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| 01:30 Uhr

Im Land mehr Gehör finden

Die Landratskandidaten Lutz Kilian (SPD), Iris Schülzke (parteilos), Moderator Harald Stolley und Landratskandidat Christian Jaschinski (CDU). Foto: Dietmar Seidel
Die Landratskandidaten Lutz Kilian (SPD), Iris Schülzke (parteilos), Moderator Harald Stolley und Landratskandidat Christian Jaschinski (CDU). Foto: Dietmar Seidel FOTO: Dietmar Seidel
Es war der erste gemeinsame Termin für die drei Kandidaten, die sich der ersten Direktwahl des Elbe-Elster-Landrats am 10. Januar stellen. Christian Jaschinski (CDU), Lutz Kilian (SPD) und Iris Schülzke (parteilos) traten am Montagabend im Bürgerhaus in Crinitz an. Von Heike Lehmann

Jaschinski und Kilian kommen aus der Wirtschaft, sind aber seit Jahren ehrenamtlich politisch aktiv. Beide sitzen im Kreistag, leiten dort ihre Fraktionen. Der 41-jährige Jaschinski ist ehrenamtlicher Bürgermeister in Rückersdorf, Lutz Kilian (48) in Doberlug-Kirchhain Stadtverordnetenvorsteher. Iris Schülzke (50), die ihre Kandidatur erst vor wenigen Tagen öffentlich angekündigt hatte, ist hingegen seit 1990 Berufspolitikerin - erst als Bürgermeisterin, jetzt als Amtsdirektorin in Schlieben.Alle drei wollen - angesprochen auf Defizite - dem Landkreis Elbe-Elster und seinen Einwohnern auf Landesebene und darüber hinaus mehr Gehör verschaffen. "Wir werden als äußerer Entwicklungsraum zu wenig wahrgenommen, brauchen uns aber nicht zu verstecken. Die Ungleichbehandlung mit dem vermeintlichen Berliner Speckgürtel schmerzt mich", erklärte Lutz Kilian. Ein starker Landrat könne da etwas ändern und die Energieregion Lausitz, die nach langem politischen Ringen gegründet wurde, entsprechendes Gewicht verleihen. In diesem Punkt widersprach Iris Schülzke später, weil sie darin "nur eine weitere bürokratische Instanz" sehe. Sie verwies stattdessen auf die verbindende Kraft des Städte- und Gemeindebundes. Jaschinski glaubt, mit einer besseren Kommunikation zwischen Kreisverwaltung und Kommunen, mit gemeinsamer Meinungsbildung und einheitlichem Auftreten gegenüber Land und Bund Fehler korrigieren zu können. Enorme und teure Reibungsverluste zwischen Landkreis und Gemeinden sieht auch Iris Schülzke. Jaschinski erklärte, dass die "stetige Erhöhung der Kreisumlage" den Kommunen die Luft zum Atmen nehme. Wie er das Loch in der Kreiskasse stopfen will, verriet er an diesem Abend nicht. Gute Ansätze auf Kreisebene sehe er, die Jugend für die Zukunft fit zu machen, sie zu animieren, in Elbe-Elster Berufe zu erlernen. Die Bildungsmesse würde er jedoch zur Pflichtveranstaltung an einem Wochentag erklären, weil er sich davon größere Effekte verspreche. Nicht locker lassen dürfe man jetzt für eine bessere Infrastruktur. Die B 87 und B 87n, die Ortsumfahrung Bad Liebenwerda, annehmbare Zugverbindungen für Pendler, die Breitbandversorgung für ländliche Regionen und der Hafen in Mühlberg seien ihm wichtig. Für das Elbe-Elster-Klinikum müsse eine einheitliche Vermarktungsstrategie gefunden werden. Dabei und auch sonst müsse das Altkreisdenken verschwinden.Lutz Kilian sprach sich deutlich für den Erhalt aller drei Krankenhausstandorte und gegen eine Privatisierung des Elbe-Elster-Klinikums aus. Mit den angeschobenen guten Bildungsinitiativen glaube er, dass der demografischen Entwicklung entgegengewirkt werden könne. "Jugendliche, die in Elbe-Elster lernen und Arbeit finden, bleiben dem Landkreis erhalten." Die Infobustouren vom Netzwerk Elektro/Metall wünsche er sich erweitert auf die grünen Berufe der Land- und Forstwirtschaft. Der zweite Arbeitsmarkt mit Kommunal-Kombi- und 50plus-Stellen müsse als Instrument auch in den nächsten Jahren genutzt werden. Und Kilian sieht den Tourismus als möglichen Wirtschaftsfaktor für die Region - allerdings mit besserer Vernetzung der Angebote auch über Kreisgrenzen hinweg, zum Beispiel mit dem entstehenden Seenland.Auch Iris Schülzke will den Tourismus weiter ausbauen, Schwerpunkt aber müsse die Wirtschaft bleiben. "Ausschließlich von Tourismus werden wir nicht leben können." Radwegenetz, Gewässertourismus und Industriekultur sind für Kilian und Jaschinski Projekte mit Pilotcharakter. Iris Schülzke verwies auf 8000 Arbeitslose und 10 000 Auspendler im Landkreis, die Alternativen bräuchten. Für eine bessere Lebensqualität müssen das Ärztenetz ausgebaut werden, Kindereinrichtungen länger öffnen, alle Schulstandorte erhalten und kleinere künftig wieder möglich werden.Keine Abstriche bei den Feuerwehren und mehr Anerkennung für das Ehrenamt betonten alle drei Kandidaten auf eine Frage von Klaus Töpfer vom Kreisfeuerwehrverband.