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| 14:27 Uhr

Die Geschichte des Jahres 2018
Hundeattacken auf das Damwild haben ein juristisches Nachspiel

 Beim Damwild im Herzberger Tiergehege ist wieder Ruhe eingezogen. Der Hirsch wacht über seine "Familie".
Beim Damwild im Herzberger Tiergehege ist wieder Ruhe eingezogen. Der Hirsch wacht über seine "Familie". FOTO: Dieter Müller
Herzberg. Die Vorfälle im Herzberger Tierpark vom Februar, bei denen vier Tiere starben, sorgten für viel Aufsehen. Im Park ist wieder Ruhe eingekehrt. Aber das Gericht hat damit noch zu tun. Ein Blick auf die Geschichte des Jahres 2018 und was daraus geworden ist. Von Birgit Rudow

Es war einer der Aufreger 2018 in Herzberg gleich zu Jahresbeginn. Am 3. Februar, einem Samstag, haben zwei Hunde die Tiere im Damwildgehege im Herzberger Tierpark angegriffen. Ein Tier wurde totgebissen, zwei weitere Tiere so schwer verletzt, dass sie von der Polizei durch einen Gnadenschuss erlöst werden mussten. Bei den getöteten Tieren handelte es sich um ein Jungtier und zwei tragende Muttertiere.

Durch den Anruf einer Anwohnerin war die Leiterin des Herzberger Tiergeheges damals informiert worden, dass Hunde im Damwildgehege, in dem zu diesem Zeitpunkt elf Tiere lebten, ihr Unwesen trieben. Die Hunde mussten sich unter dem Wildgatterzaun durchgegraben haben

„So etwas ist bisher bei uns noch nicht vorgekommen. Die Hunde haben das Damwild durch das Gehege gejagt. Wenn bei Hunden der Jagdtrieb geweckt ist, ziehen alle mit. Warum sie auf das Wild losgegangen sind, kann ich nicht sagen. Das hat auch viel mit der Erziehung der Tiere zu tun“, sagte Diana Enigk damals.

Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein. Zwei Tage später gelanten erneut zwei Hunde in das Damwildgehege und verletzten ein Tier derart, dass es später von der Polizei erlegt werden musste. Wie sich herausstellte, waren die Hunde von einem in der Nähe des Tierparks befindlichen Grochwitzer Grundstück unbeaufsichtigt auf das Tierparkgelände gekommen.

Laut Herzberger Ordnungsamt gehörten sie nicht dem Eigentümer des Grundstückes, sondern zwei Mitbewohnern. Die Hunde, zwei schäferhundgroße Mischlinge, wurden in das Tierheim nach Langengrassau gebracht und wegen der Angriffe als gefährlich eingestuft. Sie durften weder vermittelt, noch den Haltern zurückgegeben werden. „Die Halter konnten nicht den Nachweis erbringen, dass sie den Kriterien für die Haltung gefährlicher Hunde ordnungsgemäß nachkommen können“, so Herzbergs Ordnungsamtsleiter Sven Ziehe im Februar. Das Ordnungsamt hat angekündigt, die beiden Halter zur Verantwortung zu ziehen und hat gegen sie Anzeige erstattet.

In der Stadt und in den sozialen Medien hatten die Vorfälle im Tierpark für reichlich Aufsehen gesorgt. Der Herzberger Stadtverwaltung wurde vorgeworfen, in Bezug auf die Hunde auf dem Grundstück in Grochwitz, „leider sehr oft ihre Ohren“ zu verschließen. Selbst die Tierrechtsorganisation PETA hat zu den Vorfällen im Herzberger Tierpark Stellung genommen und die Einführung eines Hundeführerscheins in Brandenburg gefordert.

Nach den Attacken im Februar wurde das Damwildgehege noch besser gesichert. Das Leben der Tiere hat sich wieder normalisert. Der Hirsch und die verbliebenen weiblichen Alttiere sorgten auch in diesem Jahr für zwei Mal Nachwuchs. Die Jungtiere gibt der Herzberger Tierpark gewöhnlich ab, um Inzucht zu vermeiden. „Wir geben sie an Wildgatter oder an andere Tierparks, die sie haben möchten“, sagt Diana Enigk. Die Tierparkleiterin hat erst einmal einen Schlussstrich unter die Vorfälle im Februar gezogen.

Die juristische Auseinandersetzung der Stadt mit den Hundehaltern hingegen ist noch nicht beendet. Die Verwaltung hat auf Schadenersatz geklagt. Schließlich sind nicht nur vier Tiere aus dem Gatter gestorben, sondern auch zwei ungeborene. Die Stadt braucht jeden Euro zum Betreiben des Tiergeheges und für die Aufzucht. Der Verkauf von Tieren ist eine Einnahmequelle. „Das Verfahren läuft noch. Ein Termin vor Gericht wurde im alten Jahr abgesagt und ins neue Jahr verschoben. Es sind noch weitere Recherchen notwendig“, sagte Sven Ziehe zur RUNDSCHAU.

Doch die Stadt will das durchziehen. „Wir können froh sein, dass die Hunde nicht irgendwann Menschen angegriffen haben. Außerdem haben wir es oft mit Vandalismus und Schmierereien in der Stadt zu tun. Das können wir uns nicht gefallen lassen. Diejenigen, die so etwas machen, sollen wissen, dass wir hart durchgreifen, wenn wir sie erwischen. So wie bei den Hundehaltern“, sagt der Herzberger Ordnungsamtsleiter.

Im Tiergehege ist nach der Aufregung im Februar in diesem Jahr alles tierisch gut gelaufen. Es gab zum Beispiel Nachwuchs bei den Äffchen, den Eseln, den Ponys und nach vielen Jahren und einer „Verjüngungskur“ auch wieder bei den Hängebauchschweinen. Die Herzberger bringen reichlich Futter in den Tierpark und freuen sich über jede gute Neuigkeit, so Diana Enigk. Und so soll es auch 2019 bleiben.