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| 06:36 Uhr

Lufttaxi im Dienste des Staates
Hubschrauberpiloten der Flugbereitschaft der Bundeswehr üben in Holzdorf

 Kurze Wege: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird zu einem Hubschrauber der Flugbereitschaft geleitet.
Kurze Wege: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird zu einem Hubschrauber der Flugbereitschaft geleitet. FOTO: picture alliance/dpa / Stephan Schütze
Holzdorf. Sie kommen zum Beispiel zu Einsatz, wenn Kanzlerin oder andere Spitzenpolitiker schnell von A nach B müssen – die Hubschrauber-Piloten der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Am Fliegerhorst Holzdorf trainieren sie regelmäßig ihr Können.

Wer den intensiven Arbeitsalltag von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolgen möchte, kann das ganz leicht tun. Auf ihrer offiziellen Homepage ist unter anderem der komplette Terminplan hinterlegt. Um dieses eng gestrickte Zeitmuster zu schaffen, nimmt nicht nur die Bundeskanzlerin gern die Dienste der Flugbereitschaft der Bundeswehr in Anspruch. Deren Piloten trainieren ihr fliegerisches Können regelmäßig am Fliegerhorst Holzdorf.

Nur wenige wissen, was es mit dem weißen Hubschrauber auf sich hat, der hin und wieder in Reichweite des Fliegerhorstes Holzdorf seine Kreise zieht. Die Maschine des Typs Eurocopter AS532 Cougar trägt zwar deutlich lesbar den Schriftzug „Luftwaffe“ an den Seitenflanken, ein militärischer Anstrich ist ihr aber fremd. Aus gutem Grund. Denn alle drei Maschinen dieses Modells, die unter dem Kommando der Bundeswehr stehen, verfügen über keinerlei Bewaffnung und sind einzig für den Transport wichtiger Personen des politisch parlamentarischen Bereiches gedacht.

Hochrangige Fluggäste schnell von A nach B bringen

Häufige Fluggäste sind neben Merkel der Generalinspekteur der Bundeswehr, Bundesminister, höhere Mitarbeiter des Bundesverteidigungsministeriums oder Staatssekretäre. Sie alle sollen möglichst schnell zu Terminen gebracht werden, ohne dafür lange und zeitaufwendige Anreisen in Kauf nehmen zu müssen. Ein klarer Zeitvorteil gegenüber dem Auto. „Durchschnittlich werden die Maschinen zweimal täglich angefordert“, erläutert Hauptmann Christian Sturm. (Name aus Sicherheitsgründen geändert). Er ist Kommandant auf der Cougar und damit einer von 14 Helikopterpiloten, die zur Flugbereitschaft der Bundeswehr gehören.

Anders als die Flächenflugzeuge, die für längere Reisen vorgesehen und in Köln stationiert sind, hat die Hubschrauberstaffel der Flugbereitschaft ihren Sitz am Flughafen Tegel. Somit ist sie im Bedarfsfall für die Regierungsmitarbeiter schnell erreichbar und zentral im politischen Machtzentrum der Republik angesiedelt. „Wenn die Kanzlerin uns braucht, landen wir direkt im Garten des Kanzleramtes und bringen sie und ihre Mitarbeiter zum gewünschten Ort”, erläutert Sturm.

 Überflug im Flutgebiet: Angela Merkel verschafft sich im Juni 2013 einen Überblick über die Lage an der Elbe bei Pirna.
Überflug im Flutgebiet: Angela Merkel verschafft sich im Juni 2013 einen Überblick über die Lage an der Elbe bei Pirna. FOTO: picture alliance / dpa / Steffen Kugler

Flugsicherheit hat höchste Priorität

Im Regelfall, ergänzt Major Dirk Freiberg (Name aus Sicherheitsgründen geändert), wie Sturm Pilot der Staffel, nehmen bis zu zehn Personen sowie zwei Piloten und eine Flugbegleiterin in der Maschine Platz. Im Bedarfsfall lässt sich die Anzahl der Sitze erhöhen, so dass 17 Personen mitfliegen können. Ihnen steht neben regulären Arbeitsplätzen mit einer Bordtoilette und einer kleinen Küche auch etwas Luxus zur Verfügung, der die Reisezeit angenehmer machen soll.

Wenn Hauptmann Sturm heute zu einem Einsatz startet, nimmt er den Auftrag wie am ersten Tag überaus ernst, ist aber längst nicht mehr nervös dabei. „Natürlich war da in der Anfangszeit schon etwas Aufregung dabei. Die ist aber längst gewichen”, berichtet er. Für ihn und seine Kollegen komme es vielmehr darauf auf, die Passagiere so gut und so sicher wie möglich an den Zielort zu bringen. Flugsicherheit hat dabei höchste Priorität. „Wenn etwa das Wetter ein Unsicherheitsfaktor ist, findet kein Flug statt“, fügt Feiberg an.

Mit maximaler Reisegeschwindigkeit von 270 km/h und einer Reichweite von bis zu 900 Kilometern, der Entfernung zwischen Kiel und München, sind die 1997 in Dienst gestellten Maschinen ein optimales Reisegefährt. Zudem benötigen die knapp zehn Tonnen schweren und 20 Meter langen Hubschrauber einen Start- und Landeplatz von nur 50 mal 50 Meter, was eine große Auswahl zulässt.

 Major Dirk Freiberg (l,) und Hauptmann Christian Sturm sind zwei der 14 Helikopterpiloten der Flugbereitschaft der Bundeswehr.
Major Dirk Freiberg (l,) und Hauptmann Christian Sturm sind zwei der 14 Helikopterpiloten der Flugbereitschaft der Bundeswehr. FOTO: Sven Gückel

Optimale Bedingugen in Holzdorf

Dass die Cougar ihre Trainingsflüge in Holzdorf absolviert, hat vor allem praktische Gründe. „Notlandeverfahren oder ein simulierter Triebwerksausfall können angesichts des hohen Verkehrsaufkommens am Flughafen Tegel nicht geübt werden. In Holzdorf hingegen, nach nur 30 Minuten Flugzeit, stehen uns alle Möglichkeiten offen“, begründet Sturm die regelmäßigen Besuche am Standort. Auch die Annaburger Heide nutzen die Besatzungen, um dort Geländeanflüge zu trainieren. Pro Jahr, so besagt es die Dienstvorschrift, müssen alle Piloten mindestens 150 Trainingsstunden absolvieren, um die geforderte Fluglizenz und den höchsten Status für Bundeswehrpiloten „Combat ready“ zu halten.

Fliegerisches Können, gute Beurteilungen und ein hohes Maß an Menschlichkeit sind Kriterien, die für eine mögliche Einstellung als Pilot der Flugbereitschaft der Bundeswehr erfüllt werden müssen. Dann steht auch einem Flug mit der Kanzlerin zu deren nächstem Termin nichts im Wege.