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"Ich brauche das harte Training"

Roxanne Runzer, Nachwuchskeglerin aus Uebigau, hofft nach dem guten Abschneiden bei den Deutschen Jugendmeisterschaften insgeheim auf die Teilnahme bei der Weltmeisterschaft 2019. Im erweiterten deutschen Kader ist sie jedenfalls schon.
Roxanne Runzer, Nachwuchskeglerin aus Uebigau, hofft nach dem guten Abschneiden bei den Deutschen Jugendmeisterschaften insgeheim auf die Teilnahme bei der Weltmeisterschaft 2019. Im erweiterten deutschen Kader ist sie jedenfalls schon. FOTO: Hantke
Uebigau. Andere Jugendliche in ihrem Alter "chillen" oder "hängen ab", jedenfalls um diese Zeit, wenn Roxanne noch einmal zu ihren Sportsachen greift. Zweimal die Woche geht es abends zum Kegeltraining. Sylvia Kunze

Hinzu kommt noch einmal die Woche Leichtathletik-Training. Und als sei dies nicht genug, fährt sie auch noch einmal im Monat zum Stützpunkttraining des Nationalkaders nach Thüringen. Dorthin hat sie es aufgrund ihrer Leistungen auf Kreis-, Landes-bzw. auch schon Bundesebene geschafft.

"Ich brauche das harte Training", sagt die Schülerin der jetzt noch 10. Klasse des Herzberger Gymnasiums. "Und ich brauche einen Sport, der abwechslungsreich ist." Die Uebigauerin, die sich erst seit vier Jahren für die Kugel und die neun Kegel begeistern lässt, hat die Vorbilder in der eigenen Familie. Mutter Daniela hat ebenso vorgelegt wie die Oma.

Mit der Maßgabe "Es macht Spaß, gegen andere, bis dahin Stärkere zu gewinnen" arbeitet sich Roxanne voran. Erst jüngst bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in der Wertung U18 im Classic-Kegeln hat sie erst wieder aufhorchen lassen. Dort erkämpfte sie sich mit persönlicher Bestleistung von 537 Holz in einem mit Welt- und Vizeweltmeistern gespicktem Wettbewerb als einzige Brandenburger und zugleich auch noch jüngste Teilnehmerin einen 10. Platz im Einzel.

Bereits seit Ende 2015 ist sie im Sichtfeld der Nationaltrainer der Deutschen U18 Nationalmannschaft. In diesem Jahr hat es mit der Teilnahme an der WM leider nicht geklappt. Roxanne war die weitaus jüngste Spielerin, deshalb schaffte sie es (noch) nicht in den endgültigen Spielerkreis. "Aber für die WM 2019 ist Roxanne von den Trainern bereits für den erweiterten Kader berücksichtigt worden und wird deshalb unter ständiger Betreuung und Beobachtung seitens der Bundestrainer bleiben", freut sich ihr Uebigauer Trainer Thomas Altmann.

Der ist einfach nur stolz. Auf die Leistungen von Roxanne. Auf die Leistungen der Uebigauer Kegler generell. Wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht, als der Uebigauer Kegelsport aufgrund der maroden Kegelbahnen zum Erliegen gekommen war, dass Uebigauer Kegler wieder einmal an der nationalen Kegelspitze mitmischen würden. Erst seit 2011 sind die Lok-Sportler wieder im Spielbetrieb. Los ging es damals mit einer Mannschaft. Heute sind es zwei Männer- und eine Frauenmannschaft sowie ein gemischtes Team U14.

Wobei der Nachwuchs derzeit für die meisten positiven Schlagzeilen sorgt. Neben Roxanne Runzer schlägt sich auch Laura Deck auf oberen Ebenen ganz beachtlich. Aber im Gegensatz zu ihrer Sportkollegin ist ihre Nummer 1 der Sportarten Volleyball. Erst danach kommt das Kegeln. Roxanne geht hingegen voll und ganz in die Vollen und nimmt auch gern das anstrengende Training in Thüringen auf sich. Ist da wieder ein Tag angesetzt, heißt es eine Freistellung von der Schule einholen, mittags ins Auto steigen, nach Thüringen Fahren, trainieren, spätabends wieder zu Hause sein und müde und geschafft ins Bett fallen. Da steckt enormer Kraft- und Logistikaufwand dahinter.

Aber Trainer Thomas Altmann weiß mit Blick auf eine mögliche WM-Teilnahme: "Wer das schaffen will, darf Zeit und Kosten nicht scheuen." Um Familie und Verein finanziell entlasten zu können, freut er sich über jeden Sponsor. "Es haben schon einige begriffen, dass Roxanne das sportliche Aushängeschild unseres Vereins ist", merkt er, dass nicht mehr hauptsächlich die Fußballer Unterstützungen erhalten, sondern zunehmend auch die Kegler.