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Im Sommer Wollsocken stricken

Für Mathias Schellack in Hohenbucko eine Ganzjahresbeschäftigung: Sockenstricken aus weicher, wärmender Alpakawolle.
Für Mathias Schellack in Hohenbucko eine Ganzjahresbeschäftigung: Sockenstricken aus weicher, wärmender Alpakawolle. FOTO: sk
Hohenbucko. Mathias Schellack aus Hohenbucko hat es genau so gewollt. Statt seinen Ruhestand zu genießen, beschert ihm seine Alpaka-Zucht viel Arbeit. Sylvia Kunze

Der Mann hat nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst in der Bundeswehr eine neue Beschäftigung gefunden. Er hat sich voll und ganz der Alpaka-Zucht verschrieben. Fing er 2011 noch mit fünf Tieren an, ist der Bestand auf um die 80 Tiere angewachsen. Jedes einzelne der Alpakas, eine aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelform, ist ein guter Wolllieferant.

Die diesjährige Schursaison konnte der Hohenbuckoer bereits vor wenigen Wochen beenden. Je nach Größe liefert jedes Tier drei bis fünf Kilogramm Wolle. Schellack hat also in Kürze wieder ausreichend Material für sein nächstes "Hobby": das Sockenstricken.

Aber nicht mit herkömmlichen Stricknadeln in trauter Runde mit Gleichgesinnten, wie man sich das vielleicht vorstellen mag. Der Pensionär hat sich dafür Strickmaschinen besorgt. Das sei kein leichtes Unterfangen gewesen, berichtet er, weil derartige Arbeiten längst in Billiglohnländer ausgelagert und Maschinen deshalb nur noch schwer zu bekommen seien. Aber er hat es geschafft. Sieben Socken-Strickautomaten der englischen Marke Bentley nennt er jetzt sein Eigen. Darauf kann er, wenn gebraucht und derart großer Absatz käme, bis zu 800 Paar Socken am Tag stricken.

"Ich kann aber auch sehr individuell produzieren und mich auf die Wünsche der Kunden einlassen", benennt er einen Vorteil gegenüber größeren Produktionen, der ihm sogar einen Sonderauftrag eingebracht hat. "Eine Airline hat spezielle Socken ohne Hacke und ohne Spitze in Anthrazit für ihre Fluggäste geordert", berichtet Schellack. Mehr dazu aber auch nicht.

Das Hauptgeschäft machen jedoch Socken aus, wie jedermann sie kennt und trägt. Die Alpakawolle, die sich der Hohenbuckoer fachgerecht verspinnen lässt und dann wieder selbst weiterverarbeitet, lässt 22 verschiedene Farbtöne zu. Selbst Muster wären machbar. Aber: "Lieblingsfarben sind einfaches Grau und Schwarz. Ich weiß, das ist recht langweilig, aber von den meisten Kunden so gewollt", plaudert der Experte aus dem "Strickkästchen".

Die Bentleys haben selbst im Sommer zu tun. Hochbetrieb herrscht aber ab Herbst. Die selbst produzierte Wolle reicht dann bei Weitem nicht. Schellack kauft auch Material von anderen Züchtern auf. Denn er hat noch eine andere Verwertung, insbesondere für den bisherigen Woll-Abfall gefunden. Erst kommt eine Nadelfilzmaschine zum Einsatz, und das Endprodukt sind Einlegesohlen. "Hier wird bis zur letzten Faser alles genutzt", versichert Mathias Schellack.

Unters Volk bringt er Socken, Einlegesohlen und andere Stricksachen dann auf diversen Märkten, in den beiden Läden in Hohenbucko und in Fürstenwalde sowie über seinen Internetshop.

www.alpaca-island.de