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Im DIZ Torgau: Knastware für den Klassenfeind

FOTO: Tobias Wunschik
Torgau. Vor etwa zwei Jahren geriet der Möbelriese Ikea als Nutznießer von Häftlingsarbeit aus der DDR in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Während das schwedische Unternehmen Anstrengungen zur Aufarbeitung seiner Vergangenheit unternahm, wurde bekannt, dass viele weitere westliche Unternehmen ebenfalls Waren verkauft hatten, an deren Produktion Gefangene des SED-Regimes mitgewirkt hatten. red/sk

Tobias Wunschik, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU), zeigt in seiner gerade erschienenen Studie "Knastware für den Klassenfeind", wie Gefangene eingesetzt wurden, um Unternehmen günstige Produkte anzubieten. Am Donnerstag, dem 27. März, stellt er die Ergebnisse seiner Forschungen im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) im Torgauer Schloss vor.

Die lassen aufhorchen: "Neben Ikea ließen auch Quelle, Aldi oder Neckermann in der DDR produzieren. 250 ostdeutsche Betriebe beschäftigten neben ihren Arbeitskräften auch Häftlinge, darunter politische Gefangene. Diese fertigten Möbel, Fotoapparate, Damenstrumpfhosen, Küchenherde, Fernseher oder Schreibmaschinen. Sie verdienten wenig - den Profit machten die Westkonzerne sowie SED-Firmen als Zwischenhändler. Für harte Devisen konnte das SED-Regime in den achtziger Jahren "Knastware" im Wert von mindestens 200 Millionen DM jährlich absetzen", heißt es in der Ankündigung zur Veranstaltung.

Tobias Wunschik belegt mit neuen Aktenfunden, wie die Gefangenen ausgebeutet wurden und welche Firmen davon profitierten. Er beschreibt das Geschäft mit der Ware aus den DDR-Haftanstalten als Teil des innerdeutschen Handels. In seiner Studie beleuchtet er auch die Rolle der Staatssicherheit bei der Abschirmung des devisenträchtigen Geschäfts.

Häftlingsarbeit in der DDR, der Ost-West-Handel und die Staatssicherheit (1970-1989) - Vortrag und Buchvorstellung mit Dr. Tobias Wunschik,

BStU Berlin, im DIZ Torgau,

27. März, 19 Uhr;

der Eintritt ist frei.