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| 08:28 Uhr

Waldgeschichte(n)
Echt gefragtes Schwarzwildgatter

Gisela Polz kümmert sich seit Jahren um das Schwarzwildgatter in Hohenbucko. Die Tiere, mit denen gearbeitet wird, sind handzahm und hören aufs Wort - „besser, als mancher Jagdhund, von dem genau das erwartet wird", versichert die Gatterverantwortliche.
Gisela Polz kümmert sich seit Jahren um das Schwarzwildgatter in Hohenbucko. Die Tiere, mit denen gearbeitet wird, sind handzahm und hören aufs Wort - „besser, als mancher Jagdhund, von dem genau das erwartet wird", versichert die Gatterverantwortliche. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Hohenbucko. Jäger aus ganz Deutschland kommen nach Hohenbucko, um hier ihre Hunde zu trainieren - und sind begeistert von den Bedingungen, die sich vor Ort bieten. Von Sylvia Kunze

Gisela Polz ist bei ihrer Morgenrunde. Sie ist nicht auf Pirsch, wie man bei der passionierten Jägerin vermuten könnte, sondern sie ist auf dem Weg zum Schwarzwildgatter. Das ist die Heimat von insgesamt 17 Wildschweinen - sechs Keiler, der Rest Bachen. Neun dieser Tiere stehen sozusagen im „Arbeitsprozess“, die anderen sind schon in „Rente“.

Das Gatter, das der Kreisjagdverband Herzberg seit 2005 in Hohenbucko betreibt, gehört zum Lebenswerk von Gisela Polz. Fast alle Schweine, die hier leben, hat sie von Hand aufgezogen. Mensch und Tier eint deshalb ein besonderes Verhältnis. Da ist zum Beispiel Lucky, der gerade angerannt kommt und sich den Mais, den es heute zum Frühstück gibt, nicht entgehen lassen will. „Der kommt aus dem Berliner Grunewald“, berichtet Gisela Polz, die auf ihrem Grundstück in Freileben seit vielen Jahren so etwas wie eine kleine, private Tierauffangstation betreibt.

Was sie nicht alles schon an Vierbeinern aufgepäppelt hat und welche Überraschungen die Gäste ihrer Pension miterleben durften. Ob Marderhund, Waschbär, Muffelschaf oder der inzwischen schon 16 Jahre alte Hirsch - Gisela Polz hat ihnen allen ein neues Leben geschenkt. Ebenso wie den Wildschweinen, die jetzt im 30 Hektar großen Gatter auf der ihr gehörenden Waldfläche leben, das wiederum in mehrere kleinere Gatter unterteilt ist: zum Arbeiten, zum Ausruhen sowie zum Fährten legen und aufspüren.

Jäger aus ganz Deutschland wissen die Ausbildungsmöglichkeit für ihre Hunde zu schätzen. Denn wer von ihnen seinen Hund optimal auf die Saujagd vorbereiten will, kommt am Schwarzwildgatter nicht vorbei. „Hunde müssen Sauen in ihren Einständen finden oder in Bewegung bringen, damit Jäger die Schwarzkittel vor die Büchse bekommen. Das verlangt den Hunden einiges an Können ab. Einfach so drauflos wäre bei den wehrhaften Sauen der denkbar schlechteste Weg“, erläutert Gisela Polz.

400 bis 500 Hunde werden pro Jahr in Hohenbucko ausgebildet oder legen dort Prüfungen ab. Gerade jetzt, vor den Herbstjagden häufen sich die Anfragen bei Gisela Polz. So mancher Jäger will zuvor noch einmal im geschützten Rahmen prüfen, ob sein Hund im Ernstfall das macht, was von ihm verlangt wird. Falls nicht, steht Gisela Polz zur Seite. Die Tiere, mit denen gearbeitet wird, sind handzahm und hören aufs Wort - „besser, als mancher Jagdhund, von dem genau das erwartet wird“, versichert die Gattermeisterin. „Was Hohenbucko so besonders macht? Dass hier in den Gattern alles frei und übersichtlich ist. Das ist ein klares Plus.“ Wegen des fehlenden bzw. kargen Bewuchses kann die Arbeit der Jagdhunde über weite Distanzen gut beobachtet werden.

Die Bedingungen vor Ort sind so optimal, dass hier schon Welpen ab einem Alter von zwölf Wochen zu üben beginnen können. Noch nicht direkt am Tier, aber mit einer Schwarte zum Schnuppern. Wenige Wochen später geht es schon an die Kontaktaufnahme, noch mit Zaun dazwischen, im nächsten Schritt an der langen Schleppleine ohne Zaun dazwischen.

Dass die Schwarzkittel sich davon nicht stressen lassen, ist wissenschaftlich nachgewiesen. Und schließlich gibt es nach getaner „Arbeit“ zum Feierabend von Gisela Polz immer eine extra Streichel­einheit für ihre borstigen Tiere.

Auch wenn deutschlandweit jährlich einige neue Gatter dieser Art entstehen, die Nachfrage nach Trainingsterminen in Hohenbucko ist ungebrochen hoch, egal ob aus dem Saarland oder von der Ostsee. Für das bevorstehende Wochenende haben sich längst die nächsten Jäger angemeldet. Dann bekommen Lucky und seine Kollegen wieder ordentlich was zu tun.