf Lehmann regte noch an, die Sache mit dem Haus II auszudiskutieren. Der 6. März soll erste Anhaltspunkte bringen.