ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:15 Uhr

Holzdorfs Helikopter über Raum Babimost

Babimost (Polen).. Mehr als 7000 deutsche, holländische und französische Soldaten befinden sich gegenwärtig auf polnischem Gebiet, unweit der Stadt Babimost. Ihre militärische Übungs-Aufgabe ist es noch bis Ende des Monats, gemeinsam mit polnischen Einheiten fiktive Einsatzszenarios zu trainieren. Von Sven Gückel

Im Mittelpunkt des unter dem Namen „Gainful Sword 2003“ ablaufenden Nato-Manövers mit 4500 Soldaten steht dabei die 11. Luftbewegliche Brigade der Niederlande, die im Rahmen der Übung ihre Einsatzfähigkeit nach Nato-Kriterien aufzeigen muss. Unterstützung aus deutscher Sicht erhält sie hierfür unter anderem durch die Heeresfliegerunterstützungsstaffel 1 aus Holzdorf / Schönewalde.

Station bereits gewechselt
Major Norman Sterlow war sichtlich zufrieden. Innerhalb weniger Stunden hatte ein Vortrupp seiner Staffel das neue Zeltlager aufgeschlagen, das sich unmittelbar neben der Runway des Feldflugplatzes Babimost befindet. 80 Kilometer im Landesinneren gelegen, ist es bereits die zweite Station der Holzdorfer während dieser internationalen Übung. Nachdem sie anfänglich kaserniert in Jaworze untergebracht waren, galt es nun das Leben im Felde zu trainieren. Kein Spaziergang bei nächtlichen Temperaturen von zehn Grad Minus. Selbst der gesteppte Schlafsack kann dann nur noch wenig wärmen. Doch mit diesen Bedingungen können die Unterstellten des Staffelchefs gut umgehen. Dafür sei man halt Soldat. Essen aus der Konserve, Flaggenparaden im Scheinwerferlicht und menschliche Bedürfnisse im Dixi ergänzen die Liste des Nichtalltäglichen. Die Tagesabläufe der Heeresfliegerstaffel unterscheiden sich indessen kaum.

Gesamten Flugverkehr im Blick
Sieben Uhr morgens Antreten zum Appell, anschließend Briefing der Offiziere im Gefechtsstandzelt. Dabei galt es zu klären, wie das Wetter der kommenden Stunden wird, welche Flüge für die Piloten anstehen, ob der Luftverkehr Besonderheiten aufweist. Vor allem Letzteres ist für die Hubschrauberpiloten wichtig. „Eisenhaltige Luft“ nennen sie es treffend, wenn ihre BO 105 gemeinsam mit holländischen Maschinen der Typen Apache, Chinook und Congar oder den polnischen MI 8 und MI 17 den Luftraum bevölkern.
Die Aufgabe der deutschen Heeresflieger ist dabei klar umrissen. Sie fungieren als Verbindungsflieger, befördern Generäle, Übungsschiedsrichter und „VIPs“ an jeden gewünschten und genehmigten Ort. Zu den außergewöhnlichen Fluggästen der Staffel gehörte am Donnerstag auch Hollands Kronprinz Wilhelm Alexander, der als Offizier und Vorgesetzter sich das Manöver aus der Nähe anschauen wollte. Das Zeltlager der Bundeswehreinheit unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von bisher Bekanntem. Eingefasst in unzählige Rollen Stacheldraht und nur zugänglich durch einen Checkpoint, ist es bei näherem Betrachten aber doch nicht mit der Vergangenheit vergleichbar. Nicht mehr in kriegerischer Absicht sei man im Einsatz, sondern im Rahmen friedenserhaltender Maßnahmen - so wie es die Neuausrichtung der Bundeswehr vorgibt. Aufwendiges Tarnen von Objekten und Fahrzeugen entfällt daher bewusst ebenso, wie das Einschwärzen der Gesichter. Nach Sterlows Worten ist das Feldlager eines mit erweitertem Aufgabenfeld. „Es könnte in gleicher Weise auch in Afghanistan oder anderswo in der Welt stehen.“ Denn auch dort gilt die Devise: „Flagge zeigen“ .

Auch Kuchenbacken ist erlaubt
Unterdessen wird nicht nur bei der Erfüllung der militärischen Aufgaben mit den Nato-Partnern eng zusammen gearbeitet, sondern auch auf dem Nachschubweg. Essensrationen und Treibstoffnachschub der Heeresflieger kommen daher ebenso aus dem holländischen Lager. Lediglich das Backen von Kuchen ist erlaubt - und wird regelmäßig praktiziert.