Von Sven Gückel

An diesen Knochen hätte wohl kein Hund mehr seine Freude. Um so mehr faszinierten sie am Samstag alle Besucher einer Ausstellung im Bürgerzentrum Herzberg, die sich dem Wirken und Leben des Paläontologen Werner Janensch widmete.

Der unternahm mit Gleichgesinnten 1909 eine beschwerliche Reise nach Ostafrika, um dort den Boden nach fossilen Funden zu durchsuchen. Mitarbeiter der deutschen Bergbau-Gesellschaft waren auf sie um 1908 aufmerksam geworden. Bis zum April 1913 dauerte die daraufhin eingeleitete Tendaguru-Expedition, von deren Ergebnis Wissenschaftler bis heute schwärmen.

„Zweifelsfrei ist sie die größte paläontologische Ausgrabung unserer Zeit. Herzberg kann daher stolz darauf sein, dass der damalige Grabungsleiter Werner Janensch (1878-1969) ein Sohn dieser Stadt ist. Vielleicht sogar ihr berühmtester”, hob Dr. Oliver Hampe hervor. Als Kurator für fossile Säugetiere und Geologie am Museum für Naturkunde Berlin hatte er das Ansinnen der Herzberger von Beginn an unterstützt und begleitet, den 110. Jahrestag des Expeditionsbeginns und gleichsam den 50. Todestag Janenschs mit einer Sonderschau zu würdigen.

Auf zwei Etagen werden noch bis Ende April 2020 im Bürgerzentrum Herzberg einmalige Fundstücke als Leihgabe des Naturkundemuseums zu sehen sein. Knochen, die bildlich einzelnen Dinosaurierarten zugeordnet werden und einen kleinen Eindruck von der Größe dieser Giganten vermitteln. Zudem wird die Expedition und das Leben von Werner Janensch ausführlich in Schrift und Bild dokumentiert.

230 Tonnen versteinerte Dinosaurierknochen, unzähliges Fotomaterial und schriftliche Aufzeichnungen brachten Janensch und sein engster Begleiter Dr. Edwin Hennig (1982-1977) vom Grabungsort nach Deutschland mit. Allein das logistisch zu bewältigen, sei eine Höchstleistung gewesen. „Anders als heute, stand den Wissenschaftlern kein schweres Gerät zur Verfügung. Auch die Wege waren nur schwer passierbar, die Region kaum erschlossen”, ergänzte Dr. Daniela Schwarz. Als Kustodin für die Sammlung fossiler Reptilien ist sie in zweiter Generation heute beruflicher Nachfahre von Janensch am Naturkundemuseum.

Insgesamt 13 verschiedene Dinosaurierarten haben die Männer im afrikanischen Boden entdeckt, so Schwarz weiter. Unter ihnen das Glanzstück der Expedition, ein komplett erhaltener Brachiosaurus, der bis heute im Naturkundemuseum seinen Kopf in über 13 Meter Höhe reckt.

Vorsichtig habe man in Berlin angefragt, ob das Museum das Herzberger Projekt unterstützen würde, erläutert rückblickend Dr. Mario Huth, Historiker und wissenschaftlicher Begleiter der Schau. Um so mehr seien er und Susanne Wegner vom Stadtmarketing Herzberg überrascht gewesen, wie weit und offen die Arme der Berliner waren. Der Elan und die Begeisterung, dieses Vorhaben umzusetzen, hat selbst Museumsmitarbeiter wie Dr. Sybilla Nikolow überrascht. Als Leiterin des Museumsarchivs übergab sie Huth alle gewünschten Dokumente zur Einsicht. „Zu meiner Freude hat er dieses umfassende Material nicht nur stichprobenartig gesichtet, sondern komplett studiert“, lobte sie den Gast aus Herzberg.

Umfassend und vielschichtig hat sich die Stadt Herzberg des Themas Werner Janensch angenommen. Kindergärten und Schulen führten in den vergangenen Monaten Mal- und Bastelwettbewerbe rund um die Dinosaurier durch, druckten Kalender mit den schönsten Motiven. Darüber hinaus wurde vor wenigen Tagen im Stadtpark der Fußabdruck eines Dinos aus Beton gegossen. Er soll an Werner Janensch erinnern. Am Samstag zogen auch Geocacher durch den Ort, um den Herzberger Forscher auf ihre Weise zu würdigen.

Sechs Monate haben Besucher nun Gelegenheit, die seltenen Fundstücke und Dino-Knochen in Herzberg zu bestaunen. Danach, so Dr. Huth, wolle man das Projekt vielleicht auf andere Weise fortführen. Die Unterstützung des Naturkundemuseums Berlin ist ihnen auf jeden Fall gewiss.